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Draghis Zauber ist verflogen

Die Europäische Zentralbank hat aus dem vollen geschöpft, um ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Doch die Finanzmärkte unterlaufen die Schritte. Die EZB scheint allmählich an ihre Grenzen zu stossen.
Daniel Zulauf
Ohne die EZB-Schritte «wären wir jetzt mit einer desaströsen Deflation konfrontiert»: Mario Draghi vor den Medien. (Bild: epa/Arne Dedert)

Ohne die EZB-Schritte «wären wir jetzt mit einer desaströsen Deflation konfrontiert»: Mario Draghi vor den Medien. (Bild: epa/Arne Dedert)

Die Europäische Zentralbank (EZB) lockert die Geldpolitik im Euroraum weiter, um der schwachen Wirtschaftsentwicklung und der aktuell negativen Teuerung Paroli zu bieten. Das Paket des EZB-Rats geht teils über die Erwartungen der Finanzmärkte hinaus. Doch statt dass sich der Euro gegenüber anderen Währungen weiter abschwächt, wie dies a priori zu erwarten gewesen wäre, begann er gestern im Lauf der nachmittäglichen Pressekonferenz sogar aufzuwerten. Zum Dollar legte er gegen 1,5 Prozent zu, und selbst zum Franken stieg der Wert des Euro um fast 0,5 Prozent auf über 1.10 Franken.

«Man sollte diese kurzfristigen Marktbewegungen nicht überbewerten», sagt zwar Credit-Suisse-Ökonom Björn Eberhardt mit Blick auf die Volatilität der Börsen. Bemerkenswert sind die Kursbewegungen aber trotzdem, zumal sich die Investoren bis vor wenigen Monaten noch exakt nach EZB-Chef Mario Draghis Taktstock zu bewegen pflegten. «Offensichtlich fühlen sich einige Hedge-Fonds nun in der Auffassung bestätigt, dass die EZB mit ihrem Latein langsam am Ende ist», sagt UBS-Devisenspezialist Thomas Flury.

«Gigantische Umverteilung»

Wo die Machtlosigkeit der Notenbanken beginnen könnte, wissen freilich nicht einmal die Währungshüter selber. Draghi gab gestern klar zu verstehen, dass der Zins als geldpolitisches Steuerungsinstrument der EZB mehr oder weniger ausgereizt ist. Sollten in Zukunft weitere Massnahmen nötig werden, so wären diese eher unkonventioneller Art. Auf diesem Weg ist die EZB allerdings schon lange eingeschränkt.

Der Schlüsselzins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der EZB mit Notenbankgeld finanzieren können, beträgt ab nächster Woche null Prozent, nach bisher 0,05 Prozent. Der Satz, mit dem die EZB die bei ihr deponierten Einlagen der Geschäftsbanken verzinst (und momentan bestraft), wird ab nächster Woche von –0,3 Prozent auf –0,4 Prozent gesenkt.

Die Märkte reagierten sensibel auf Draghis Bemerkung, dass die EZB noch lange Zeit mit tiefen Zinsen rechne, aber nicht davon ausgehe, diese noch viel weiter ins Negative stossen zu können. In Deutschland war gestern einmal mehr ein politischer Aufschrei über die «gigantische Vermögensumverteilung» vom reichen Norden in den schuldengeplagten Süden zu vernehmen.

Zudem beschloss der EZB-Rat gestern, die vor Jahresfrist gestarteten unkonventionellen Massnahmen zur Lockerung der monetären Bedingungen im Euroraum zum zweitenmal auszuweiten: Das Anleihe-Kaufprogramm, das ursprünglich von März bis September 2016 angelegt war und ein Gesamtvolumen von 1100 Milliarden Euro umfasste, wurde im Dezember auf 1500 Milliarden aufgestockt und bis März 2017 verlängert. Nun soll es mit weiteren 250 Milliarden Euro gespeist werden. Statt wie bisher 60 Milliarden Euro pro Monat will die EZB dafür neu 80 Milliarden ausgeben. Durch den Aufkauf von Obligationen an den Börsen versucht die EZB, die Kapitalmarktzinsen zu drücken und damit die Bedingungen für langfristige Finanzierungen der Wirtschaft zu verbessern. Aber auch hier stösst die EZB an Grenzen, weil die Verfügbarkeit notenbankfähiger Obligationen nicht unlimitiert ist. Daher will die EZB neu auch Unternehmensanleihen kaufen, und sie erhöht die Kauflimite für Obligationen des öffentlichen Sektors von 30 Prozent auf 50 Prozent pro Emission.

Reduzierte Erwartungen

Laut den jüngsten Prognosen der EZB-Ökonomen soll das Bruttoinlandprodukt des Euroraums 2016 um 1,4 Prozent, 2017 um 1,7 Prozent und 2018 um 1,8 Prozent expandieren. Man habe die Prognosen damit leicht nach unten korrigiert. Noch deutlicher reduziert hat die EZB ihre Inflationserwartungen. Diese beträgt 2016 0,1 Prozent und 2017 1,3 Prozent.

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