Dispersion des Öls

Was bewirkt die Ölpest?

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Markus Widmer Umweltnaturwissenschafter bei der Innovationsgesellschaft St. Gallen

Markus Widmer Umweltnaturwissenschafter bei der Innovationsgesellschaft St. Gallen

Was bewirkt die Ölpest?

Da sich das Öl im Meer nicht löst und leichter ist als Wasser, steigt es auf und bildet an dessen Oberfläche einen Ölteppich. Dieser wird durch Strömung, Wellen und Wind weggetragen. In den Küstengebieten richtet ein Ölteppich verheerende Schäden an den Ökosystemen an. Tiere an der Oberfläche wie Wasservögel oder Fischotter sind besonders bedroht.

Abgelagertes Öl kann eine luftdichte Schicht bilden und die darunter liegenden Pflanzen und Tiere ersticken.

Was kann getan werden?

Dispersionsmittel können den Ölteppich in winzige Tröpfchen auftrennen, sie umhüllen und so eine gleichmässigere Verteilung im Wasser erreichen. Das soll den Ölteppich vor der Küste zerstreuen. In den geringeren Konzentrationen kann das Öl von natürlichen Mikroorganismen rascher abgebaut werden.

Eine US-Firma hat vorgeschlagen, im Golf von Mexiko ein biologisch abbaubares Dispersionsmittel auf der Basis von Pflanzenextrakten einzusetzen.

Warum bestehen Bedenken?

Unklar sind allfällige Folgen für die Ökosysteme. Zudem wurden Nichtregierungsorganisationen hellhörig, als die Firma das Produkt als Nanotechnologie anpries. Bei der Dispersion des Öls im Wasser bilden sich nämlich Mizellen, die wenige Nanometer klein sind.

Solche Mizellen kommen aber auch in der Natur vor, etwa in homogenisierter Milch, und sind keinesfalls grundsätzlich gefährlich. Die Lage verlangt aber, die möglichen Folgen des Wartens gegenüber den Ungewissheiten und Risiken einer neuartigen Lösung abzuwägen – und zwar möglichst rasch. (red.)