Disney lanciert neues Gesundheitslabel für Lebensmittel

Der US-Konzern Disney will mit einem neuen Lebensmittellabel den Konsum von gesundem Essen fördern, wird dafür aber prompt kritisiert. Es fehle an Wissenschaftlichkeit und Transparenz.

Luana Rossi, Benjamin Weinmann
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Der Unterhaltungsriese Disney will mit eigenem Label auf gesunde Lebensmittel aufmerksam machen. (Bild: Daniel J. van Ackere/AP)

Der Unterhaltungsriese Disney will mit eigenem Label auf gesunde Lebensmittel aufmerksam machen. (Bild: Daniel J. van Ackere/AP)

Der Ruf nach einer einheitlichen Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln wird lauter. Immer mehr Unternehmen reagieren auf die drohende gesetzliche Regulierung mit hauseigenen Ampelsystemen – und erhöhen damit die Verwirrung auf Seiten der Konsumenten. Jetzt reiht sich Disney in den Labelwirrwarr ein. Mit dem neu lancierten Label «Disney-Küche» möchte der Unterhaltungsriese den Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkorn fördern, sagt eine Sprecherin von Disney auf Anfrage. Das Nährwertbanner wurde bereits in mehreren europäischen Ländern ausgerollt, darunter in Deutschland und Frankreich. Nun kommt auch die Schweiz zum Zug. Hierzulande ziert ­«Disney-Küche» Produkte von Danone, Evian und Kellogg’s. Erhältlich sind diese unter anderem bei Migros und Coop.

Ziel sei es, Familien mittels klarer Lebensmittelkennzeichnung bei einer bewussten Ernährung zu unterstützen. Die von Disney lizenzierten und zertifizierten Lebensmittel zeigen nebst dem Foodlabel die beliebten Charaktere auf der Verpackung. Damit wird auf die Jüngsten abgezielt: Mit Hilfe von Pluto und Co. sollen Kinder in Richtung einer nährstoffreichen Ernährung gelotst werden. Insgesamt entsprechen über 85 Prozent der Produkte mit Disney-Charakteren in der Region Europa, Nahost und Afrika den Disney-Nährwertrichtlinien. Bei den abweichenden 15 Prozent handelt es sich um Produkte für besondere Anlässe, wie Geburtstage.

Beim Bund ist man kritisch

In Frankreich ist das Disney-Kennzeichnungssystem indes in die Kritik geraten. Bemängelt wird die Willkür des Labels: Die online ausgewiesenen Nährwertrichtlinien würden Disneys eigener Definition entspringen, und es mangle damit an wissenschaftlicher Fundierung. Insbesondere, da die involvierten Experten nirgends ausgewiesen sind. Zudem fallen die Disney-Ratings teils deutlich lascher aus im Vergleich zum Nutri-Score. So erhalten etwa Kellogg’s Frühstücksflocken, die von Nutri-Score generell schlecht bewertet werden, von Disney-Küche ein vorteilhaftes B. Dass ausgerechnet Danone das Disney-Label übernimmt, überrascht. Schliesslich bildet der französische Konzern seit diesem Jahr den Nutri-Score auf seinen Produkten in der Schweiz ab. «Wenn unsere Partner auf andere Labels setzen, und sofern diese angebracht sind, können wir sie auch auf der Verpackung abbilden», sagt ein Sprecher von Danone auf Anfrage. Bis Ende 2020 sollen jedoch alle Milchfrischprodukte in der Schweiz mit dem Nutri-Score versehen werden. Dies beinhalte auch jene von Disney.

Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ist man kritisch: «Das Disney-Food-Label entspricht nicht unseren Anforderungen an eine Kennzeichnung zur Unterstützung der gesunden Wahl», sagt ein Sprecher. Ein konsumentenfreundliches Kennzeichnungssystem sollte auf sämtlichen Produkten eines Unternehmens zu finden und einfach verständlich sein sowie sich auf das gesamte Lebensmittel und eine Bezugsgrösse von 100 Gramm beziehen. «Nutri-Score ist im Moment das einzige Label in der Schweiz, das diese Kriterien erfüllt.»

Der Stiftung für Konsumentenschutz sind privatwirtschaftlich lancierte Labels gleichermassen ein Dorn im Auge. Sie ­befürwortet den Nutri-Score. Und auch bei den Konsumenten geniessen Systeme der Industrie wenig Akzeptanz, wie Umfragen gezeigt haben.