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Neue Werte braucht die Arbeitswelt

An vielen Arbeitsplätzen bedeutet die Digitalisierung vor allem Stress. Dabei könnte sie die Arbeit besser machen.
Kaspar Enz
Statt Mitbestimmung und Kreativität bringt die Digitalisierung vielen Arbeitnehmern mehr Leistungsdruck. Bild: Getty

Statt Mitbestimmung und Kreativität bringt die Digitalisierung vielen Arbeitnehmern mehr Leistungsdruck. Bild: Getty

Die Digitalisierung könnte die Arbeit angenehmer machen: Routinearbeiten übernimmt der Computer, es bliebe mehr Zeit für Kreativität und Innovationen. Strikte Arbeitszeiten und feste Arbeitsorte sind nicht mehr nötig. Kooperation und Mitbestimmung ersetzen starre Hierarchien. Das sind die Verheissungen der «New Work», der digitalen Arbeitswelt.

«Wenn wir von New Work sprechen, meinen wir meist freie­res, selbstbestimmteres Ar­beiten», sagt Alexandra Cloots. Im Rahmen des HR-Panels New Work der Fachhochschule St.Gallen erforscht sie gemeinsam mit Sebastian Wörwag, wie die Digitalisierung den Arbeitsalltag in Ostschweizer Arbeitsplätzen beeinflusst. Jedes Jahr führen Wörwag und Cloots eine Umfrage unter den Mitarbeitern der Unternehmen durch, die am Panel teilnehmen. Die Resultate der letztjährigen Studie waren ernüchternd. «Für eine Mehrheit der Befragten bringt die Digitalisierung vor allem mehr Effizienzdenken und Leistungsdruck», sagt Cloots. Und gerade wo mit Menschen gearbeitet wird, befürchten die Arbeitnehmer mehr Regeln und Routine und weniger Menschlichkeit.

Eine Frage der Kultur

Derzeit läuft die dritte Umfrage, deren erste Ergebnisse im Januar am dritten «New Work Forum» präsentiert werden sollen. Wörwag und Cloots fragen darin, welche Werte in einer zukünftigen Arbeitskultur verankert sein müssen, damit in der digitalen Arbeitswelt weiterhin der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Arbeitnehmer werden gefragt, wie wichtig ihnen Sinn, Selbstverwirklichung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Leistung oder Mitbestimmung sind. Und ob diese Werte auch vom Unternehmen gelebt werden, ob die Vorgesetzten autoritär oder partizipativ führen, ob die Mitarbeitenden Freiraum für Lernen und Innovation haben. Oder auch nur, ob es in Form von Begegnungszonen oder Kaffeeecken Platz für Austausch gibt. «Denn viele gute Ideen entstehen beim informellen Austausch», sagt Cloots.

Mit der aktuellen Umfrage will die FHS den Kreis der Befragten auch ausweiten. «Auch Arbeitnehmer aus Firmen, die nicht zum Panel gehören, sind eingeladen teilzunehmen», sagt Cloots. «Uns interessiert, was Arbeitnehmer in allen Branchen denken, auch Leute, die Schicht arbeiten.»

New Work

Was bedeutet die Digitalisierung für die Arbeitswelt? Beim Panel New Work der Fachhochschule St. Gallen (FHS) tauschen sich Unternehmen und Experten der FHS zu diesem Thema regelmässig aus. Die Anregungen von Seiten der Wirtschaft nehmen die FHS-Forscher für allfällige Forschungsprojekte auf. Jährlich führt die FHS zum Thema das «New Work Forum» durch, das nächstes Jahr am 8. Januar zum dritten Mal stattfindet. Die diesjährige Studie widmet sich dem Thema der Werte, die für Arbeitnehmer wichtig sind. Zur Teilnahme eingeladen sind auch Mitarbeiter von Unternehmen, die sich nicht am Panel beteiligen.

Über diesen Link kann man an der Studie teilnehmen. (ken)

Dass der Anspruch der neuen Arbeitswelt und die Wirklichkeit vielerorts auseinanderklaffen, ist für Cloots kaum verwunderlich. Die Digitalisierung stelle die Unternehmen vor Her­ausforderungen in schneller Folge. «Es gibt sehr viele Baustellen.» Die Firmen müssen ein Geschäftsmodell für die Zukunft aufbauen und gleichzeitig heute geschäftsfähig bleiben. Der Erfolgsdruck, die erhöhte Geschwindigkeit, werde oft an die Mitarbeiter weitergegeben. Und von den erhofften Vorteilen der Digitalisierung bleibe wenig. Wenn die durch Automatisierung eingesparte Zeit mit vielen neuen Aufgaben gefüllt wird, erhöhe das den Stress. «Die Burn-out-Rate steigt», gibt Cloots zu bedenken. Dabei könnten motivierte Mitarbeiter, die Zeit zum Lernen und für Innovationen hätten, bei der Umwälzung helfen.

Der Königsweg liegt noch im Dunkeln

Auf dem Weg dorthin machten viele Unternehmen einige Dinge richtig, sagt Cloots. Ein Königsweg sei aber noch nicht gefunden. Die Frage, welche Werte wichtig sind am Arbeitsplatz, kann helfen, diesem näherzu­kommen. Es sei aber nicht nur eine Frage, die sich Firmen und Arbeitnehmer stellen müssen, meint Cloots: «Es braucht ein gesamtgesellschaftliches Umdenken.»

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