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Digitales Rennen um Velokäufer nimmt Fahrt auf

Um der wachsenden Online-Konkurrenz auch künftig Paroli zu bieten, haben Schweizer Velofachhändler mit führenden Zubehör-Grossisten die eigene Plattform Veloplace lanciert.
Peter Hummel
Digitales und Laden vor Ort vernetzt: Der St. Galler Fachhändler Bruno Pfiffner (hinten) mit einem Kunden am Veloplace-Terminal. (Bild: Peter Hummel)

Digitales und Laden vor Ort vernetzt: Der St. Galler Fachhändler Bruno Pfiffner (hinten) mit einem Kunden am Veloplace-Terminal. (Bild: Peter Hummel)

Ob Kleider oder Elektronik – Endkonsumenten informieren sich heutzutage gerne erst mal online darüber, was der Markt für ihre Bedürfnisse bietet und wo diese Artikel verfügbar sind. Auch Velo­kunden sind längst online und wollen dort abgeholt werden. Eigentlich kommt heute kein Fahrradgeschäft mehr um einen Internetshop herum. Die allermeisten Velohändler sind damit aber fachlich wie finanziell überfordert; rechnen tut sich ein Online-Shop ausser für ganz Grosse nämlich überhaupt nicht.

Statt einfach die Faust im Sack zu machen oder zu resignieren, hat nun der Fahrradhandel selbst die Initiative für eine massgeschneiderte Branchenlösung ergriffen: Die Komenda AG in St. Gallen hat mit sechs weiteren führenden Schweizer Grossisten sowie engagierten Händlern eine offene Plattform geschaffen, die die digitale Transformation des Handels für Velofachgeschäfte zugänglich und erschwinglich macht. Mit von der Partie sind die Firmen Amsler Bikes & Parts, Fuchs-Movesa, Gecko Supply, Tour de Suisse Rad, TST Trading und Vitelli Velobedarf, die 160 Marken vertreten und 27000 Artikel anbieten; weitere Importeure haben Interesse bekundet.

Kunden wollen diverse Kanäle nutzen

Die Idee von veloplace.com ist an sich bestechend einfach: Unter dem Slogan «Nebenan ist überall» werden Velohändler mit ihren Lieferanten, den Kunden und untereinander vernetzt. Primär soll der Händler weiterhin die Kundschaft in seinem Fachgeschäft bedienen und seine Kompetenz in Beratung und Service unter Beweis stellen. Accessoires oder Ersatzteile, die nicht im Laden an Lager sind, kann sich der Kunde über einen Terminal im Shop nach Hause oder in den Laden schicken lassen, zum Beispiel für eine korrekte Anpassung oder Grössenbestimmung. Dort besteht auch eine unkomplizierte Umtauschmöglichkeit.

Der gleiche Service wird dem Kunden geboten, wenn er direkt von zu Hause aus bestellt. Ebenso kommt er in den Genuss von Händlerleistungen wie Werkstattservice. Dieses duale System trägt dem modernen Crossover-Kunden Rechnung, der nach der Arbeit mal in seinem Geschäft um die Ecke, am Wochenende aber auch mal im Internet einkaufen will. Ein moderner Veloplace-Händler zeigt auf seiner Homepage zur Information sein Veloangebot und verlinkt fürs Zubehör direkt auf Veloplace.

Die Lancierung erfolgte eigentlich schon vor anderthalb Jahren mit drei Pilotgeschäften, darunter Velociped in Kriens. Das eigens aufgebaute IT- und Content-Team in Köln leistete zwar gute Arbeit, doch das vorgegebene Marschtempo erwies sich als zu forsch – zu viele Basics funktionierten noch nicht richtig. Letzten Herbst wurde bei Komenda in St. Gallen mit Clara Esteve eine neue Projektleiterin für Veloplace eingestellt, und dieses Jahr startete die Plattform mit den ersten 60 Fachhändlern. Mit dieser jetzt schon beträchtlichen Zahl von Abhol- und Servicestellen kann veloplace.com gegenüber internationalen Online-Versendern einen wichtigen Trumpf ausspielen. Esteve betont:

«Es ist wegweisend, wie der Händler mit Hilfe dieser Plattform seine Kernkompetenz mit den Vorteilen des Online-Geschäfts verknüpfen kann – ohne Lagerrisiko und -kosten, aber gleichwohl mit höchster Liefer­fähigkeit.»

Einem Newcomer wie Veloplace stellen sich im rauen E-Commerce natürlich einige stramme Herausforderungen. Da ist einmal die Konkurrenz: Immer mehr und auch namhafte Marken wie Brooks, Scott oder Trek errichten ihre eigenen Online-Shops, vorerst in Deutschland, zunehmend aber auch in der Schweiz. In diesen Monoshops sieht Veloplace kaum eine Bedrohung: Sie führen nur das eigene Sortiment, bieten nicht die Umtauschmöglichkeit vor Ort und müssen die gleichen Preise wie beim Händler listen. Viel eher gilt das für die Günstigversender, gegen die sich die Fachhändler dank ihres Service bislang allerdings gut behaupten konnten. Der Preis ist aber in der Tat die Hauptproblematik: Schlimmstenfalls ist er immer falsch – zu teuer im Vergleich zu den Billigheimern, zu billig gegenüber den Fachgeschäften.

Manche Händler haben Berührungsängste

Veloplace orientiert sich preislich am Schweizer Online-Marktführer, bietet aber den Bonus, dass die Produkte bei jedem angeschlossenen Fachhändler umgetauscht und Serviceleistungen in Anspruch genommen werden können. Der Kunde, der bei Veloplace ein Produkt erstanden hat (und nicht irgendwo beim Discounter oder im Internet), kann damit endlich ohne schlechtes Gewissen seinen Fachhändler für Rat aufsuchen.

Ebenso darf er dort eine Auswahlsendung (in den Laden oder heim bestellt) retournieren – ganz Zalando-mässig, aber sogar ohne sich um das Paket kümmern zu müssen. Marius Graber von Velociped glaubt, dass sich dieser Aufwand dank der Aussicht auf einen neuen Kunden lohnen dürfte. Allerdings darf sich der Händler nicht selber im Wege stehen: «Viele Händler sind keine Digital Natives und haben darum manchmal noch Berührungsängste. Sie müssen lernen, dieses neue Tool aktiv einzusetzen und beim Kunden Neugier zu erwecken.» Gemäss Initiant Dirk ­Kurek, Co-Geschäftsführer der Komenda AG, soll Veloplace den Händlern die Angst vor E-Commerce nehmen. Mit einem gegenwärtigen Anteil von etwa 12 Prozent ist die Online-Konkurrenz noch nicht existenzbedrohend – doch bei einem dreifachen Volumen, wie das in wenigen Jahren erwartet wird, kann ein Händler nicht mehr abseits stehen.

Veloplace versteht sich quasi als couragierte Selbsthilfemassnahme des Fachhandels, organisiert wie eine Genossenschaft. Bis anhin ist es noch kein Geschäftsmodell, um Geld zu verdienen, das ist sich Dirk Kurek, der mit Komenda das ganze unternehmerische Risiko trägt, durchaus bewusst. «Veloplace ist bislang eine grosse Geldvernichtungs-maschine», kapriziert er sich selbst. «Siroop hat über 200 Millionen in den Sand gesetzt – wir haben erst einige Millionen investiert ...». Als Mitglied der Besitzerfamilie (Ehemann von Alexandra Komenda) kann er aber rascher entscheiden und flexibler reagieren. Er ist sich auch im Klaren, dass er Amazon und Galaxus kaum das Wasser reichen kann; Galaxus ist mit einem einstelligen Millionenbetrag jetzt schon grösster Velozubehörverkäufer der Schweiz.

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