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DIGITAL: Für Bargeld zum Bäcker statt zum Bancomaten

Das Schweizer Fintech-Unternehmen Sonect bietet einen Service an, der einem die lästige Suche nach Bancomaten ersparen soll. Ein grosses Schweizer Geldinstitut ist Partner. Weitere Banken kommen hinzu.
Andreas Lorenz-Meyer
Mit der Smartphone-App Sonect werden Geschäfte wie Bäckereien auch zum Bancomaten (Symbolbild). (Bild: Getty)

Mit der Smartphone-App Sonect werden Geschäfte wie Bäckereien auch zum Bancomaten (Symbolbild). (Bild: Getty)

Andreas Lorenz-Meyer

Wer in eine Filiale der Zürcher Bäckereikette Hausammann geht, trinkt dort üblicherweise Cappuccino oder geniesst eine Torte. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich Bargeld auszahlen zu lassen. Die Kette gehört zu den Partnern des jungen Zürcher Fintech-Unternehmens Sonect, das mit seinem Service aus dem Smartphone eine Art Bancomat macht.

Das geht so: Man lädt die Sonect-App runter und registriert sich dort mit Kreditkarte, Post­finance-Karte oder Bankkonto. Die App zeigt fortan, wann immer man Bargeld braucht, die nächstgelegenen Bezugsstellen an. Man gibt dann den gewünschten Betrag ein, geht in den Laden und lässt dort den Barcode scannen, den man über die App erhalten hat. Die gewünschten Geldscheine werden ausgegeben, die Summe vom Konto abgehoben. Gebühren fallen dabei keine an.

Europa und die USA im Visier

Im Mai 2017 ging man live, wie es Sonect-Mitgründer Rik Krieger ausdrückt. Der Service ist bei jedem in der Schweiz registrierten Shop nutzbar. Vorausgesetzt, der Shop hat sich über die App registriert. Vor allem im Raum Zürich, Winterthur, Basel und Aarau nehmen viele Läden teil: gastronomische Betriebe, Bäckereien, Apotheken. Den jeweils ausgezahlten Betrag schreibt Sonect dem Konto des Ladens gut, welcher pro Abhebung eine Provision erhält. Und zudem mit mehr Kundschaft rechnen kann. Krieger: "Die Shops können sich auf unserer Plattform präsentieren – und das völlig kostenfrei."

Partner von Geldinstitutsseite ist seit Beginn die Postfinance. Hinzu kommt jetzt die Hypothekarbank Lenzburg, die im ersten Quartal 2018 einsteigt. Auch hier kann jeder Kunde theoretisch Sonect-Nutzer werden. Der potenzielle Nutzerkreis vergrössert sich weiter. Laut Krieger stossen noch in diesem Jahr weitere Schweizer Banken dazu. Die Expansion ins Ausland steht auch an. Es gibt Interessenten in Spanien, Frankreich, England, Österreich, Russland und den USA. Fest eingeplant ist Österreich.

In diesem Januar führte man in Wien den ersten internatio­nalen Test mit Raiffeisenbank International durch. Insgesamt sollen im laufenden Jahr Niederlassungen in mindestens drei europäischen Märkten öffnen. Krieger: "Unsere Partnerpipeline brummt mächtig." Zudem stehen die Gespräche vor allem mit internationalen Investoren kurz vor dem Abschluss. In der ersten Finanzierungsrunde im April 2017 war Postfinance Hauptinvestor gewesen. Die Nutzerzahlen liegen derzeit im vierstelligen Bereich. "Der Faktor Convenience ist unglaublich stark", sagt Sonects Community Manager Dominik Bucher. Nicht nur in den ländlicheren Regionen mit weniger Geldautomaten kommt der Service gut an, sondern auch in Bars, Clubs und Restaurants in der Stadt, wo es zum nächsten Bancomaten nicht so weit wäre. Bucher: "Gerade jetzt im Winter möchten die Leute nicht in der Kälte nach dem Geldautomaten suchen, wenn sie das auch bequem in der beheizten Bar erledigen können." Die Registrierung muss noch verbessert werden. Was nicht ganz einfach ist, da man einen Service offeriert, der wegen des Konsumentenschutzes stark reguliert ist. In die Weiterentwicklung fliessen auch die Anregungen der Community ein.

Menschen statt Bildschirme

Bargeld irgendwann überall gebührenfrei bekommen: So lautet die Sonect-Idee. Die Banken können damit eine neue Dienstleistung anbieten. Da sie bei der Anschaffung, dem Unterhalt und den Auszahlungen am Bancomaten sparen, berechnet Sonect ihnen pro Abhebung eine Gebühr. Die teilt man sich mit den Shops.

Ob das Geschäftsmodell erfolgreich ist, hängt davon ab, ob Bargeld trotz Digitalisierung attraktiv bleibt. Krieger ist da sehr zuversichtlich. Im Jahr 2016 habe es weltweit über 100 Milliarden Bargeldtransaktionen an Geldautomaten gegeben – 9 Prozent mehr als im Jahr davor. Bargeld könnte zwar über kurz oder lang verschwinden, aber das dauere noch mehr als zehn Jahre, glaubt er. Die Sonect-Macher wollen eine Brücke in die Zeit nach dem Bargeld schlagen.

Orte ohne Bancomaten gibt es ja durchaus noch in der Schweiz. Man betreibt "Cash Recycling", so nennt es Krieger. Das senke die Kosten und erhöhe den Nutzen für alle – Läden, Geld­institute und Nutzer. "Und seien wir ehrlich", schliesst Krieger, "wir verbringen so viel Zeit vor Bildschirmen, da ist es angenehm, Bargeld einmal nicht am Geldautomaten zu beziehen, sondern bei Menschen."

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