Diffuses vom Arbeitsmarkt

Trotz schwachen Stellenwachstums ist die US-Arbeitslosenquote den zweiten Monat in Folge gesunken, auf nunmehr neun Prozent. Doch jeder sechste Amerikaner hat zu wenig Arbeit.

Thomas Spang
Drucken
Der stellenlose Richard Philips sucht einen Job in einem Arbeitszentrum im kalifornischen Glendale. (Bild: ap/Damian Duvarganes)

Der stellenlose Richard Philips sucht einen Job in einem Arbeitszentrum im kalifornischen Glendale. (Bild: ap/Damian Duvarganes)

Washington. Selbst den sonst nie um eine Erklärung verlegenen Reportern auf dem Wirtschaftskanal CNBC fiel nicht viel ein, als die jüngsten Arbeitslosenzahlen über den Ticker liefen. Ein enttäuschend schwacher Zuwachs von netto 36 000 Arbeitsplätzen stand offenkundig im Widerspruch zur Arbeitslosenquote. Diese sank im Dezember und nun erneut im Januar um jeweils deutliche 0,4 Prozentpunkte. «Ich denke, irgendwas muss in der Wirtschaft besser geworden sein, selbst wenn wir es heute nicht sehen», mutmasste ein CNBC-Kommentator.

Experten boten eine Erklärung. Das widersprüchliche Bild könnte das Ergebnis der Erhebungsmethode sein. Die Behörde für Arbeitsmarktstatistik benutzt zwei Umfragen. Eine für die absoluten Zahlen, die andere für die Quote.

Die 36 000 neuen Jobs stammen aus der Umfrage bei einer fixen Gruppe aus Unternehmen und Behörden, die dem Amt für Arbeitsstatistik mitteilen, wie viele Menschen sie beschäftigen. Die Arbeitslosenquote von 9,0% dagegen ist das Ergebnis einer Erhebung bei 60 000 Privathaushalten. Die Januar-Zahlen in dieser Umfrage ergaben hochgerechnet ein Plus von 589 000 Stellen.

Kleine Firmen sind der Schlüssel

Experten betonen, dass die Firmenbefragung viele kleine und mittlere Unternehmen nicht erfasst. Theoretisch könnte dies die Differenz erklären. Zumal ein Anspringen der Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt hochgradig vom Mittelstand abhängt: Die meisten Amerikaner arbeiten bei kleineren Firmen, die von der Finanzkrise besonders betroffen waren.

Mark Zandi von der Agentur Moody's bleibt skeptisch. «Diese Zahlen bedeuten wenig», sagt der Analyst. Das gilt aus seiner Sicht aber auch für jene Skeptiker, die den Januar als Beleg für einen job-losen Aufschwung (jobless recovery) in den USA betrachten.

Zahlreiche Unterbeschäftigte

Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. US-Präsident Barack Obamas Wirtschaftsberater Austan Goolsbee wies wie andere auf den ungewöhnlich harten Winter hin. Davon betroffen waren besonders die Transport-, die Lagerhaltungs- und die Baubranche. In diesen Zweigen gingen ebenso Arbeitsplätze verloren wie bei den Behörden, die unter dem öffentlichen Spardiktat 14 000 Jobs abbauen mussten. Erfreulicher sah es im Gesundheitswesen und im Detailhandel aus. Auch das verarbeitende Gewerbe schuf Arbeitsplätze.

Für die Betroffenen aber bleibt es düster. Fast jeder zweite der 13,9 Mio. Arbeitslosen sucht seit über sechs Monaten einen Job. Langzeitarbeitslosigkeit wird immer mehr zu einer Herausforderung für die USA, weil das soziale System nicht darauf eingestellt ist. Laut dem Forschungsdienst des Kongresses haben inzwischen 1,4 Mio. Arbeitslose die 99-Wochen-Grenze überschritten, nach der sie keinerlei Anspruch auf staatliche Unterstützung mehr haben.

Ähnlich unerfreulich steht es um die Unterbeschäftigten. Hier rechnet man zu den gemeldeten Arbeitslosen Amerikaner hinzu, welche die Jobsuche aufgegeben haben oder unfreiwillig in Kurzarbeit sind. Diese Quote sank nur marginal auf 16,1%. Eine Arbeitsmarkt-Erholung sieht anders aus.

Aktuelle Nachrichten