Dieselskandal: VW-Manager muss ins Gefängnis

Renzo Ruf, Washington
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PremiereEr hatte sich mehr oder weniger freiwillig der amerikanischen Justiz gestellt und versprochen, bei den Ermittlungen in der VW-Dieselaffäre zu kooperieren. Dieses Verhalten aber kam James Liang (63) kaum zugute: Ein Bundesrichter in Detroit verurteilte gestern den VW-Ingenieur wegen seiner Rolle im Skandal um ­manipulierte Abgaswerte von Dieselmotoren zu 40 Monaten Gefängnis und einer Busse von 200000 Dollar. Damit statuierte Richter Sean Cox am VW-Angestellten ein Exempel, hatte die Anklagebehörde doch geringere Strafen – 36 Monate Gefängnis, 20000 Dollar Busse – gefordert.

Liang arbeitete gut zehn Jahre für den deutschen Autobauer in Kalifornien. Bereits vor seinem Umzug in die USA war er federführend an der Entwicklung des Dieselmotors EA 189 beteiligt, mit dem VW den US-Markt erobern wollte. Rasch stiessen die VW-Ingenieure aber auf eine schier unüberwindliche Hürde: Sie taten sich schwer damit, die richtige Balance zwischen den hohen Stickoxid-Grenzwerten in den USA und den hohen Erwartungen der Kunden an einen Dieselmotor zu finden. Also tricksten die VW-Angestellten, indem sie 2006 eine betrügerische Software-Applikation entwickelten, die dazu diente, die staatlichen Abgaskontrollen zu überlisten.

«Eine Schlüsselrolle» in einem schweren Verbrechen

Nach seinem Umzug in die USA verbesserte Liang diese Applikation weiter. Im September 2016 gab er vor Gericht in Detroit zu, er habe gewusst, dass die US-Aufsichtsbehörden keine Ahnung gehabt hätten von den Tricksereien. So habe er bereits 2007 an Sitzungen mit der US-Umweltbehör­de EPA und der kalifornischen Aufsichtsbehörde CARB teilgenommen, ohne auf die Applikation aufmerksam zu machen.

Richter Cox begründete das Strafmass mit der Schwere des Verbrechens, das Liang begangen habe, und damit, dass der Deutsche «eine Schlüsselrolle» in der Affäre gespielt habe. Ein zweiter VW-Angestellter, Oliver Schmidt, der sich ebenso schuldig bekannt hat, erfährt seine Strafe voraussichtlich im Dezember. Die andere Handvoll Angeklagter in der Dieselaffäre, darunter der frühere VW-Manager Bernd Gottweis, sind in Deutschland und scheinen keine Pläne zu hegen, sich der US-Justiz zu stellen. VW selber hat in den USA Bussen von 4,3 Milliarden Dollar akzeptiert.

Renzo Ruf, Washington