Dieselmotor auf dem Prüfstand

Autobauer und Zulieferer müssen neue und kosteneffiziente Lösungen in der Dieseltechnologie entwickeln. Dennoch dürfte der Anteil der Dieselautos sinken.

Thomas Griesser Kym
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ZÜRICH. Der Abgas-Skandal bei Volkswagen hat den Dieselmotor ins Gerede gebracht. Das stellt Autobauer und deren Zulieferer vor neue Aufgaben. «Denn die Automobilindustrie steht vor der Frage, ob es sich um einen temporären Schock der Branche oder ein Ende von Dieselmotoren handelt.» Dieser Frage geht die Beratungsfirma Roland Berger in einer Studie nach.

«Ohne Dieselmotoren wird es nicht möglich sein, die von der EU geforderten CO2-Emissionswerte bis 2020/21 zu erreichen.» Das sagt Sven Siepen, Managing Partner von Roland Berger. Trotzdem müsse die Autoindustrie umdenken, «wenn Dieselmotoren nicht von der Strasse verschwinden sollen». In der Schweiz betreffe dies besonders Sensorikhersteller oder Giessereien, die verbesserte und komplexere Kühlungen für Motorblöcke entwickeln müssten.

Dieselmotoren sind europäisch

Dieselmotoren sind laut der Studie vor allem in Europa verbreitet. In den EU-Ländern hatte 2014 mehr als die Hälfte der 12,5 Mio. verkauften Neuwagen einen Dieselmotor, in der Schweiz betrug der Dieselanteil 38,5%. Sehr wenig Dieselautos fahren dagegen in den USA: Von 14 Millionen Neuzulassungen waren es nur 3%. Auch China setzt weiter auf Benzin: Von 18 Mio. Neufahrzeugen waren weniger als 1% mit Dieselmotoren ausgestattet.

Dieselmotoren sind im Abgaszyklus in den vergangenen Jahren deutlich sauberer geworden. Doch nach dem VW-Skandal ist laut Roland Berger «zu erwarten, dass die Auflagen für Emissionstests verschärft werden». Dabei werden auch die im realen Strassenverkehr erzielten Schadstoffnormen und nicht nur die Laborwerte entscheidend sein.

Kosteneffiziente Lösungen

Um diese Vorgaben zu erfüllen, werde die Herstellung von Dieselmotoren künftig teurer. Denn diese müssen mittels zusätzlicher Verbrennungstechnik und Abgasnachbehandlung verbessert werden. Der Preisabstand zum Benzinmotor wird so weiter steigen. «Umso wichtiger ist es für die Hersteller, kosteneffiziente Lösungen zu finden, die den geplanten zusätzlichen Abgastests standhalten können. Dabei soll aber der Fahrspass erhalten bleiben», warnt Siepen. Er geht davon aus, dass sich die Investitionen nur für Wagen der Oberklasse lohnten. In Kleinst- und Kleinwagen sei der Dieselmotor durch die neuen Auflagen «nicht mehr wettbewerbsfähig». Zudem liessen sich in Dieselautos der Mittel- und Oberklasse deutlich mehr CO2-Emissionen einsparen (bis zu 35%) als bei kleinen Autos (bis zu 15%).

Wegen der erhöhten Kosten werde der Anteil der Dieselfahrzeuge auch in Europa insgesamt sinken. Roland Berger erwartet, dass von den Kleinwagen bis 2030 über 70% und von den Kleinstwagen gar 100% Benziner sein werden. In der Mittelklasse dürfte der Dieselanteil von heute 64% auf 55% sinken und selbst in der Oberklasse von 88% auf 70%.