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Diese Erfinder aus St.Gallen schützen Telefonmasten aus Holz mit Pilzen

Das St.Galler Start-up Mycosolutions AG macht Telefonmasten der Swisscom haltbarer. Das bringt Einsparungen in Höhe von bis zu 14 Millionen Franken pro Jahr. Auch Hobbygärtner und Cannabisanbauer können von biologischen Nützlingen profitieren.
Roberta Maria Koch
Der Herr der nützlichen Pilze: Reto Vincenz. (Bild: Michel Canonica)

Der Herr der nützlichen Pilze: Reto Vincenz. (Bild: Michel Canonica)

In der Schweiz stehen rund eine halbe Million Telefonmasten aus Holz. Da Schädlingspilze oftmals die Holzmasten angreifen, werden diese mit umweltschädlichen Bioziden wie Chrom oder Bor imprägniert. Und dennoch muss die Swisscom jährlich mehrere tausend Telefonmasten aufgrund von Fäulnis und Sturmschäden ersetzen. Das St.Galler Start-up Mycosolutions hat eine Lösung für das Problem entwickelt. Die Haltbarkeit der Telefonmasten wird damit auf umweltschonende Weise verlängert. Und das senkt dann auch die Kosten. Mit ihrer Idee haben es die Jungunternehmer bis ins Finale des Wettbewerbs um den Startfeld Diamant geschafft.

Francis Schwarze, Empa-Forscher und Gründer von Myco­solutions, ist bereits seit 25 Jahren im Baumgeschäft tätig. Im Rahmen eines im Frühling 2014 eingeleiteten Forschungsprojekts der Swisscom entwickelte er die biologische Alternative zum Schutz vor holzzerstörenden Pilzen. Diese Alternative ist ebenfalls ein Pilz. Gemäss Schwarze gibt es in der Natur für jeden Schädling einen Nützling, was erklärt, weshalb ausgerechnet ein Pilz zur Pilzbekämpfung zum Einsatz kommt. Die Verwendung des Pilzes mit dem Namen Trichoderma harzianum soll die Widerstandskraft von Pflanzen und verarbeiteten Gehölzen stärken. Zudem unterstützt die Pilzkultur die Nährstoffaufnahme sowie das Wachstum der Pflanzen. Wegen der vielversprechenden Forschungsresultate beschloss die Swisscom im Herbst 2016, sich an der Mycosolutions AG zu beteiligen. Gemäss Mark Neuhaus, dem Leiter des technischen Managements der Swisscom, werde nun jeder neue Mast mit dem Produkt von Mycosolutions behandelt. Durch den Verzicht auf umweltschädliche, chromhaltige Holzschutzmittel erhoffe man sich nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern mittels der Bioalternative auch künftige Mehrkosten von bis zu 14 Mil­lionen Franken jährlich einzu­sparen.

Allerdings werden im Zeitalter der Internettelefonie immer weniger Holzmasten benötigt. Reto Vincenz, CEO und Mitgründer von Mycosolutions, sagt, dass in Europa noch 25 bis 30 Millionen Holzmasten stehen. Obwohl es sich um keinen wachsenden Markt handle, wäre bereits die Behandlung von ein bis fünf Prozent aller Masten innerhalb der nächsten Jahre eine unglaubliche Anzahl für das junge Biotechunternehmen.

Aktuell zählen im Bereich des Pilzschutzes für Holzmasten neben der Swisscom noch die BKW Energie AG, das Elektri­zitätswerk Wald sowie das Regionalwerk Bodensee zu den Kunden von Mycosolutions. Für ­dieses Jahr hat sich Vincenz vorgenommen, mindestens zehn weitere Holzmastenkunden im In- und Ausland zu akquirieren. Die Marketingaktivitäten seien insbesondere auf Frankreich, England, Skandinavien und die Schweiz ausgerichtet.

Mehr als nur Holzmasten schützen

Besorgt wegen der abnehmenden Relevanz klassischer Telefonmasten ist Vincenz nicht. Denn der Pilz Trichoderma harzianum kann mehr als nur Holzmasten vor dem Verfall schützen. Der Name Mycosolutions setzt sich aus den beiden Begriffen Myco (griechisch Pilz) und Solutions (englisch Lösungen) zusammen. Das Start-up verweist dadurch auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Neben dem Markt für Holzmasten möchte man sich in Zukunft auch verstärkt auf die Baumpflege, Grünflächenbehandlung sowie den Garten- und Landschaftsbau konzentrieren.

Ziel sei es zudem, mit der Landi zusammenzuarbeiten, um das Produkt so direkt an Privatkunden zu verkaufen. Aktuell ist der Nützling in Form eines Gels oder auch als Granulat über die Website erhältlich. Bevorzugt genutzt werden diese bereits von Hobbygemüsebauern und Rosenliebhabern. Ein weiteres Geschäftsfeld, in welches Myco­solutions in Zukunft möglicherweise einsteigen werde, sei der Anbau von medizinischem Cannabis. Hierbei handle es sich um einen sehr grossen Markt, welcher ebenfalls mit Schädlingspilzen zu kämpfen habe.

Der Pilz ist unterdessen kein Unbekannter. Auch beim Pharmakonzern Bayer wird damit gearbeitet. Laut CEO Vincenz ist das Alleinstellungsmerkmal von Mycosolutions jedoch, dass die Pilzstämme fortlaufend frisch gezüchtet und alle drei Monate trainiert werden. «Schliesslich müssen auch die Pilze fit gehalten werden und regelmässig ins Fitnessstudio gehen», sagt Vincenz. Des Weiteren produziere Myco­solutions nach wie vor hauptsächlich in der Empa in St. Gallen und kontrolliere die Qualität jedes Stamms.

Wachstum ist ein wichtiges Thema für das St.Galler Biotechunternehmen. Bis Mitte letzten Jahres bestand das Team noch aus zwei Personen, bald werden es jedoch acht sein. Aus diesem Grund seien sie auch auf ihren neuen Investor Fortyone angewiesen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe Ostschweizer Unternehmer, die sich an nichtkotierten Unternehmen beteiligen.

Startfeld Diamant

Zum achten Mal vergibt die St.Galler Kantonalbank den Startfeld Diamant. Das ist eine Auszeichnung für Ostschweizer Jungunternehmen. Die Preisverleihung findet am 12. Juni statt. Unsere Zeitung porträtiert die fünf Finalisten in loser Reihenfolge. (red)

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