«Die Zuversicht ist zurück»

ST.GALLEN. Trotz Euroschwäche und Konjunkturabkühlung ist der Ostschweizer Konjunkturindex wieder positiv. Damit zeigt sich eine Mehrheit der Unternehmen wieder zuversichtlich. Sorgen bereitet der Detailhandel.

Thomas Griesser Kym
Merken
Drucken
Teilen

Der Euro ist weniger wert als früher, die Exporte der hiesigen Industrie sind im 1. Semester 2015 geschrumpft, die Konjunktur neigt zur Schwäche. Und dennoch hat der Ostschweizer Konjunkturindex laut der jüngsten Juli-Umfrage bei Unternehmen im Kanton St. Gallen und beiden Appenzell wieder ins Positive gedreht. Konkret nahm er um rund 8 Punkte auf 1,86 Punkte zu (siehe Grafik). «Die Zuversicht ist zurück», sagt Albert Koller, Leiter Privat- und Geschäftskunden der St. Galler Kantonalbank, die den Index zusammen mit dem kantonalen Amt für Wirtschaft und der Beratungsfirma Ecopol AG erstellt.

«Nischen und Spezialitäten»

Was steckt dahinter? Über die Industrie sagt Koller, diese habe sich in der Ostschweiz besser entwickelt als im Rest des Landes. Im 1. Halbjahr sanken die Exporte der Ostschweizer Industrie mit 1,3% nur halb so stark wie landesweit. Dabei wurde ein Minus von 8,8% der Ausfuhren in die Eurozone (wohin gut 60% unserer Exporte gehen) durch ein Plus in den Rest der Welt von 9% beinahe wettgemacht. Allein in die USA verkauften die Ostschweizer Betriebe 13% mehr. Die Produktion ist zwar gesunken, doch nun erwarten viele Firmen laut Koller wieder einen Anstieg – «dank Nischen und Spezialitäten», mit denen sich manch ein Ostschweizer Unternehmen gegen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt behauptet. «Die Geschäftslage sollte sich stabilisieren», sagt Koller, wobei allerdings auf dem Arbeitsmarkt als Folge von Verlagerungen noch eine leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit erwartet werde.

Bauprojekte in der Pipeline

Die Bauindustrie laufe weiterhin auf hohem Niveau bei stabiler Ertragslage, aber auch hohem Preisdruck. Hier wird laut Umfrage erwartet, dass Nachfrage, Preise und Beschäftigung leicht sinken. Noch aber gebe es, stellt man auf die Baugesuche ab, unverändert viele Bauprojekte in der Pipeline.

«Das Sorgenkind» ist laut Koller der Detailhandel. «Dieser leidet stark» unter der Konjunkturabkühlung, dem Einkaufstourismus, dem Onlinehandel sowie dem rückläufigen Fremdenverkehr, der aber in der Ostschweiz eine weniger wichtige Rolle spiele als in anderen Regionen. Die anhaltende Zuwanderung könne all das nicht kompensieren. Immerhin jedoch sei der Privatkonsum «einigermassen intakt».