Die Zinsen bleiben tief

Während die Fed ganz langsam die Zinswende einläutet, zementiert die EZB den Ausblick für niedrige Zinsen – auch für die Schweiz. Dies schützt Aktien selbst bei hohen Bewertungen und schwacher Konjunktur vor Abstürzen.

Alexander Koch Senior Economist Raiffeisen Schweiz
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Während die Fed ganz langsam die Zinswende einläutet, zementiert die EZB den Ausblick für niedrige Zinsen – auch für die Schweiz. Dies schützt Aktien selbst bei hohen Bewertungen und schwacher Konjunktur vor Abstürzen.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, verkündete in den letzten Monaten fast pausenlos Neuigkeiten von zusätzlichen geldpolitischen Lockerungsmassnahmen oder weiteren Details zu deren Umsetzung. Darüber hinaus hat er die Erwartungen geschürt, dass die Notenbanker auch im kommenden Jahr nochmals weitere Instrumente zum Einsatz bringen werden.

Die Bilanzsumme der EZB soll in absehbarer Zeit um 50 Prozent wachsen. Ob diese aggressive Vorgehensweise tatsächlich die Kreditvergabe und die Konjunktur des Euroraums stimulieren wird, ist stark zu bezweifeln. Denn die Finanzierungskonditionen für die europäischen Banken sind aktuell bereits sehr günstig und spiegeln sich in günstigen Kreditkosten für die Privatwirtschaft wider. Dies gilt in zunehmendem Ausmass auch für die Peripheriestaaten. Mit dieser Taktik wird den Marktteilnehmern eingebläut, dass die europäische Geldpolitik sich definitiv von der amerikanischen Notenbank Fed abkoppelt.

EZB-Kampf für niedrige Zinsen

Im Umfeld niedriger Inflationsraten und einer anhaltend schwachen Erholung der Wirtschaft will die EZB mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Zinsen auf breiter Front mindestens unverändert niedrig halten. Dabei muss die EZB zwei Dinge im Auge behalten: steigende US-Zinsen im Rahmen einer beginnenden Normalisierung der Geldpolitik durch die Fed und ein Anziehen der Risikoaversion mit steigenden Risikoprämien für die europäischen Schuldenkrisenländer. Denn die abnehmende Konsolidierung der Staatsfinanzen und die unverändert niedrigen BIP-Wachstumsraten lassen die Schuldenquote in vielen Ländern weiter anschwellen. Aufgrund des quälend langsamen Erholungsprozesses der Euroraumkonjunktur wird damit auch der Kauf von Staatsanleihen im kommenden Jahr viel wahrscheinlicher.

Konsequenzen für Aktienmarkt

Was bedeutet dies nun für das Schweizer Zinsbild? Ganz klar keinen nachlassenden Druck für den Franken und auch weiterhin sehr niedrige Renditen für eidgenössische Anleihen. Kurzfristig sollte das Niveau nahe den Rekordtiefs verharren.

Das andauernde Tiefzinsumfeld hat natürlich auch Konsequenzen für den Aktienmarkt. Dieser hat sich nach der harschen Korrektur in der ersten Oktoberhälfte schnell wieder zu neuen Hochs aufgemacht. Die Bewertung ist damit derzeit sehr sportlich und die schwächere Weltnachfrage wird sich dämpfend auf die Unternehmensgewinne auswirken. Nichtsdestotrotz bleiben Aktien aufgrund der mickrigen Zinserträge von Obligationen vor allem bei Korrekturen weiterhin eine relativ attraktive Anlageklasse.