Die weissen Flecken erschliessen

Wo Läden fehlen oder Dorfläden einzugehen drohen, springt oft Volg in die Lücke: Auch im vergangenen Jahr wuchs die Detailhandelsgruppe mit dieser Strategie. 26 Verkaufsstellen kamen neu hinzu.

Kaspar Enz
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Wo die Grossverteiler nicht hingehen: Mit kleinen Läden, wie hier in Stein AR, ist Volg auch in kleinen Dörfern präsent. (Bild: Ralph Ribi)

Wo die Grossverteiler nicht hingehen: Mit kleinen Läden, wie hier in Stein AR, ist Volg auch in kleinen Dörfern präsent. (Bild: Ralph Ribi)

Per Funk geleitet, steuern Volg-Mitarbeitende die Stapler durch das neue Hochregallager. Hier holen sie ein paar Pack Toilettenpapier, am andern Ende Corn Flakes – und ordnen sie den Bestellungen der 916 Volg-Verkaufsstellen zu, die von hier aus mit dem «Trockensortiment» beliefert werden. 40 Millionen Franken hat die Volg Gruppe in den Ausbau des Verteilzentrums in Winterthur investiert. Im Oktober letzten Jahres wurde es fertiggestellt, seit einer Woche ist auch das neue Logistik-System in Betrieb, das Bestellungen und Lagerbewirtschaftung weiter automatisiert. Rund 6000 neue Palettenplätze kamen hinzu, die Kapazität des Verteilzentrums hat sich fast verdoppelt.

Der Ausbau macht die Arbeit für die Volg-Logistiker einfacher. Vor rund 20 Jahren wurde das Verteilzentrum gebaut. Mit dem Wachstum der Volg Gruppe wurde der Platz hier aber knapp, sagt Geschäftsleitungsmitglied Stefan Näf, man musste Lagerflächen zumieten. Die Aussenlager konnten nun aufgelöst werden und die Lastwagen sparen einige Kilometer Fahrt.

26 neue Läden

Gewachsen ist Volg auch 2012. Die Volg-Verkaufsstellen setzten mit 1,359 Milliarden Franken rund 32 Millionen mehr um als im Vorjahr. Dieses Ergebnis sei angesichts des schwierigen Marktumfeldes keineswegs selbstverständlich, sagte Verwaltungsratspräsident Werner Beyer gestern vor den Medien. Auch das Volg-Sortiment wurde im letzten Jahr um 0,7 Prozent billiger. So sank der durchschnittliche Umsatz der Volg-Läden 2012 leicht von 1,94 Millionen auf 1,93 Millionen Franken. Das Umsatzwachstum war also nur deshalb möglich, weil die Zahl der Verkaufsstellen weiter wuchs, um insgesamt 26: Die Zahl der Volg-Läden stieg um 6 auf 553, 13 von Volg belieferte freie Detaillisten kamen hinzu. Fortschritte macht Volg auch bei den «Topshops», die den Agrola-Tankstellen angehängt sind, 7 neue Läden wurden eröffnet. Die 70 «Topshops» verzeichneten den kräftigsten Zuwachs, ihr Umsatz stieg um 14,3 Prozent auf 180 Millionen Franken. Die Volg Konsumwaren AG, die alle Verkaufsstellen Grossist beliefert, setzte 799,5 Millionen Franken um, 2,5 Prozent mehr als 2011. Ihr Jahresgewinn blieb bei 4,6 Millionen Franken aber konstant.

Wachstum in der Nische

Und Volg will weiter wachsen. Ferdinand Hirsig, Delegierter des Verwaltungsrats und Vorsitzender der Geschäftsleitung, macht auf der Schweizer Karte noch «einige weisse Flecken» aus: Dörfer, die von den Grossverteilern nicht bedient werden, da sie zu klein sind. Klein sind denn auch die Dorfläden, die Volg selber betreibt oder als freie Detaillisten beliefert: Mit durchschnittlich 173 Quadratmetern sind die Volg-Läden nicht mal ein Drittel so gross wie eine «kleine Migros». Lange Zeit sei Volg deshalb eher belächelt worden, sagt Hirsig. Doch der Erfolg zeige, dass man als Detailhändler bestehen könne, ohne «gross und billig» zu sein.

Bei der Expansion in dieser Nische sei es wichtig, dass man sein Gebiet kennt, sagt Ferdinand Hirsig. «Wir wissen, wenn in einem Dorf ein Laden ohne Nachfolger ist, oder wenn es in einem Neubau Platz für einen Laden hat.» Weisse Flächen lassen aber nicht nur die Grossverteiler offen, sondern immer häufiger auch die Post. Auch hier ist es oft der Volg-Laden, der in die Lücke springt: 170 Läden führen eine Postagentur, sechs mehr als im Vorjahr.

Für weiteres Wachstum hat Volg vor allem die Westschweiz im Auge. Dort beliefert Volg rund 100 freie Detaillisten, meist unter dem Namen «Visavis». Eigene Volg-Läden gibt es aber erst 11, die meisten im Oberwallis. «Die Verhältnisse dort kennen wir, es ist ähnlich wie im Bündnerland», sagt Hirsig. Die französischsprachige Schweiz müsse man «erst kennenlernen. Das braucht Zeit». Doch die Voraussetzungen für weiteres Wachstum in der Westschweiz hat Volg bereits geschaffen: Seit 2011 steht im bernischen Oberbipp der nach Landquart und Winterthur dritte Frischdienst, der den westlichen Teil der Schweiz mit Gemüse, Früchten und Milchprodukten beliefert.

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