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Die Wall Street hört jetzt auf eine Frau

Erstmals in der 226 Jahre alten Geschichte der New Yorker Börse steht eine Frau an der Spitze. Stacey Cunningham ist eine eingefleischte Börsianerin.
Renzo Ruf, Washington
Neue Börsenchefin: Stacey Cunningham. | Bild: Alyssa Ringler/AP

Neue Börsenchefin: Stacey Cunningham. | Bild: Alyssa Ringler/AP

Stacey Cunningham erinnert sich noch gut an ihre ersten Tage als Praktikantin auf dem Handelsparkett der New Yorker Börse (NYSE), im Jahr 1994. Damals, sagt die heute 43-Jährige, sei die 1792 gegründete Wertpapierbörse eine Institution gewesen, in der Männer den Ton angegeben hätten. Die drei Dutzend Frauen standen rund 1300 Männern gegenüber. Diese ungleichen Verhältnisse widerspiegelten sich auch in der Gebäudeinfrastruktur. So habe im siebten Stockwerk, wo sich der exklusive Speisesaal für die Mitglieder der New York Stock Exchange befand, eine umgebauten Telefonkabine als Damen­toilette gedient – während das benachbarte Herren-WC geradezu «palastartig» gewesen sei, mit einer Sitzecke und einem Bediensteten, so Cunningham.

Fast 25 Jahre später hat sich einiges geändert. Im feudalen «Stock Exchange Luncheon Club» werden seit 2006 keine Mittag­essen mehr serviert – der Speisesaal musste schliessen, weil immer weniger Mitglieder Zeit für einen Businesslunch im Börsengebäude an der Wall Street hatten. (Dass die Herren- und Damentoiletten nun etwa gleich gross sind, vermochte diese Entwicklung nicht aufzuhalten.) Und die NYSE, obwohl sie immer noch einen stolzen Namen besitzt, hat ihre Unabhängigkeit spätestens im Jahr 2013 verloren, als die damalige Börsenbetreiberin NYSE Euronext durch das international tätige Börsenhaus ICE (Intercontinental Exchange) übernommen wurde.

Die wohl wichtigste Zeitenwende verkörpert aber Stacey Cunningham. Zu Wochenbeginn gab ICE bekannt, dass die bisherige operative Geschäftsführerin am 25. Mai das Präsidium der New Yorker Börse übernehmen werde. Damit steht erstmals in der langen Geschichte der NYSE eine Frau an der Spitze des Börsenhauses.

Sie tritt kein einfaches Erbe an. Zum einen ersetzt Cunningham den allseits beliebten Thomas Farley, der auf dem Börsenparkett starke Präsenz markierte und von den (verbleibenden) Börsianern geschätzt wurde. Farley gelang es in den viereinhalb Jahren, den anhaltenden Bedeutungsverlust der NYSE zu bremsen und einige prestigeträchtige Kunden zu akquirieren.

So wählte der schwedische Musik-Streamingdienst Spotify jüngst das ungewöhnliche Verfahren der Direktplatzierung, um seine Aktien an der New Yorker Börse zu platzieren. Zum andern sieht sich Cunningham mit technischen Problemen konfrontiert. Die Infrastruktur der NYSE ist veraltet, und die Modernisierung der Computerprogramme schafft grössere Probleme als erwartet. So musste Ende April der Handel mit fünf Aktien – darunter Amazon.com und Alphabet – ausgesetzt werden, weil die Computerplattform («Pillar») ihren Dienst versagte.

Da es sich bei Cunningham um eine eingefleischte Börsianerin handelt, ist sie sich dieser Herausforderungen bewusst. «Ich habe diesen Platz von Beginn weg geliebt und bin begeistert darüber, dass ich nun an der Spitze stehe», sagte sie dem «Wall Street Journal». Cunningham wurde 1996 in die Reihen der NYSE-Mitglieder aufgenommen und arbeitete zuerst als Floor Clerk. 2007 bis 2012 arbeitete sie für die Technologiebörse Nasdaq, bevor sie im Management der NYSE Karriere machte. Vor ihrem Aufstieg zur operativen Chefin im Jahr 2015 war Cunningham als Chefverkäuferin tätig.

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