«Die Wahl fiel auf mehr arbeiten»

UZWIL. Bühler reagiert auf die Aufhebung des Mindestkurses. Wegen des starken Frankens wird die wöchentliche Arbeitszeit für die Schweizer Belegschaft auf 45 Stunden erhöht. Vorerst gilt die Massnahme für 7 Monate.

Stefan Borkert
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Ab dem 16. Februar wird bei Bühler Uzwil für 7 Monate die Wochenarbeitszeit auf 45 Stunden erhöht. Falls der Eurokurs wieder über 1.08 Fr. steigen sollte und während dreier Wochen über dieser Marke bleibe, werde die Arbeitszeit wieder auf 42,5 Wochenstunden reduziert, erklärte gestern Personalchef Christoph Oswald. Bleibe der Kurs während dreier Wochen über 1.15 Fr., werde die Massnahme ganz aufgehoben.

Marktanteile halten

In einer Medienmitteilung schreibt Bühler, das Ziel der Massnahme sei es, angesichts der dramatisch verschlechterten Rahmenbedingungen bestehende Aufträge und Projekte zu sichern sowie Marktanteile und Profitabilität zu halten. Die Auftragslage des Unternehmens, das weltweit in 140 Ländern tätig ist, ist unterdessen nach wie vor gut. Gleichzeitig zur Arbeitszeiterhöhung setzt das Unternehmen Einstellungen und Lohnerhöhungen aus. Im Gegenzug verpflichtet sich Bühler in der Schweiz während der 7 Monate keine Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen auszusprechen. Von den Massnahmen sind 2500 Angestellte betroffen. Dazu kommen 300 Lehrlinge, deren Arbeitszeit auf 42,5 Stunden erhöht wird.

Die Bühler Gruppe erwirtschaftet einen Umsatz von gegen 2,3 Mrd. Fr., davon gut ein Viertel in der Schweiz. Die Personalkosten belaufen sich auf 360 Mio. Fr., bestätigt Oswald. «Die aktuelle Situation liess eigentlich nur die Wahl zwischen weniger Lohn und mehr arbeiten. Die Wahl fiel auf mehr arbeiten», sagt der Personalchef. Und er betont, dass das nicht gegen den Gesamtarbeitsvertag (GAV) verstösst: «Unser GAV lässt es zu, Sonderregelungen für die Dauer von bis zu 15 Monaten zu vereinbaren.»

Konkurrenz schläft nicht

Kaum war der Mindestkurs aufgehoben, da haben Mitbewerber Morgenluft verspürt. Man wisse auf dem Markt, dass Bühler etwas teurer sei, sagt Oswald. Auch deshalb sei es wichtig diese Massnahmen zu treffen und zu zeigen, dass die Belegschaft diese Entscheidungen mittrage. «Wir sind uns bewusst, dass das gemeinsam beschlossene Massnahmenpaket von allen Mitarbeitenden auf allen Stufen ausserordentliches Engagement abverlangt.» Dass die Konkurrenz im Süden der Schweiz nicht schläft, weiss auch der Firmenchef und betont deshalb die Geschlossenheit in den eigenen Reihen: «Ich bin stolz auf unsere Mitarbeitenden, dass wir uns so schnell auf diesen Beitrag zur Sicherstellung unserer Wettbewerbsfähigkeit einigen konnten», sagt Calvin Grieder.

Bühler generiert zwar 98 Prozent seines Umsatzes im Ausland, muss aber durch die Veränderung des Wechselkurses eine kurzfristige Erhöhung der Kosten von 80 Mio. bis 90 Mio. Fr. verkraften.

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