Die Vernetzung hinterlässt Spuren

Die Wirren um Euro und Franken zeigen, wie eng die Wirtschaft der Länder mittlerweile verwoben ist. Technologisch ist aber noch viel mehr möglich: Das Internet vernetzt Fabriken rund um die Welt, und digitale Anwendungen verschmelzen mit dem Alltag.

Thorsten Fischer
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Schweissroboter in einer Autofabrik: Wenn zur ausgeklügelten Automatisierung das Internet kommt, ist die selbstdenkende Fabrik nicht mehr weit. (Bild: epa/Jan Woitas)

Schweissroboter in einer Autofabrik: Wenn zur ausgeklügelten Automatisierung das Internet kommt, ist die selbstdenkende Fabrik nicht mehr weit. (Bild: epa/Jan Woitas)

Frankenschock und Big Data – zwei Begriffe, die dieses Jahr schnell in jedem Wirtschaftsgespräch aufgetaucht sind. Beide zeigen, dass die Globalisierung das Leben nicht mehr bloss in einigen Bereichen vernetzt. Inzwischen hat sie viele konkrete Verästelungen gebildet – wirtschaftlich und immer stärker auch technologisch.

Eine heftige Reaktion

Heftig fiel deshalb die Reaktion vieler Schweizer Firmen Anfang Jahr auf den Entscheid der Nationalbank aus. Sie hatte den Mindestkurs des Euro zum Franken gekippt und überliess die Schweizer Währung wieder direkt dem Markt. Damit beendete die Nationalbank eine stets als temporär bezeichnete Hilfsmassnahme – auch weil sie langfristig wohl über ihre Kräfte ging.

Weil die vielschichtige Krise im Euroraum noch nicht ausgestanden ist, passierte das Absehbare: Der Franken schoss nach dem Nationalbank-Entscheid nach oben. Über die Vorteile einer starken Landeswährung jubelt die Schweiz als Exportnation nur bedingt. Ihre Waren werden gegenüber der ausländischen Konkurrenz teurer. Schweizer Firmen reagierten mit Sparmassnahmen und teils drastischem Stellenabbau.

Nicht alle Branchen scheinen im gleichen Mass betroffen. Nun beobachten viele gespannt, wie stark die Unternehmen 2016 noch investieren werden. Dann wird sich endgültig zeigen, wie heftig die Währungswirren die hiesige Wirtschaft ins Mark getroffen haben.

Was langfristig zuversichtlich stimmt: Gerade in zukunftsorientierten Gebieten wie der Informationstechnologie bleiben Schweizer Firmen am Ball. Erstaunlich viele international aufsehenerregende Technologieprojekte werden zusammen mit hiesigen Universitäten entwickelt. Ebenso sind Schweizer IT-Jungfirmen erfolgreich. Bei ihren Angeboten schreiben heimische Software- und Technologiefirmen meist auch Datensicherheit und Vertraulichkeit gross. Damit setzen sie ein wichtiges Signal.

Daten in ungeahntem Ausmass

Besonders auffallend in diesem Jahr: Während anfänglich nur Insider über die Möglichkeiten von Big Data orakelten – dem Sammeln und Auswerten grosser Datenmengen –, wird der Trend nun in jeder Branche aufgegriffen. Angefangen von Maschinen und Fabriken, die sich übers Internet selber regulieren, über das komplett vernetzte Eigenheim bis hin zu einer in die letzten Gene personalisierten Medizin. Künftig werden Daten anfallen, wo wir es heute noch gar nicht vermuten.

Das weckt interessante und zugleich wichtige Diskussionen. Zum einen geht es um die Wirtschaftsfreiheit der Unternehmen, die gerne schöpferisch Neues entwickeln und damit wachsen möchten. Zum anderen um die persönliche Freiheit der Konsumenten, die mitbestimmen wollen, was bei den inzwischen vielerorts elementaren Diensten im Hintergrund geschieht. Wohin die Reise geht, zeigt aktuell das Auto. Selbststeuernde Fahrzeuge machen deutlich, dass digitale Technik uns dereinst sehr vieles abnehmen könnte. Gleichzeitig wird gezankt, wem die anfallenden Daten gehören: den Autobauern, den Softwareanbietern, den Garagisten, dem Staat oder doch dem Einzelnen? Je mehr von Daten als dem neuen Gold der Wirtschaft die Rede ist, desto eher könnte das Individuum zur Einsicht kommen, dass seine Daten offensichtlich mehr wert sind als gedacht – und einiges im guten Sinne sogar unverkäuflich.

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