Die USA als wichtiger Markt für Ostschweizer Firmen

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Konjunktur Kündigung des transpazifischen Freihandelsabkommens, Neuverhandlung des Nafta, Strafzölle auf Importe – der neue US-Präsident Donald Trump übt sich in Protektionismus. Zudem unterstellt er Deutschland, es verschaffe sich mit einem unterbewerteten Euro Handelsvorteile. Diese Entwicklung «kann der Schweiz und der Ostschweiz nicht gleichgültig sein», schreibt Ökonom Peter Eisenhut in seinem Kommentar zum jüngsten Ostschweizer Konjunkturindex. Denn die USA sind ein wichtiger Absatzmarkt für hiesige Produkte. So hat sich der Überschuss in der Schweizer Handelsbilanz im Austausch mit den USA seit 2009 verdoppelt, auf 17,2 Mrd. $ vergangenes Jahr. Schon vor Trumps Wahl wurde die Schweiz vom US-Finanzministerium auf die Beobachtungsliste möglicher Währungsmanipulatoren gesetzt, und von der Pharmaindustrie mit Roche und Novartis als Schweizer Zugpferden fordert Trump günstigere Medikamente.

Eisenhut hat untersucht, wie wichtig die USA spezifisch für die Ostschweizer Wirtschaft sind. Ergebnis: Hinter Deutschland sind die USA für unsere Unternehmen der zweitwichtigste Exportmarkt mit einem Anteil von gut 15%. Noch deutlicher drückt sich die Bedeutung im Überschuss der Ostschweizer Handelsbilanz aus, deren Überschuss zu rund der Hälfte mit den USA erwirtschaftet wird. Allein 900 Mio. Fr. oder die Hälfte des Exportumsatzes dieser Warengruppe erarbeitete die Ostschweizer Wirtschaft in den USA 2016 mit alkoholfreien Getränken. Die US-Ausfuhren der Maschinen- und Elektroindustrie erreichten 480 Mio. Fr., Metalle 340 Mio. Fr. und Präzisionsinstrumente 250 Mio. Franken. «Für die exportorientierten Ostschweizer Unternehmen ist nicht nur der direkte Zugang zum US-Markt wichtig, sondern auch derjenige ihrer Kunden in den europäischen Ländern», schreibt Eisenhut weiter. Besonders treffen würde unsere Wirtschaft die geplante «Border Tax», eine Art Importsteuer von 20%, hinter der Trumps Republikaner stehen.

Insgesamt ist der Ostschweizer Konjunkturindex Anfang Jahr gegenüber dem Vorquartal leicht gesunken (siehe Grafik). Die Firmen beurteilen sowohl ihre Lage als auch ihren Ausblick «etwas weniger zuversichtlich». Für das «etwas tiefere Niveau» verantwortlich seien die Bauwirtschaft sowie die Industrie, deren Ertragslage sich trotz Exportwachstums verschlechtert hat, dies wegen sinkender Preise. Das ist eine Folge der Frankenaufwertung, die Firmen zu Preisnachlässen und trotz Produktivitätssteigerungen auch zu Abstrichen an der Marge gezwungen hat. Dennoch wuchsen 2016 die Ostschweizer Exporte um 4,3% und damit stärker als die gesamtschweizerischen Ausfuhren (+3,8%). Die grösste Dynamik beobachtet Ei­senhut im Maschinenbau, dessen Kapazitäten zu hohen 94% ausgelastet sind. Eine Aufhellung erwartet der Detailhandel, der geprägt ist vom Strukturwandel (Onlineshopping, Einkaufstourismus). Für 2017 sieht Eisenhut Rückenwind für unsere Wirtschaft dank höherer weltwirtschaftlicher Dynamik. (T. G.)