Die Unwissenden zeigen Reue

An der Anhörung vor dem Untersuchungsausschuss des US-Senats räumt die Credit-Suisse-Führung Verstösse gegen US-Steuerrecht ein. Schuld seien aber ein paar Untergebene, die das Management regelrecht ausgetrickst hätten.

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Hatte keine Ahnung von den Machenschaften seiner Banker und findet deren Vorgehen inakzeptabel: CS-Chef Brady Dougan an der Anhörung. (Bild: epa/Michael Reynolds)

Hatte keine Ahnung von den Machenschaften seiner Banker und findet deren Vorgehen inakzeptabel: CS-Chef Brady Dougan an der Anhörung. (Bild: epa/Michael Reynolds)

WASHINGTON. Dreieinhalb Stunden gaben gestern Brady Dougan, Chef der Credit Suisse (CS), und drei weitere Topmanager dem Untersuchungsausschuss des US-Senats in einer öffentlich und live übertragenen Anhörung Auskunft. Fazit: Das Quartett der Grossbank gab Verstösse gegen US-Steuerrecht zu, beteuerte aber mit Unschuldsmiene, von der aktiven Beihilfe zur Steuerflucht reicher Amerikaner rein gar nichts gewusst zu haben. Die Schuld schob Dougan einer kleinen Gruppe von 10 bis 15 damaligen CS-Bankern in die Schuhe. Diese Angestellten hätten Richtlinien der CS verletzt und das Management der Bank über ihre Tätigkeit in die Irre geführt.

Zweifel an Unkenntnis

Dougan, Hans-Ulrich Meister, Chef des Schweizer Private Banking der CS, und Robert Shafir, Chef des US Private Banking der CS, äusserten unisono Reue über Fehler der Vergangenheit. Sie bestätigten auch einige Untersuchungsergebnisse des Ausschusses unter dem Vorsitz des demokratischen Senators Carl Levin. Demnach gaben sich Banker bei der Einreise in die USA zuweilen als Touristen aus, obwohl sie geschäftlich unterwegs waren, um US-Kunden anzuwerben, die ihr Vermögen vor dem US-Fiskus verstecken wollten. «Das war offensichtlich ein Fehler», räumte Dougan ein, bekräftigte aber: «Wir wurden von diesen Angestellten getäuscht.» Diese sollen Kunden auch geholfen haben, Tarnfirmen einzurichten, über welche die US-Steuerpflichtigen Gelder am Fiskus vorbeischleusten. Dougan nannte dieses Verhalten «absolut inakzeptabel».

Levin bezweifelte die Darstellung, dass die CS-Führung von all dem nichts mitbekommen haben wollte. Das Problem gehe «weit über eine kleine Gruppe hinaus». Levin fragte auch, ob jene, welche die Reisen in die USA erlaubten, nicht ebenso schuldig seien wie die Banker, die in die USA flogen. «Diese Geschäftsreisen hätten nicht erlaubt werden dürfen», antwortete Dougan ausweichend.

Eine «positive Geschichte»

Levin versuchte auch, Dougan und seine Mitstreiter mit den Buchhaltungspraktiken der CS bei der Aufteilung zwischen dem Geschäft in der Schweiz und den USA in die Enge zu treiben. Angesprochen auf unterschiedliche Aufstellungen des Netto-Neugeldes sagte Dougan, es gebe zwei Arten von Zahlen: jene, die öffentlich gemacht werden, und jene, die bankintern im Management Information System kursierten. Levin zitierte auch aus einem internen E-Mail der CS, wonach die Neugeld-Ergebnisse enttäuschend gewesen seien und alles getan werden müsse, um dies in eine «positive Geschichte» (positive story) zu verwandeln. Meister sagte, es sei normal, Zahlen zu überprüfen. Als Levin Meister zurechtwies, es gehe hier nicht um die Korrektheit der Zahlen, sprang Dougan bei und räumte ein, die Wortwahl im Mail sei unangemessen.

Kampf um Kundendaten

CS-Chefjurist Romeo Cerutti sagte, von einst 22 000 US-Kunden habe sich die Bank inzwischen von 18 000 getrennt. Der republikanische Senator John McCain beklagte, dass die US-Behörden erst Informationen über 238 US-Steuerpflichtige erhalten hätten. Ein Problem ist, dass das modifizierte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) von 2009 im US-Senat blockiert ist. Mit DBA könnten die USA auf dem Weg der Amtshilfe Daten verlangen – allerdings keine von Kunden, die der CS schon vor 2009 Adieu sagten. (T. G./sda)

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