Interview

«Die Unternehmer sind Macher» - Andrea Fanzun hat Einblick in so manchen Ostschweizer Topbetrieb

Andrea Fanzun ist neuer Jurypräsident des Prix SVC Ostschweiz. Er weiss, womit erfolgreiche Firmen trumpfen. Und er verrät, was es mit seinen beiden tierischen «Projektleitern Motivation» auf sich hat.

Thomas Griesser Kym
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«Schauen Sie nur auf den grotesken Bergbahnenstreit im Toggenburg»: Unternehmer Andrea Fanzun hat auch Rezepte für den Tourismus parat.

«Schauen Sie nur auf den grotesken Bergbahnenstreit im Toggenburg»: Unternehmer Andrea Fanzun hat auch Rezepte für den Tourismus parat.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 10. Januar 2020)

Sie haben im Team Ihres eigenen Unternehmens zwei «Projektleiter Motivation», Ombra und Tobi Fanzun, einen Hund und eine Katze. Was leisten die beiden?

Andrea Fanzun: Sie gehören meinem Bruder, der bis vor einem Jahr die oberste Etage unseres Bürohauses bewohnt hat. Ombra ist im Büro allgegenwärtig, und so war es auch mit Tobis Vorgänger Pipo. Die beiden sind gut fürs Arbeitsklima. Es gibt auch ein paar andere Mitarbeitende, die regelmässig ihren Hund mitbringen.

Ombra und Tobi haben eigene E-Mail-Adressen. Wer schreibt ihnen was?

Sie erhalten ab und zu Mails, meistens von Kunden. Häufig übermitteln sie Komplimente für die Arbeit unserer Beschäftigten.

Sie haben als bisheriges Mitglied der Jury des Unternehmerpreises Prix SVC Ostschweiz nun das Präsidium übernommen. Warum?

Die Jurytätigkeit ist eine interessante Aufgabe, die Einblick bietet in Topunternehmen. Ich nehme aus jedem Besuch etwas mit für mein eigenes Unternehmen. Und weil ich Unternehmer bin, gehe ich gerne voran.

Welche Akzente möchten Sie als Präsident setzen?

Eine Stärke der Jury ist, dass ihre Mitglieder gut vernetzt sind und die Firmen in ihrer jeweiligen Region kennen. Die Jury muss sich aber auch kontinuierlich ­erneuern. Dabei möchte ich sicherstellen, dass sie bezüglich Kompetenzen, Vernetzung, regionaler Vertretung und Geschlecht nachhaltig positiv zusammengesetzt bleibt.

Vor zwei Jahre beurteilte Ihr Vorgänger Thomas Zellweger das Niveau der nominierten Firmen als höher als je zuvor. Wie siehts jetzt aus?

Das Niveau ist erneut hervorragend. Dies, weil in unserer Region so viele Topfirmen angesiedelt sind, die in ihrer Branche nicht selten Weltmarktführer sind, im Minimum aber bedeutende Marktplayer, und überragende Leistungen erbringen.

Dennoch ist die Hälfte der nominierten Firmen im St.Galler Rheintal ansässig. Das tönt geografisch ziemlich einseitig.

Das Rheintal hat eine hohe Dichte extrem wettbewerbsfähiger Unternehmen, hoch technologisch oder hoch industrialisiert, auf Augenhöhe mit den Weltbesten. Damit wird die Region auch für Arbeitnehmende interessant, weil viele Topfirmen auf kleinem Raum sitzen, die um gute Kräfte buhlen.

Wie schaut es in den anderen Ostschweizer Regionen aus?

Auch in diesen hat es einen hohen Anteil wettbewerbsfähiger Unternehmen, die mit Produkten oder Dienstleistungen erfolgreich sind. Doch es gibt weniger Firmen, die sich auf dem Weltmarkt bewegen. International aktiven und erfolgreichen Firmen in kompetitiven Branchen aber fällt es leichter, nach aussen top zu wirken.

Was zeichnet kleinere und mittlere Topfirmen aus?

Die Unternehmer sind Macher, ehrgeizig und begeistert, die es schaffen, auch kleinen Firmen eine gewisse Professionalität einzuimpfen. Sie stellen Produkte her, die dem entsprechen, was die Kunden wollen.

Sie haben gut ausgebildete, fähige, motivierte und auch langjährige Mitarbeitende, die in der Regel der Schlüssel zum Erfolg sind.

Wichtig sind auch laufende Investitionen in Modernisierung, Innovationen und Prozesse, um effizienter zu werden.

Die bisherigen acht Prix SVC wurden ausnahmslos von St.Galler, Thurgauer und Ausserrhoder Firmen gewonnen. Was läuft falsch in der südlichen Ostschweiz?

Vielleicht nichts, aber der nördliche Teil setzt die Messlatte sehr hoch. Klar ist, dass gerade Graubünden stark vom Tourismus geprägt ist. Klassische Tourismusbetriebe sind häufig relativ ertragsschwach. Aber dieses Jahr haben wie sogar zwei Bündner Firmen unter den Finalisten, notabene nicht als Trostpflaster für den Präsidenten.

Grade in der Nordostschweiz beneidet man oft das Bündnerland und andere Gebiete für ihre Erfolge im Tourismus. Was müssten wir hier anders machen?

Im Vergleich zur viel schlagkräftigeren Industrie hat der Tourismus hier eine reduzierte Bedeutung. Deshalb spürt die Nordostschweiz, die viel Charme und eine schöne Landschaft besitzt, einen zu kleinen Leidensdruck, um notwendige Anpassungen vornehmen zu müssen.

Anpassungen welcher Natur?

Man sollte die kleinstrukturierten Tourismusorganisationen aufbrechen und sich regional koordiniert vermarkten.

Schauen Sie nur auf den grotesken Bergbahnenstreit im Toggenburg, während die Lenzerheide und Arosa ihre Skigebiete verbinden und ein gemeinsames Ticket anbieten.

Aber es gibt auch erfolgreiche Beispiele in der Nordostschweiz, etwa das Berggasthaus Aescher oder das Hotel Hof Weissbad.

Im Bauwesen zu Hause

Andrea Fanzun ist neuer Präsident der Jury des Prix SVC Ostschweiz. Der 55-Jährige ist Partner und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fanzun AG Architekten, Ingenieure, Berater. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Chur und weiteren Standorten in Samedan, Scuol, St. Gallen, Zürich und Bern hat rund 80 Mitarbeitende und als Generalplaner mehr als 50 Jahre Erfahrung im Bauwesen. Als Jurypräsident folgt Andrea Fanzun auf Thomas Zellweger, Professor an der Universität St. Gallen. (T. G.)

Im Kampf um die Krone

Der Unternehmerpreis Prix SVC Ostschweiz wird seit 2004 alle zwei Jahre vom Swiss Venture Club (SVC) vergeben. Für die diesjährige Austragung sind nominiert: die Industriefirmen Evatec in Trübbach, Heule Werkzeug in Balgach und Zünd Systemtechnik in Altstätten, die Frauenfelder Sonnenschutzfirma Glatz sowie die Bündner Unternehmen Davaz Holding (Weinhandel) und Integra Biosciences Group. Wir stellen die sechs Nominierten in loser Folge vor. Der Preis wird am 5. März vergeben. (T. G.)

«Jetzt muss das Geschäft laufen»

In der regionalen Wirtschaft überwiege die Zuversicht, stellt Thomas Zellweger fest. Der Präsident und die Jury des Prix SVC Ostschweiz sind auch dieses Mal auf einige Firmenperlen gestossen.
Thomas Griesser Kym