Die St.Galler KB erneuert sich

ST.GALLEN. Die teilprivatisierte Staatsbank kommt voran im Bestreben, ihre Strukturen zu bereinigen. Operativ fordern die tiefen Zinsen und die volatilen Finanzmärkte das Geldinstitut. In den nächsten Wochen hofft man auf ein Ende des Steuerstreits.

Thomas Griesser Kym
Merken
Drucken
Teilen
Roland Ledergerber, Chef der St. Galler Kantonalbank, flankiert von VR-Präsident Thomas Gutzwiller (rechts) und Kreditchef Albert Koller. (Bild: Peter Käser)

Roland Ledergerber, Chef der St. Galler Kantonalbank, flankiert von VR-Präsident Thomas Gutzwiller (rechts) und Kreditchef Albert Koller. (Bild: Peter Käser)

«Die St. Galler Kantonalbank steht auf drei sehr starken Beinen: finanziell, strukturell und personell.» So lautet die Einschätzung von Verwaltungsratspräsident Thomas Gutzwiller anlässlich der Vorlage der Semesterergebnisse. So weist die St. Galler Kantonalbank (SGKB) zur Jahreshälfte einen Konzerngewinn von 84,6 Mio. Fr. aus, 11,4 Mio. Fr. mehr als in der Vorjahresperiode (siehe Tabelle). Das Plus basiert darauf, dass der Verkauf der Beteiligung an der Fondsgesellschaft Swisscanto einen ausserordentlichen Ertrag von gut 18 Mio. Fr. einbrachte, und der Handelserfolg um ein Drittel zunahm, weil als Folge der Aufhebung des Euromindestkurses das Devisengeschäft vor allem im Januar und Februar deutlich anzog.

Gefragte lange Festhypotheken

Abstriche machen musste die SGKB dagegen im Wertschriftengeschäft, weil sich hier viele Kunden angesichts volatiler Börsen und weiterer Ungewissheiten an den Finanzmärkten Zurückhaltung auferlegten. Als Folge ist die Liquiditätsquote der SGKB-Kunden auf «sehr hohe» 55% gestiegen, sagt Roland Ledergerber, Präsident der Geschäftsleitung.

Auch der Zinserfolg als stärkster Ertragspfeiler glitt zurück. Weil mittlerweile 90% aller Hypotheken fünfjährige oder noch länger laufende Festhypotheken sind, steigen die Zinsänderungsrisiken. Ledergerber beziffert die Kosten zur Absicherung gegen steigende Zinsen auf 11,2 Mio. Franken. Immerhin ist es der SGKB gelungen, die Marge im Hypothekargeschäft von 93 auf 101 Basispunkte (1,01%) zu steigern. Der Anteil der Festhypotheken nahm gegenüber Ende 2014 von 75% auf 81% zu. Die Konjunkturabkühlung äussert sich sodann in einem Rückgang der Nachfrage seitens Unternehmen nach Investitions- und Betriebskrediten. Das Kreditportefeuille wird von der SGKB aber als gesund deklariert, was auch im Hypothekengeschäft gelte.

Strukturell hat die SGKB die von ihr übernommene Vadian-Bank zur Jahresmitte vollständig integriert. 95% des Geschäftsvolumens der ehemaligen Bank der Ortsbürgergemeinde St. Gallen seien zur SGKB geflossen, was laut Gutzwiller «ein hoher Wert» und «ein Vertrauensbeweis» ist. Auch fast alle Vadian-Beschäftigten inklusive Kundenberater hätten zur SGKB gewechselt. Diese setzt ferner ihre Umsetzung der Steuerkonformität fort, wobei nach den EU-Kunden letztes Jahr gegenwärtig die Nicht-EU-Kunden an der Reihe sind. Bestehen Zweifel an der Steuerehrlichkeit von Kunden, trennt sich die SGKB von ihnen. Total flossen im Rahmen der Transformation zur Weissgeldstrategie aus den verwalteten Vermögen 4,2 Mrd. Fr. ab. Netto betrug der Abfluss 1,3 Mrd. Fr. oder 3,5%, wobei auch die schwächeren Wechselkurse einen negativen Einfluss hatten. Zur Jahresmitte betrugen die von der SGKB verwalteten Vermögen somit noch 35,56 Mrd. Franken.

Warten auf Post der US-Justiz

Laut Ledergerber führten die Vadian-Integration, die Umsetzung der Steuerkonformität samt der damit zusammenhängenden Bereinigungen im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft und die Aufwendungen für das US-Programm zur Beilegung des Steuerstreits zu Kosten von 9,5 Mio. Franken. Punkto Steuerstreit erwartet die SGKB, dass sie diesen für das Stammhaus und die früheren Hyposwiss-Tochtergesellschaften im laufenden Semester abschliessen kann. Auf Nachfrage nannte Ledergerber gar das laufende 3. Quartal. Die bisherigen, meist relativ moderaten Bussen für Banken der Kategorie 2 wegen Verstössen gegen US-Steuergesetze sowie eine «sehr, sehr enge Kooperation» der SGKB mit der US-Justiz lassen Ledergerber hoffen, dass auch die zu erwartende Bussen für die SGKB und ihrer ehemaligen Töchter erträglich ausfallen.

«Gutes Ergebnis» für 2015

Hatte die SGKB im Februar noch die Erwartung geäussert, dass der Konzerngewinn für ganz 2015 «unter Vorjahr» (146 Mio. Fr.) zu liegen kommen werde, lautet die Terminologie nun «leicht unter Vorjahr». Ledergerber geht von geringen Abschwächungen aller drei Ertragsquellen aus, und der Swisscanto-Verkaufserlös war einmalig. Alles in allem rechne die SGKB mit einem «guten Ergebnis».