Die Schweizer Zuckerbranche sieht sich benachteiligt im Kampf gegen Blattläuse

Die Schweizer Zuckerbranche fürchtet um ihren Ertrag und einmal mehr um ihre Existenz. Diesmal beklagt sie ungleich lange Spiesse gegenüber EU-Ländern in der Schädlingsbekämpfung. Noch zeichnet sich keine Lösung ab.

Thomas Griesser Kym
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Ernte von Zuckerrüben mit Hilfe eines Rübenroders.

Ernte von Zuckerrüben mit Hilfe eines Rübenroders.

Bild: Christian Beutler/Keystone

Seit Anfang 2019 ist es in der Schweiz und der EU verboten, das Zuckerrüben-Saatgut mit neonicotinoidhaltigen Insektiziden zu beizen. Als Folge sind die Zuckerrüben 2020 stark betroffen von der durch Blattläuse übertragenen virösen Vergilbung. Die Folge sind laut der Schweizer Zuckerbranche Ertragsverluste von 30 bis 50 Prozent.

Laut Josef Meyer, Präsident des Schweizer Verbands der Zuckerrübenpflanzer (SVZ), sind «Teile der Deutschschweiz und die ganze Westschweiz grossflächig betroffen». Konsequenz laut Meyer:

«Die Landwirte stehen vor der Aufgabe der Zuckerrübenproduktion.»

EU-Länder erteilen Sonderbewilligungen

Die Ertragseinbussen sind das eine, Wettbewerbsnachteile gegenüber der EU das andere. Zum Schutz der Pflanzen haben mittlerweile rund ein Dutzend jener 19 EU-Länder, die Zuckerrüben anbauen, Sonderbewilligungen für die neonicotinoidhaltige Beizung erlassen oder erlauben den Einsatz mehrerer Wirkstoffe zur Behandlung der Kulturen.

In der Schweiz dagegen ist mit Pirimicarb lediglich ein einziger Wirkstoff für Flächenbehandlungen zugelassen, doch mit diesem habe man die Blattlauspopulation 2020 nicht kontrollieren können.

EU-Zucker stoppen oder Insektizid erlauben

Wegen dieser unterschiedlichen Zulassungskriterien fordert die hiesige Zuckerbranche, entweder Zucker aus EU-Ländern mit Zulassungen für in der Schweiz verbotene Pflanzenschutzmittel mit einem Einfuhrstopp zu belegen.

Oder als Alternative sei den Schweizer Rübenbauern eine auf drei Jahre befristete Zulassung von neonicotinoidhaltiger Saatgutbeizung zu erteilen. Dies als Übergangslösung, bis biologische Bekämpfungsmassnahmen, resistente Sorten oder alternative Wirkstoffe gefunden sind. Dazu sollen die Mittel für die Forschung aufgestockt werden.

Die Behörden «prüfen alle Optionen»

Die Nöte der Schweizer Zuckerbranche sind dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bekannt, wie auf Anfrage BLW-Sprecherin Florie Marion sagt. Man stehe in Kontakt mit der Branche und arbeite mit dieser zusammen. Florie Marion sagt:

«Momentan laufen Diskussionen, und wir prüfen alle Optionen.»

Zwei Zuckerfabriken oder keine

Ein Berg aus Zuckerrüben auf dem Areal der Zuckerfabrik Frauenfeld.

Ein Berg aus Zuckerrüben auf dem Areal der Zuckerfabrik Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Derweil malt die Branche schwarz. Ohne Einfuhrstopp für bevorteilten EU-Zucker oder ohne temporäre Zulassung neonicotinoidhaltiger Beizung «wird die Zuckerrübenfläche massiv zurückgehen, und die beiden Zuckerfabriken können nicht mehr auslastet werden».

Eine Studie von Ende 2019 im Auftrag des SVZ hat hingegen festgehalten, dass Schweizer Zucker nur mit zwei Werken wirtschaftlich produziert werden könne. Die eine Fabrik steht in Frauenfeld, die andere in Aarberg im Kanton Bern.