Die Schweizer sind reiselustig wie eh und je

Trotz Terroranschlägen gedenken die Schweizer nicht zu Hause herumzusitzen. Die Angst vor Attacken hat aber die Wahl ihrer Reiseziele stark beeinflusst.

Rainer Rickenbach
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Colmar an der Elsässer Weinstrasse hat nach Terroranschlägen in Grossstädten noch mehr Besucher gewonnen. Bild: Tourisme Alsace (Bild: Roland)

Colmar an der Elsässer Weinstrasse hat nach Terroranschlägen in Grossstädten noch mehr Besucher gewonnen. Bild: Tourisme Alsace (Bild: Roland)

Über 80% der Schweizer leisten sich im Jahr Ferien, in denen sie mindestens dreimal auswärts übernachten. Die meisten unternehmen jährlich zwei bis drei solche Reisen oder Ausflüge im In- und Ausland. Nur jeder zehnte charakterisiert sich als Reisemuffel. Das zeigt die jüngste Umfrage des Link-Instituts. «Herr und Frau Schweizer reisen weiterhin. Sie reisen sogar etwas mehr als im letzten Jahr», sagt Angelo Eggli, Chef des Versicherers Allianz Global Assistance, der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Dramatisch verändert hat sich indessen die Wahrnehmung der Gefahren, die auf Reisen lauern. Nach den Terrorattacken in Frankreich, Deutschland und in der Türkei macht sich beim Buchen über die Hälfte der Reisenden ernsthafte Gedanken über politische Unruhen und Terror. In den zurückliegenden Jahren rangierte Terrorgefahr noch ziemlich weit hinten auf der Rangliste der Ängste. Nun ist sie die grösste Sorge. «Zum Glück stellen sich nach den Ferien bloss Verspätungen als das grösste Problem heraus», sagt Eggli. Lediglich 4% der Befragten gaben an, in den Ferien in irgendeiner Form von politischen Unruhen oder Bombenattentaten betroffen gewesen zu sein.

Die Schreckensmeldungen über Terroranschläge haben aber die Wahl der Ferienziele stark beeinflusst. Nach der Sommerhochsaison zeichnet sich langsam das Ausmass des Schadens der Tourismusindustrie in jenen Ländern und Städten ab, um die Reisende aus Angst vor Terror einen weiten Borgen machen.

Kleinere, idyllische Orte werden als sicherer erachtet

«Das Türkei-Geschäft ist um 70 Prozent eingebrochen», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes. Tunesien und Ägypten hatten die Gäste schon vorher gemieden. Gelitten hat auch der Grossstadt-Tourismus etwa in Paris, London und in geringerem Masse Berlin.

Die Städtereisenden lockte es in kleinere, idyllische Orte wie Colmar im Elsass oder in Osteuropa, wo das polnische Krakau deutlich mehr Gäste beherbergte. Der richtig grosse Umschwung vollzog sich bei den Badeferien. Spanien, vor allem die Balearen und Kanaren, erlebten wahre Völkerwanderungen. Auch Portugal, Griechenland, Zypern, Italien und Skandinavien profitierten.

Bei den Schweizer Reisebüros schlägt sich die Angst vor Terror wie folgt nieder: Erstens buchen etwas mehr Kunden kurzfristiger. Zweitens habe das Vertrauen in die Reisebüros an Stellenwert zugelegt. Kunz: «Wer in einem Reisebüro bucht, wird im Krisenfall vor Ort betreut, und wer die Reise noch nicht angetreten hat, kann in der Regel kostenlos umbuchen.»