Wirtschaft
Die Schweiz ist nicht top – und vier weitere Erkenntnisse aus dem Globalen Wettbewerbsfähigkeits-Report des WEF

Wie jedes Jahr unterzieht das World Economic Forum (WEF) die Länder der Welt einem Vergleich ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Doch im Coronajahr ist am WEF nicht nur der Standort anders.

Niklaus Vontobel
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Verteilt Punkte an Länder: Das World Economic Forum

Verteilt Punkte an Länder: Das World Economic Forum

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Der neue Report des World Economic Forum, WEF, über die Globalen Wettbewerbsfähigkeits liegt vor. Fünf Erkenntnisse:

1. Statt Wettbewerbsfähigkeit nun die Wandlungsfähigkeit

Im Coronajahr findet das World Economic Forum nicht wie üblich in Davos statt, ja noch nicht einmal in der Schweiz - sondern in Singapur. Der Stadtstaat in Asien hat das Coronavirus besser im Griff als die Schweiz. Doch nicht nur der Standort ist dieses Jahr anders als sonst. Die Einleitung zum Report wurde dieses Jahr nicht allein von WEF-Gründer Klaus Schwab geschrieben. Es zeichnete Schwab gemeinsam mit WEF-Direktorin Saadia Zahidi. Und vor allem: Das WEF verzichtet auch auf sein berühmtes Ranking der Länder, das die Wettbewerbsfähigkeit aller Staaten aufzeigen soll. Es wird für ein Jahr ausgesetzt.

Stattdessen will das WEF dieses Jahr zeigen: Wie bereit ist ein Land, sich als Reaktion auf die Coronakrise zu wandeln. Das WEF vergleicht dieses Jahr also die «Transformation Readiness».

2. Das WEF verzichtet gar auf ein eigentliches Ranking

Im Coronajahr ist wirklich alles anders. Das WEF vergleicht die Länder nicht nur anhand eines anderen Massstabs: Statt Wettbewerbsfähigkeit die Wandlungsfähigkeit. Das WEF verzichtet dieses Jahr gar ganz darauf, die Länder nach einem bestimmten Massstab in einem globalen Ranking aufzulisten. Das WEF gibt zwar jedem Land eine Punktezahl für seine Bereitschaft zur Wandlungsfähigkeit - doch verzichtet auf das Ranking. Die Länder werden bloss in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Der Grund ist an sich trivial: Es hätten oftmals die nötigen Daten gefehlt.

3. Die Schweiz erhält keine spitzenmässige Gesamtpunktzahl

Wenn man dennoch tut, worauf das WEF verzichtet, und die Länder gemäss ihrer WEF-Punktezahl in ein Ranking bringt, dann schneidet die Schweiz nur mässig gut ab. Von knapp vierzig Ländern landet sie gerade einmal auf Platz 12. Das ist ein ziemlicher Absturz im Vergleich zum letzten Ranking nach Wettbewerbsfähigkeit, wo die Schweiz noch auf Rang 5 landete. Auf den Spitzenrängen sind andere: Finnland, Schweden und Dänemark - das sogenannte nordische Modell scheint es dem WEF angetan zu haben. Einen Platz vor der Schweiz kommt Israel zu liegen, gleich hinter ihr die USA.

4. In der Besteuerung schneidet die Schweiz am schlechtesten ab

Es fliessen 11 Subindikatoren ein in den Gesamtindex zur Wandlungsfähigkeit. Dabei kommt die Schweiz bei der Besteuerung auf ihren schlechtesten Wert: bloss 41 Punkte. Das beste Land in dieser Hinsicht - Südafrika - kommt auf 65 Punkte. Allerdings wird in diesem Subindikator etwas ganz anderes verglichen, als es gemeinhin in Steuerrankings getan wird. In den einschlägigen Steuerrankings schneidet meist am besten ab, wer die tiefsten Steuern hat. Oder wer mit einem vergleichsweise tiefen Steuerniveau möglichst gute staatliche Leistungen erbringt. Nicht so im diesjährigen WEF-Report.

Wer ist auf dem besten Wege zu einem «progressiven Steuerregime»? Wer ist dabei neu zu denken, wie Unternehmen, Vermögen und Arbeit besteuert werden sollen? Nach diesen Kriterien hat das WEF die Länder neu bewertet. Die staatlichen Schuldenberge seien nach der Covid-Krise rekordhoch. Die Krise biete nun die Chance, das Steuerregime und den Sozialstaat neu zu überdenken. Es gehe um neue Ansätze, die Konzentration von Vermögen anzugehen, in dem man progressivere Grenzsteuersätze einführe für Vermögen, Einkommen und Kapitalgewinn. Progressiver - das bedeutet höhere Steuersätze.

5. Ihre beste Bewertung erhält die Schweiz vom WEF für ihre Infrastruktur

Für ihre Infrastruktur erhält die Schweiz vom WEF genau 80 Punkte - und damit ihre beste Punktzahl bei einem Subindikator. Wobei bei diesem Indikator auch die anderen Länder höhere Punktezahlen bekommen. Estland beispielsweise erhält mit 99.75 Punkten den besten Wert, die Niederlande hat 91.4 Punkte. Auch bei diesem Indikator geht das WEF einen eigenen Weg. Es geht ihr nicht um Strassen oder Schienen. Sondern um die Frage: Wie bereit ist ein Land, seinen Energiemix rasch auf erneuerbare Energien umzustellen? Wie gut ist der Zugang zu Elektrizität sowie zu Informationstechnologien?

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