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Die Schweiz importiert trotz eines Überangebots weiter Kuhfleisch

Landwirte wissen nicht mehr wohin mit den Metzgkühen. Die Trockenheit zwingt sie, die Tiere auf dem Schlachtviehmarkt zu verscherbeln. Dennoch sollen im August 800 Tonnen Kuhhälften importiert werden.
Raphael Bühlmann
Schlachtkühe verlieren wegen des Überangebots zunehmend an Wert. (Peter Schneider/Keystone, Uettligen, 12. April 2018)

Schlachtkühe verlieren wegen des Überangebots zunehmend an Wert. (Peter Schneider/Keystone, Uettligen, 12. April 2018)

Den Schweizer Agrarmärkten setzt die anhaltende Trockenheit zu. Kein Wasser, kein Futter und ein Überangebot an Tieren auf den heimischen Schlachtviehmärkten sind die Folgen (Ausgabe von gestern). Das führte dazu, dass die Marktpreise für Metzgkühe um fast 20 Prozent eingebrochen sind. Nächste Woche sind erneut 1243 Schlachtkühe auf den öffentlichen Märkten angemeldet. Vor einem Jahr waren es halb so viele

Doch damit nicht genug. ­Obschon die Bauern derzeit auf ihren Kühen sitzen bleiben, sollen in den nächsten Wochen zusätzlich 800 Tonnen Kuhhälften (rund 2400 Kühe) in die Schweiz importiert werden. So beschlossen vom Verwaltungsrat (VR) von Proviande, der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft. Dieser stellt dem Bundesamt für Landwirtschaft jeweils Anträge für Importfreigaben. Importeure können so Rindfleisch in den ansonsten mit hohen Zöllen geschützten Schweizer Markt im Rahmen ihrer Kontingente einführen.

Appell an die Vernunft der Importeure

Verwaltungsratspräsident bei Proviande ist Markus Zemp. Er sagt, man habe den Entscheid am 27. Juli mit sämtlichen Branchenakteuren diskutiert. Dabei gab es zwar warnende Stimmen, die vor einem Überangebot infolge der Trockenheit gewarnt hätten, doch habe man schliesslich dennoch für zusätzliche Importfreigaben gestimmt. Diese seien im Übrigen im Vergleich zu den 1100 Tonnen im Vorjahr um einiges tiefer, sagt Zemp, räumt aber dennoch ein: «Dass sich die Situation so zuspitzen wird, war vor zwei Wochen noch nicht absehbar. Im Nachhinein ist man immer schlauer.»

Der Proviande-Präsident kann sich angesichts der jüngsten Entwicklungen vorstellen, Rindfleisch einzulagern. Zwecks Marktabräumung kann der Bund so das Einfrieren von Fleisch mit Beiträgen subventionieren. Gemäss Zemp stünden hier durchaus Mittel zur Verfügung.

Das allerdings scheint dem Schweizer Bauernverband (SBV) nicht auszureichen. Als Teil des am Dienstag vorgestellten Massnahmenplans fordert dieser, dass in der aktuellen Marktsituation kein zusätzliches Kuhfleisch mehr eingeführt wird. Ein Appell, der sich direkt an die Fleischimporteure richtet. Bereits bewilligte Importmengen können von den Importeuren allerdings nicht zurückgefordert werden. «Wir zählen auf die Vernunft der ­Importeure», sagt Martin Rufer, Marktverantwortlicher beim SBV.

Klare Worte findet Rufer angesichts der Tatsache, dass einige Abnehmer wie Lucarna und Bell die derzeitige Situation der Bauern ausnutzen würden. «Der Proviande-Richtpreis für Schlacht­kühe liegt diese Woche bei 8.20 Franken pro Kilo Schlachtgewicht. Einzelne bezahlen aktuell 7 Franken, das ist absolut unhaltbar», moniert Rufer.

Situation wird sich wieder einpendeln

Bemerkenswert scheint im Zusammenhang mit den Importfreigaben dabei, dass in dem ­einflussreichen Proviande-Verwaltungsratsgremium eben auch die Verarbeiter Einsitz nehmen. So bestimmen sie einerseits über Importmengen, die den Schweizer Markt belasten, andererseits profitieren sie von der Baisse, die Mehrimporte auf heimischen Schlachtviehmärkten auslösen können. Markus Zemp relativiert allerdings die derzeitige Situation: Die zusätzlichen Importe hätten kaum einen Einfluss auf die Märkte. Zudem rät er den Landwirten, mit dem Verkauf von Schlachtkühen zuzuwarten. Denn Erstens würde bereits in zwei Wochen über die Importanträge für den Monat September entschieden, wobei der aktuelle Angebotsüberhang mitberücksichtigt wird. Und zweitens würde die jetzt grosse Anzahl vor­zeitig geschlachteter Tiere in den kommenden Wochen fehlen. «Noch im Herbst werden die Kühe wieder Mangelware, und die Preise werden wieder anziehen», ist Zemp überzeugt.

Ins gleiche Horn stösst auch die Migros. «Wir appellieren an die Bauern, nicht sofort alle Kühe abzustossen, sodass sich Angebot und Nachfrage stabilisieren», schreibt der Detailist auf Anfrage. Man beziehe verarbeitetes Kuhfleisch zudem fast ausschliesslich von der eigenen Verarbeiterin Micarna, die nach wie vor den Proviande-Richtpreis ­bezahle. Der Bell-Mutterkonzern Coop will sich zur Lage nicht äussern. «In den nächsten Tagen finden Sitzungen der Branchenverbände statt, wo die Thematik ­aller Voraussicht nach behandelt werden wird», heisst es.

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