«Die Schweiz bleibt wichtig»

Die in Heerbrugg beheimatete SFS-Gruppe hat in Asien durch einen Firmenzukauf expandiert. Heinrich Spoerry, Delegierter des Verwaltungsrats, sagt, wo die SFS überall gefordert ist.

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Heinrich Spoerry leitet die Geschäfte der SFS-Gruppe, zu denen inzwischen über 7000 Mitarbeitende beitragen. (Bild: Ralph Ribi)

Heinrich Spoerry leitet die Geschäfte der SFS-Gruppe, zu denen inzwischen über 7000 Mitarbeitende beitragen. (Bild: Ralph Ribi)

Herr Spoerry, heute präsentiert die SFS-Gruppe ihre Zahlen zum Geschäftsgang. Besonders augenfällig wird diesmal die Veränderung der Mitarbeiterzahl sein. Mit der Übernahme der asiatischen Unisteel im vergangenen Jahr ist der Personalbestand der SFS deutlich gestiegen. Was hat es damit auf sich?

Heinrich Spoerry: Die Unisteel Technology mit Hauptsitz in Singapur produziert in China und Malaysia. Damit sind letzten August rund 2800 Mitarbeitende neu zur SFS gestossen. Unisteel ist spezialisiert auf Miniaturschrauben für die Elektronikindustrie. Diese kommen in Smartphones, Tablet-PCs und weiteren Geräten zum Einsatz. Ein Markt, der ausserordentlich boomt. Davon soll die SFS nun verstärkt profitieren.

Die Expansion findet in Asien statt, dort kommen neue Stellen hinzu. Was heisst das für die hiesigen SFS-Standorte, die sich hauptsächlich in der Ostschweiz befinden?

Spoerry: Wir haben den Schritt von Anfang an als eine Ergänzung der bestehenden Geschäftsfelder gesehen. Er soll die ganze Gruppe breiter abstützen. Es geht nicht darum, entweder in Asien oder in der Schweiz tätig zu sein, sondern sowohl im Ausland als auch im Heimmarkt. Dabei spielt ebenso eine Rolle, dass internationale Grosskunden in diesem Segment ihre Zulieferer direkt vor Ort haben möchten.

In der Schweiz drückt aber weiterhin der ungünstige Frankenkurs. Dadurch ist die Ausgangslage schwieriger geworden.

Spoerry: Das trifft zu. Wir sind seit geraumer Zeit daran, den Effekt abzufedern, etwa mit einer verlängerten Wochenarbeitszeit von 44 Stunden. Mit gewissen Produktionsaktivitäten gehen wir näher zu den ausländischen Endmärkten. Die dadurch bedingte Anpassung des Mitarbeiterbestandes in der Schweiz kann über die natürliche Fluktuation erreicht werden. Das heisst, personelle Abgänge, etwa durch Pensionierung, werden nicht immer ersetzt. Der Standort Schweiz bleibt für die SFS aber wichtig. Hier werden weiterhin neue für die Zukunft wichtige Produkte entwickelt und hergestellt. Auch an unseren Heimatstandorten haben wir letztes Jahr kräftig investiert, zum Beispiel in das Logistikzentrum in Rebstein oder in die umfassende Erneuerung einer Produktionshalle in Heerbrugg. Wir beschäftigen in der Schweiz mehr Mitarbeitende als weitaus grössere schweizerische Konzerne, die international teils wesentlich breiter aufgestellt sind.

SFS macht seinen Umsatz mit Präzisionsteilen und Sonderschrauben. Gerade bei den boomenden Smartphones hat man als Konsument aber den Eindruck, dass Schrauben zunehmend verschwinden. Das Gehäuse erscheint eher wie aus einem Guss.

Spoerry: Tatsächlich sind an heutigen Geräten von aussen kaum mehr Schrauben zu sehen. Das kann aber täuschen. Ein Smartphone, das vor kurzem von einem bedeutenden Hersteller lanciert wurde, weist im Innern 85 Miniaturschrauben und andere Befestigungselemente aus. Diese sind entsprechend klein und müssen spezielle Herausforderungen erfüllen. Gerade deshalb sind wir zuversichtlich, mit der übernommenen Unisteel weiteres Wachstum erzielen zu können.

Gibt es andere Beispiele, wo SFS-Befestigungstechnik eingesetzt wird, diese aber auf den ersten Blick nicht sichtbar ist?

Spoerry: Im neuen Airbus A350 werden die Kabinen-Innenverkleidungen mit SFS-Verbindungen am richtigen Platz gehalten. Auch hier zeigt sich, wie spezialisiert ein Hersteller sein muss. Bei der Wartung des Flugzeugs müssen die Verkleidungen rasch demontiert werden können. Ebenso darf es keine Vibrationen geben, um die Geräusche in der Kabine tief zu halten. Und leicht muss die Bauweise auch sein, um Gewicht zu sparen.

Mit 3D-Druckern wird es sogar für Private möglich, einfache Bauteile auszudrucken respektiv in Plastik zu fertigen. Wächst da still und leise eine Konkurrenz heran?

Spoerry: Das sind interessante einfache Anwendungen, die aber unser spezialisiertes Geschäft nicht berühren. Nicht nur wegen des Know-hows, das dafür erforderlich ist, sondern auch wegen der dafür benötigten speziellen Werkstoffe, wie beispielsweise Spezialstähle oder Titan. Diese Werkstoffe können nicht auf einem 3D-Drucker verarbeitet werden. Die Ausgangslage für die SFS-Gruppe wird daher weiterhin gut bleiben.

Interview: Thorsten Fischer

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