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Die schmutzige Seite der Like-Maschinerie

Datensicherheit ist in Zusammenhang mit dem Internet ein riesiges Thema. Vergessen geht, dass die Tech-Konzerne riesige Mengen an Wasser benötigen. Das hat zu ersten Aufständen geführt.
Adrian Lobe
Blick in ein Rechenzenter von Google im amerikanischen Douglas County. (Bild: EPA)

Blick in ein Rechenzenter von Google im amerikanischen Douglas County. (Bild: EPA)

Egal, ob Online-Shopping, Sprachkommando oder Google-Suche – wer sich im Netz bewegt, hinterlässt Spuren. Algorithmen tracken das Suchverhalten und spielen passgenaue Werbung aus. Das ist ein hinreichend bekanntes Problem.

Dass man mit Online-Diensten auch Spuren in der Umwelt hinterlässt, ist jedoch weniger ­bekannt. Jeder Klick setzt eine riesige Maschinerie in Gang, bei der Internetprotokolle mit beinahe Lichtgeschwindigkeit durch Glasfaserkabel über den Globus gejagt werden.

Gigantische Rechenzentren

Tech-Konzerne wie Google, Apple oder Microsoft haben in Iowa und North Carolina gigantische Rechenzentren errichtet, in denen die Daten verarbeitet werden. Die scheinbar ortlosen Cloud-Dienste benötigen riesige Flächen im physischen Raum, die so gross wie Fussballfelder sind. Serverfarmen sind der Maschinenraum der Digitalwirtschaft – ohne sie würde die Like-Maschinerie von Facebook oder Amazons Online-Handel stillstehen. Allein der Betrieb dieser Rechenzentren verschlingt jede Menge Energie und Wasser. Damit die Server nicht heiss laufen, müssen sie in einem aufwendigen Ver­fahren mit Kühlwasser gekühlt ­werden.

Der Journalist Drew Fitz Gerald hat im «Wall Street Journal» vorgerechnet, dass die rund 800 Rechenzentren in Kalifornien auf einen Wasserverbrauch kommen, mit dem man 158 000 olympische Schwimmbecken füllen könnte. Ein gigantischer Verbrauch. Und das in einem Bundesstaat, in dem akute Wasserknappheit herrscht. Kalifornien wurde in der Vergangenheit häufiger von Dürren heimgesucht und musste die Wasserversorgung einschränken.

Der Hunger nach Daten verursacht einen gewaltigen Durst nach Wasser. Das Silicon Valley hat ein Umweltproblem. Im US-Bundesstaat South Carolina, wo Google in der Nähe von Charleston ein Rechenzentrum betreibt, wollte der Tech-Gigant pro Tag rund 5,7 Millionen Liter Grundwasser zur Kühlung einsetzen. Dagegen protestierte eine Allianz aus Anwohnern und Umweltschützern.

15 Millionen Liter Wasser am Tag

Die Zeitung «Post and Courier» berichtete von drohenden «Wasserkriegen». Schon jetzt verbrauche das Rechenzentrum gut 15 Millionen Liter Wasser am Tag. Die Wasserentnahme könnte zu Verteilungskonflikten mit Landwirten führen. Der Bau von Microsofts Rechenzentrum «Project Osmium» in Iowa verzögerte sich, weil die Wasserversorgung mit dem lokalen Versorger geklärt werden musste.

Allein die Kühlung macht bis zu einem Drittel des gesamten Energieverbrauchs einer Serverfarm aus. Um Kühl- und Energiekosten zu sparen, verlagern Tech-Konzerne ihre Operationen in kühlere Regionen des Planeten. Facebook hat ein Rechenzentrum in der nordschwedischen Stadt Luleå nahe dem Polarkreis gebaut; Google errichtete eine Serverfarm im finnischen Hamina.

Zwar setzen Tech-Konzerne verstärkt auf «Green Energy» und erneuerbare Energie. So investiert Apple 1,3 Milliarden US-Dollar in eine neue Serverfarm in Iowa, die vollständig mit Windenergie betrieben werden soll. Doch hinterlassen die Konzerne einen gewaltigen ökologischen Fussabdruck. Denn wo Strom verbraucht wird, werden je nach Erzeugungsart auch Treibhausgase emittiert.

Laut einer Analyse der Marktforschungsgesellschaft Gartner überstieg der CO2-Ausstoss der IT-Konzerne 2007 erstmals die Emissionen der Luftfahrtindus­trie. Die Internetaktivistin Joana Moll hat die Emissionen im Rahmen des Projekts «CO2GLE» ­visualisiert: Wenn man die Web­seite aufruft, zeigt ein Zähler die Menge CO2 an, die Google während der Besuchszeit emittiert hat. Schon nach ein paar Sekunden springt der Zähler auf 3000 Kilogramm CO2.

Moll legt ihrer Kalkulation die Annahme zugrunde, dass die Übertragung von einem Gigabyte Information 13 Kilowattstunden verbraucht. Das entspricht etwa sieben Kilogramm CO2. Geht man davon aus, dass Google.com ein Datenvolumen von zwei Megabyte verbraucht und sekündlich 47 000 Suchanfragen verarbeitet, kommt man auf eine halbe Tonne CO2-Ausstoss pro Sekunde. Nicht nur die Schwermetallreviere in den USA und China zerstören das Klima, sondern auch die Daten verarbeitende Tech-Industrie.

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