Die Sägen stehen bald still

Die Aufgabe der grössten Schweizer Sägerei in Domat/Ems kostet 130 Beschäftigten ihre Arbeit. Das Unternehmen Mayr-Melnhof schiebt dem Bündner Grossen Rat die Schuld in die Schuhe.

Hansruedi Berger
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Ein Kranfahrzeug stapelt Rundholz auf dem Lagerplatz der Bündner Grosssägerei von Mayr-Melnhof in Domat/Ems. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Ein Kranfahrzeug stapelt Rundholz auf dem Lagerplatz der Bündner Grosssägerei von Mayr-Melnhof in Domat/Ems. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Chur. «Das Nein des Grossen Rats von Graubünden vom 7. Dezember hat zum Scheitern der Sanierungsbemühungen der Mayr-Melnhof Swiss Timber AG geführt.» Das sagte der Geschäftsleiter der steirischen Mayr-Melnhof Holz Holding AG, Josef Dringel, vor den Medien in Chur. Die Belegschaft des Werks wurde an einer Betriebsversammlung über die Konkursanmeldung beim Bezirksgericht informiert.

Partnersuche ohne Erfolg

Mayr-Melnhof habe zwar in den letzten Tagen nach Alternativen für den nicht gewährten Kantonsbeitrag von 6,75 Mio. Fr. gesucht. Doch sei es innerhalb der kurzen Frist nicht möglich gewesen, einen zusätzlichen Partner für die Finanzierung des geplanten Pelletwerks zu vergleichbaren Bedingungen zu gewinnen, sagte Dringel. Auch sei es Mayr-Melnhof nicht gelungen, einen neuen Eigentümer für die Grosssägerei zu finden. «Wir wären bereit gewesen, diesen eine gewisse Zeit im Management zu unterstützen und damit eine professionelle Übergabe sicherzustellen.»

Schwarzer Peter für Stallinger

Dringel nannte diverse Gründe, die aus seiner Sicht zum Scheitern in Domat/Ems geführt haben. Die Sägerei sei von Anfang an zu gross konzipiert worden. Dazugekommen seien eine unzureichende Rundholzversorgung und ein massiv gesunkener Euro-Kurs. Seit der Übernahme der Grosssägerei Anfang 2009 von der Stallinger-Gruppe habe der Euro 18% gegenüber dem Franken verloren. Die Wirtschaftskrise und steigende Rundholzpreise hätten die Lage weiter verschlimmert.

Eine Rettung des Standortes Domat/Ems wäre laut Dringel nur mit einer einschneidenden finanziellen Sanierung und einer Neuausrichtung des Werks möglich gewesen. Denn nur damit hätten auch Altlasten beseitigt werden können, die nicht Mayr-Melnhof zu verantworten habe. Dringel spielte damit auf Stallinger an, die das Werk auf eine Einschnittkapazität von 1 Mio. Festmeter angelegt hatte. Ein Festmeter (fm) entspricht 1 m³ fester Holzmasse.

«Politische Kampagne»

Diese Neuausrichtung sei jedoch leider nicht zustande gekommen, weil nach der Veröffentlichung der Sanierungsvereinbarung Anfang November eine «politische Kampagne» begonnen habe, «die in dieser Heftigkeit und Nachhaltigkeit bei weitem nicht zu erwarten war.»

Mit dem Nein des Grossen Rates zu einem Teil des Sanierungskonzepts sei die Sanierungsvereinbarung hinfällig geworden, sagte Dringel. «Mit diesem Entscheid wurde der Fortführung des Standortes Domat/Ems die Basis entzogen.»

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