Die Post muss sich wandeln

Zur Sache

Roman Schenkel
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Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Post von einem behäbigen Staatsbetrieb zu einem modernen Unternehmen gemausert. Ein Unternehmen, das jedoch über eine veraltete Struktur verfügt. Das Poststellennetz mit seinen rund 1400 Filialen passt nicht mehr in die Zeit von E-Mail und Zalando. Die Bedürfnisse der Kunden haben sich verändert: Briefe werden wegen der Substitution durch E-Mails immer weniger, Pakete werden wegen des boomenden Online-Handels immer mehr. Die Poststelle hingegen wird von den Kunden immer seltener aufgesucht.

Die Post muss sich dieser neuen Realität anpassen – mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Bis 2020 will sie die Zahl ihrer Filialen stark reduzieren. Die Post tut das aber nicht, ohne die Kantone und die Gemeinden zuvor zu konsultieren, und sie tut es nicht ohne Alternativen: Die Zahl der Postagenturen wird erhöht, in ländlichen Gebieten kommt der sogenannte Hausservice zum Einsatz. Bei den Agenturen arbeitet die Post mit Dorfläden, Altersheimen und Hotels zusammen. Diese öffentlich-privaten Partnerschaften bieten den Kunden oft längere Öffnungszeiten und nicht in wenigen Dörfern hat die Kooperation mit der Post das Überleben des serbelnden Dorfladens gerettet.

Der Reformschritt der Post ist ein Zeichen der Zeit. Die Schliessung der «eigenen» Poststelle mag nicht überall gleich dringlich sein und im ersten Moment schmerzhaft. Wer sich aber überlegt, wie oft er im vergangenen Jahr in einer Poststelle ein Zettelchen gezogen hat, der muss zugeben, dass es sich dabei um einen Phantomschmerz handelt. Seite 3