Die Post als Post statt als Kiosk

Poststellen machen künftig weniger den Eindruck von Gemischtwarenläden. Süssigkeiten und Snacks fliegen aus dem Sortiment. Andere Dinge bleiben.

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BERN. Die Post reorganisiert ihr Angebot an Drittprodukten in den Poststellen. Aufgegeben wird der Mini-Kiosk mit Süssigkeiten und Snacks. Auch zwischen Heimelektronik, Spielzeug sowie Artikeln für Auto und Haushalt werden die Postkunden nicht mehr warten müssen, wenn sie anstehen, um Briefmarken zu kaufen, ein Paket abzuholen oder Rechnungen zu bezahlen. Die Eliminierung postfremder Artikel erfolgt laut Mitteilung ab dem 1. Quartal 2016 gestaffelt.

Produkte mit Bezug zur Post

Angeboten werden künftig jedoch weiterhin Produkte, die laut Post «einen klareren Bezug zur Post» aufweisen. Den Fokus legt das Unternehmen dabei auf Behördendienstleistungen, Versicherungen oder Produkte und Dienstleistungen der Telekommunikation. Verkauft werden sodann weiterhin Bücher, Papeterieartikel oder Geschenkkarten.

Im vergangenen Frühling hatte die Post einen Pilotversuch gestartet, in dessen Rahmen sie in einigen Poststellen ein bereinigtes Angebot von Drittprodukten testete. Nach Ablauf der Pilotphase wurde entschieden, künftig in allen Poststellen das neu sortierte Angebot zu führen.

«Post setzt sich auf Diät»

Der Verkauf von Drittprodukten ist ein wichtiger Ertragspfeiler zur Deckung des Defizits des Poststellennetzes der Post. Jährlich macht sie mit diesen Verkäufen einen Umsatz von rund 500 Mio. Franken. Als Folge der Neuausrichtung wird die Post allerdings Umsatzeinbussen erleiden. Wie hoch diese sein werden, kann die Post derzeit noch nicht beziffern.

«Endlich: Post setzt sich auf Diät», schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und begrüsst die Ausdünnung des Sortiments von Drittprodukten. Wie die SKS schreibt, haben sie respektive ihre Partnerorganisationen letztes Jahr 74 Poststellen besucht. In 72 davon habe man mindestens ein Regal mit Süssigkeiten vorgefunden. Damals habe die Post in Aussicht gestellt, die Süsswaren zu entfernen.

Auch ohne Quengelzonen

Nun habe das mehrmalige Nachhaken der SKS gefruchtet: «Die Post wird sich wieder auf ihr Kerngeschäft besinnen und in den Filialen lediglich Produkte verkaufen, welche in einem Zusammenhang mit der Post und ihren Dienstleistungen stehen.» Damit gewinne die Post in den Filialen an Profil. Für SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder auch wichtig: Ohne Süsswaren und Spielzeug «werden Eltern wieder etwas entspannter mit ihren Kindern in der Post warten können». Migros und Lidl hätten mit Familienkassen respektive Kassen ohne Süssigkeiten und Snacks gezeigt, dass es auch ohne diese Quengelzonen gehe. (sda/T. G.)