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Die Plattform ist tot, es lebe die Plattform

Ansichten
Miriam Meckel

«I hate the idea of trends», soll der Schauspieler Clint Eastwood einst gesagt haben. Das passt, denn Eastwood ist ein konservativer Geist, und die mögen Wandel nicht so recht. Trends sind aber keine beknackten Ideen, sondern virtuelle Wegweiser in die Zukunft. Wer sie erkennt, weiss früher als andere, was Sache ist. Auf der South-by-Southwest (SXSW), dem grössten Zukunftsfestival der Welt, war dieser Tage ein solcher Trend zu spüren. Ein Tipping Point oder Kipppunkt, der uns zeigt: Bald kann alles ein bisschen anders sein, als wir gerade noch glauben möchten.

Auf der Kippe steht die Plattformökonomie, wie wir sie kennen. In der haben wenige grosse Technologiekonzerne einen erheblichen Einfluss auf viele kleine Nutzerinnen und Nutzer. Die sind nicht eigentlich klein, aber sie werden klein gemacht durch die Tricks des «Addictive Design», indem Produkte und Services so gestaltet werden, dass man viel mehr Zeit mit ihnen verbringt, als man eigentlich wollte. Auch durch die Machtfülle, wie sie diese Plattformen inzwischen angesammelt haben. Dadurch, dass es auch in diesem Internet doch nicht ganz so leicht ist, sein eigenes Unternehmen zu gründen, weil man auf die grossen angewiesen ist oder von ihnen weggedrückt wird.

Die ersten, so die Trendvorschau an der SXSW, stehen jetzt gegen diesen Machtreichtum und diese Armut an Alternativen auf. Das sind Menschen, die ihr Glück nicht darin suchen, permanent auf ihrem Handy herumzutappen, sondern sich engagieren («context over content»). Die nicht nur gute Geschichten hören, sondern sehen wollen, was wirklich dahintersteht («pur­pose over storytelling»). Die dabei wenig Vertrauen in Institutionen haben, sondern ihr Leben bald ökonomisch über die Blockchain organisieren.

Auf der Blockchain soll es dezentral, demokratisch und transparent zugehen. Die Kryptowährungen sind nur ein Teil der Geschichte, ganz sicher nicht der wichtigste. Für Ordnungsliebende lässt sich die Blockchain vielleicht so beschreiben: eine Technologie, die wie eine endlose Akte funktioniert. Jede Transaktion wird darin abgelegt, alles ist immer schön in der richtigen Reihenfolge, und niemand kann je wieder etwas rausnehmen.

Und doch ist sie mehr als der technologische Traum aller impulskontrollgestörten Bürokraten. Sie ist eine Revolution. Wenn die Blockchain sich durchsetzt, dann ist der Plattformkapitalismus, wie wir ihn kennen, am Ende. Dann brauchen Autobesitzer kein Uber mehr, sondern können ihre Fahrdienste direkt über die Blockchain anbieten. Musiker brauchen Spotify nicht mehr, sondern schliessen direkt mit ihren Kunden einen Vertrag. Verwaltungen lassen es auf dieser technologischen Basis zu, dass der Bürger sich schnell und einfach selbst hilft. Und so ist die Blockchain dann doch eine echte Gegenbewegung zum jetzigen Internet. «Content wird selbst zur Software», sagt Joseph Lubin, einer der beiden Gründer der Blockchain-Plattform «Etherium». Das kann weltbewegend ­werden.

Neue Technologie ist sehr oft nur eine andersgeartete Antwort auf die Frage, wie wir leben wollen. So wie jetzt offenbar nicht mehr. In jeder Beziehung kommt es darauf an, den Unterschied zwischen Intimität und Überwachung im Auge zu behalten. Das gilt nicht nur für Zwischenmenschliches, sondern auch für die Beziehungen zwischen Mensch und Technik. In dieser Hinsicht scheinen die alten Plattformen schal geworden. Als neue verspricht die Blockchain die Demokratisierung der Menschheit. Jeder neue Trend hat doch immer auch etwas Konservatives.

Miriam Meckel

Publizistin

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