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Die Perle kann wieder glänzen: Der Arboner Küchenbauer Forster schmiedet wieder grosse Pläne

Vor zwei Jahren übernahm eine Gruppe Investoren die defizitären Forster Küchen. Dieses Jahr dürfte das Unternehmen am Bodensee wieder einen kleinen Gewinn erzielen.
Kaspar Enz
Die Forster-Küchen werden hauptsächlich von Hand montiert. (Bild: Urs Bucher, Arbon, 11. September 2019)

Die Forster-Küchen werden hauptsächlich von Hand montiert. (Bild: Urs Bucher, Arbon, 11. September 2019)

Die Paletten in der Produktionshalle der Forster Swiss Home AG stehen fein säuberlich aufgereiht, zumindest fast. «Das dürfte nicht sein», sagt CEO Ipek Demirtas, als sie eine etwas schräge Palette entdeckt. Sie geht durch die helle Halle, grüsst alle Mitarbeitenden. Sie kleben Füllmaterial in die maschinell zugeschnittenen und gefalteten Stahlbleche, fügen sie zu Türen, Wänden und Küchenkasten zusammen, verpacken sie für den Transport. «Der Grossteil der Arbeit geschieht von Hand», sagt Demirtas. 3000 Küchen pro Jahr bauen die 43 Produktionsmitarbeiter heute. «Und es hat noch Platz». Bäumchen säumen den Pfad zwischen Paletten und Maschinen, es gibt Znüniküchen und Pausenecken.

Und Platz und Potenzial für mehr. «Wir wollen in Richtung 5000 Küchen gehen», sagt Demirtas. «Dafür müssten wir eine zweite Schicht einführen, und 40 bis 50 neue Mitarbeiter einstellen», rechnet sie vor. Heute arbeiten rund 140 Leute für Forster. Der Aufbau müsste bald geschehen. Schon 2022 will Forster Swiss Home einen Umsatz von 100 Millionen Franken erreichen. Rund drei mal mehr als dieses Jahr voraussichtlich erzielt wird. Ein grosser Schritt. «Unsere 3000 Küchen machen gerade mal zwei Prozent des Schweizer Marktes aus.» Da sei noch viel Platz für Forster.

Langlebig und filigran

Zumal die Küchen aus Arbon einige schlagende Argumente auf ihrer Seite hätten. Die Konstruktionen aus Stahlblech halten länger als Holzküchen. Feuer und Hitze schaden ihnen ebenso wenig wie Feuchtigkeit. Das mache den Unterhalt günstig. Stahl erlaubt auch filigrane und doch stabile Bauteile. «Architekten lieben Forster», sagt Demirtas stolz. Und das Unternehmen transportiere Werte. Ausser den Stahlblechen, die aus Österreich kommen, wird fast alles in der Schweiz gebaut. Forster Küchen verkörpern Beständigkeit, Nachhaltigkeit, sagt sie.

«Wir machen keine Massenware, wir machen den Mercedes. Wer das Produkt sieht, ist begeistert.»

Deshalb müssen es so viele Leute wie möglich sehen. «Als wir kamen, gab es erst eine Ausstellung von Forster Küchen in Zürich.» Am Arboner Hauptsitz fehlte ein echter Verkaufsraum. Beim Vertrieb arbeiteten fünf Leute. Heute sind es 35, Tendenz steigend. Und Forster stellt seine Küchen an schweizweit sieben Standorten aus. Am Hauptsitz soll bald eine Genussakademie die Küchen erlebbarer machen. Die Strategie scheint aufzugehen. Forster sei auf dem Weg, dieses Jahr einen kleinen Gewinn zu machen.

Das grosse Entrümpeln

Vor ziemlich genau zwei Jahren, als Ipek Demirtas und der heutige Verwaltungsratspräsident Max Müller die Forster Küchen aus den Trümmern der Alno-­Gruppe übernahmen, sah es nicht danach aus. Erst musste die Halle entrümpelt werden. «Wir transportierten 50 Lastwagen hinaus.» Dann wurden die Prozesse entrümpelt. In der Produktion bauten damals 46 Mitarbeiter 2000 Küchen im Jahr. Die Verschlankung verschaffte ihnen Zeit, die sie in ihren Arbeitsplatz investierten. Die Bäumchen, die Pausenräume, alles ein Werk der Mitarbeiter, sagt Demirtas. «Sie haben sich eine Kathedrale gebaut.»

Eine, deren Fundament zwar schon stand, sagt Demirtas. Aber sie war in einem schlechten Zustand. Forster hatte in fünf Jahren 42 Millionen Franken Verluste geschrieben. Das war Müller und Demirtas nicht entgangen. 2014 hatte die Arbonia-Forster-Gruppe die Firma als Teil der AFP Küchen AG an den deutschen Alno-Konzern verkauft. «Uns ging es damals um den anderen Teil der AFP, Piatti», sagt Demirtas.

«Aber dass Forster eine Perle war, hatten wir schon gemerkt, als wir sie während der Verkaufsverhandlungen besichtigten.»

Immer wieder hatten sie in den nächsten Jahren Vorschläge zur Schliessung des defizitären Betriebs auf dem Tisch. Immer sagten sie Nein.

Dem Unternehmen fehlte das Herz

Als Alno 2017 am Ende war, stand auch Forster vor dem Konkurs. Demirtas und Müller, sie hatten den krisengeschüttelten Alno-Konzern schon vorher verlassen, wollten ihre Perle retten und polieren. «Es fehlten das Herz und die Führung. Den Leuten fehlte so die Motivation und auch etwas die Disziplin», sagt Demirtas. Zu lange sei Forster ein kleiner Teil von grossen Konzernen gewesen. «Ich hab mit jedem der damals 91 Mitarbeiter geredet», sagt Demirtas. «Sie fühlten sich wie das fünfte Rad am Wagen.»

Das zu ändern sei die wichtigere Aufgabe gewesen. «Es gibt leider immer weniger Pa­trons», sagt Ipek Demirtas. Dabei verbrachte sie selbst rund 25 Jahre in den Chefetagen grosser Firmen. «Aber in solchen Konzernen ist vieles fiktiv»: Woher das Geld kommt und wohin es gehe, sei für die Mitarbeiter nicht ersichtlich. Ebenso wenig wie sie merken, was die ganz oben wollen. «Hier kann man noch Hand anlegen», sagt sie. Ein Patron der alten Schule sei sie zwar nicht. Aber Forster sei schon wieder fast eine Familie.

Forster baut Service-Abteilung aus

Die Service-Branche für Haushaltsgeräte ist im Umbruch. So legt Coop die Service-Abteilung ihrer Tochter Schubiger mit der Service 7000 zusammen. Das Geschäft hat aber einen neuen Mitbewerber aus der Region: Denn seine Servicetechniker kümmern sich nicht mehr nur um Forster-Produkte, sagt der Leiter Service Mario Babic, einst selber bei Schubiger. «Forster-Küchen geben ja nicht so viel zu tun», sagt er. Früher verwiesen die Service-Leute oft auf andere Firmen, wenn es Kühlschränke oder Herde zu reparieren galt. Das hat sich geändert. «Ziel ist es, alles aus einer Hand anbieten zu können», sagt Babic. «Unsere Techniker müssen deshalb auch Geräte reparieren und ersetzen können.» In den letzten Monaten wurde die Abteilung um 12 Stellen ausgebaut, heute arbeiten rund 30 Leute im Service. Die Forster Service-Techniker kümmerten sich auch nicht mehr nur um Forster-Küchen. Bereits habe die neue Abteilung einige Liegenschaftsverwaltungen, die mit Forster Service zusammenarbeiten. Deshalb geht Babic davon aus, dass die Abteilung in der nächsten Zeit weiter ausgebaut wird. (ken)

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