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Chef der Schweizer Börse:
«Die neue Six wird mehr wagen»

Im Managerleben von Six-Chef Jos Dijsselhof ist der Wandel die einzige Konstante. Auf dem Schweizer Finanzplatz ist der gebürtige Holländer – auch dank dem Börsenstreit mit Brüssel – im Rekordtempo angekommen.
Daniel Zulauf
Jos Dijsselhof ist seit Anfang Jahr CEO der SIX. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Jos Dijsselhof ist seit Anfang Jahr CEO der SIX. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Zeiten der äusseren Bedrohung sind bekannterweise geeignet, den Zusammenhalt im Innern zu stärken. Dieser «Réduit-Reflex» spielte in den vergangenen Monaten auch im Börsenstreit zwischen Bern und Brüssel eine wichtige Rolle. Die Banken, die ihren Börsen- und Finanzmarkturbetreiber, Six, in früheren Jahren immer weniger von Kritik verschonten, stehen heuer plötzlich geschlossen hinter dem Gemeinschaftsunternehmen. Ausgerechnet UBS-Chef Sergio Ermotti, der die Six vor noch nicht allzu langer Zeit öffentlich als inneffizient und teuer angeprangert hatte, gab dem Unternehmen zuletzt die grösste Rückendeckung.

Am Börsenstreit lasse sich erkennen wie es um das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU stehe, schimpfte er Ende Oktober in der «Sonntags Zeitung». Aber «zum Glück gibt es einen guten Plan B.» Dieser sei zwar «nicht ideal, aber machbar.» Und sowieso: «Ab und zu muss man bereit sein, einen Preis für ein Prinzip zu zahlen. Es kann nicht sein, dass wir einer solchen Drohung nachgeben.» Auch der Bundesrat, der im Zug der Finanzkrise und des amerikanischen Steuerstreites deutlich auf Distanz zur Bankenlobby gegangen war, ist durch die Drohung aus Brüssel wieder näher an die Finanzbranche herangerückt. Der «Plan B», das helvetische Abwehrdispositiv gegen das europäische Börsenboykott ist ein Gemeinschaftswerk zwischen Bund, Banken und der Six.

Wieder stärker auf Wünsche ihrer Nutzer eingehen

An der Spitze dieser Six steht seit Jahresbeginn ausgerechnet ein EU-Bürger. Und mindestens in persönlicher Hinsicht waren die politischen Wirren um die Schweizer Börse auch für den Niederländer Jos Dijsselhof eher ein Glücksfall. Schneller hätte der frühere ABN-Amro-Manager jedenfalls kaum in der Schweiz ankommen können. Bis im Sommer 2017 war er an der Mehrländerbörse Euronext in Amsterdam noch als Betriebschef tätig gewesen. Dann fiel der Posten einer Restrukturierung zum Opfer. Doch die holländische Finanzkapitale war nur der vorläufige Endpunkt einer Odyssee, die den 52-jährigen Banker samt Familie für die Dauer eines ganzen Jahrzehnts durch die halbe Welt getrieben hatte – von Amsterdam, nach Hongkong, dann weiter nach Singapur und wieder zurück nach Amsterdam. Während Dijsselhof auf der anderen Seite der Erdkugel seiner täglichen Arbeit nachging, fiel seine Bank in der Heimat auseinander. In der Folge erhielt Dijsselhof sein Gehalt von immer neun Arbeitgebern – Fortis, RBS, ANZ. Der ständige Wechsel wurde zur Konstante in seiner Karriere.

Im Januar 2018 trat Dijsselhof schliesslich den Job als CEO der Six an. Damals sah das Unternehmen noch ungefähr so aus: knapp zwei Milliarden Franken Umsatz, über 3700 Angestellte und fünf Geschäftsbereiche. Abschliessen wird Six das Geschäftsjahr mit weit über einer halben Milliarde Franken Umsatz und rund 1300 Angestellten weniger. Die Organisationsstruktur ist neu, ein grosser Teil des Managements ebenso. Es mag paradox klingen aber bessere Startbedingungen hätte Dijsselhof in der Schweiz kaum wünschen können. Denn nichts ist schwieriger für einen neuen, auswärtigen Chef, als sich in einer stabilen und fest verankerten Organisation gegen neidische oder gar missgünstige Platzhirsche zu behaupten. Ein derartige Don-Quijote-Job hätte das Six-Engagement auch für Dijsselhof werden können. Doch der Verwaltungsrat hatte schon vor dessen Ankunft klar gemacht, dass es mit dem Unternehmen anders weitergehen müsse als bisher. Zehn Jahre nachdem sich die damals 160 Eigentümerbanken auf die Gründung einer einzigen gemeinschaftlichen Infrastrukturgesellschaft für die Schweiz einigen konnten, beschloss das Aufsichtsgremium im Herbst 2017, die zunehmend immobil gewordene Firma wieder in Bewegung zu bringen. Das grossvolumigen Zahlkartengeschäft wurde im Mai an die französische Worldline verkauft. Dijsselhofs Vorgänger, der St. Galler Urs Rüegsegger, hatte das Geschäft zwar erfolgreich auf- und ausgebaut- Dies mit dem Ziel, die Ertragsströme des Konzerns zu diversifizieren und dessen wirtschaftliche Eigenständigkeit langfristig abzusichern. Doch genau diese Strategie führte letztlich zum Stillstand beziehungsweise zur Entfremdung zwischen den Eigentümerbanken und der Six-Leitung.

Unter der Ägide des neuen Chefs kommen sich die Eigentümer und Management nun offensichtlich wieder näher. Es sei unter anderem auch sein Auftrag solche Brücken zu schlagen, sagt Dijsselhof. Die Six müsse wieder stärker auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Nutzer eingehen. Im Unterschied zu früheren Desinvestitionen dient der Wordline-Verkauf nicht primär dazu, den Six-Aktionären eine nette Sonderdividende auszuschütten. Vom Erlös in der Höhe von 2,8 Milliarden Franken fliessen nur rund 350 Millionen in bar, der Rest wird gegen eine Minderheitsbeteiligung von 27 Prozent in Aktien getauscht.

Vorreiterin in der Blockchain-Technologie

Und auch die Barmittel sind mindestens teilweise für Neuinvestitionen vorgesehen. Die Six hat sich in puncto Digitalisierung einiges vorgenommen. Sie will als eine der ersten Börsen weltweit Aktien vollständig digitalisieren, damit sie mit Hilfe der Blockchain-Technik gehandelt, abgewickelt und verwahrt werden können. Dijsselhof, der gelernte Informatiker und MBA-Absolvent, ist Feuer und Flamme für solche Projekte. Er hat dafür die neue Geschäftseinheit «Innovation & Digital» geschaffen. «Die neue Six wird mehr wagen», sagte Dijsselhof nur wenige Monate nach seinem Stellenantritt.

Aus einer Vielzahl von Investitionen in neue Technologien und Geschäftsmodelle würden sich hoffentlich einige Erfolge herausdestillieren lassen. Er teilt die Hoffnung mit den Banken, die im Umbau ihrer Infrastrukturgesellschaft für sich selber die grosse Chance sehen mit effizienteren Transaktionssystem das drückende Problem der Kosten zu verringern. Der «Change Manager» aus den Niederlanden beweist auch in der Schweiz seine Qualität als «Mann für alle Fälle». Seine Wahl könnte sich für die Banken und den Finanzplatz als Glücksfall erweisen.

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