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Thurgauer Weingut Lenz setzt auf Bio: «Die Natur ist unsere wichtigste Verbündete»

Das Thurgauer Weingut Lenz setzt konsequent auf Bio und Energie aus eigener Produktion. Nun ist der Betrieb für den Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz nominiert.
Thomas Griesser Kym
Karin und Roland Lenz in einem Weinberg mit Jungreben und ökologischen Ausgleichsflächen. (Bild: Reto Martin / Uesslingen-Buch, 17. Oktober 2019)

Karin und Roland Lenz in einem Weinberg mit Jungreben und ökologischen Ausgleichsflächen. (Bild: Reto Martin / Uesslingen-Buch, 17. Oktober 2019)

Konventionellen Wein trinkt Roland Lenz kaum mehr. Und wenn doch, dann am ehesten am gemeinsamen Mittagstisch, zu dem seine Frau Karin und er unter der Woche die Mitarbeitenden jeweils laden. Dann wird meist auch ein Fremdwein degustiert, um auf dem Laufenden zu bleiben und zu erkunden, was sich in der Welt des Weins so alles tut.

25 Jahre alt ist das Weingut Lenz in Uesslingen-Buch, nicht weit entfernt von Frauenfeld und der Kartause Ittingen. Was klein begonnen hat, ist heute ein renommierter Bioweinbetrieb. Roland Lenz vergleicht dessen Führung mit «Ausdauersport auf höchstem Niveau». Die Arbeit zahlt sich aus: 2015 und 2018 erhielt das Ehepaar Lenz den Titel «Biowinzer des Jahres» verliehen, und dieses Jahr belegten sie am Schweizer Bioweinpreis ein Fünftel der 30 Podestplätze. Und nun ist das Unternehmen für den diesjährigen Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz nominiert.

Neuzüchtungen, die Pilzbefall trotzen

Roland Lenz setzt konsequent auf biologische Bewirtschaftung seiner Rebberge, und das seit 20 Jahren. In der Schweiz macht das Segment der Bioweine gerade mal rund 5 Prozent aus, doch Lenz zeigt sich überzeugt:

«Bio ist die Zukunft.»

Pestizide und Herbizide, also synthetische Pflanzenschutzmittel, dürften langfristig nicht mehr toleriert werden, sagt Lenz mit Verweis auf die Trinkwasserproblematik oder den Schutz der Biodiversität. Gleichzeitig aber fördere die Klimaerwärmung den Pilzbefall.

Die Lösung hat Lenz für sein Weingut längst gefunden: Er setzt auf pilzwiderstandsfähige Neuzüchtungen (Piwi) mit dicken Beerenhäuten. Die ersten Neuzüchtungen verfügten lediglich über ein Gen, das vor Pilzerkrankungen schützt. Doch schon in ein paar Jahren, so Lenz, werde es neu Sorten mit Mehrfachresistenz und damit noch grösserer Robustheit geben.

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Die Innovationen scheinen gut anzukommen. So hat Lenz beispielsweise am Internationalen Bioweinpreis 2018 mit einem Weisswein aus einer Neuzüchtung des jurassischen Rebzüchters Valentin Blattner gewonnen. Zudem eröffneten Neuzüchtungen immer auch die Möglichkeit auf neue Aromen und damit «eine neue Weinidentität», wie Karin Lenz sagt.

Insgesamt keltert das Ehepaar Lenz rund 70 Weine aus 35 Traubensorten. Die Hälfte der Erzeugnisse setzen sie im Direktverkauf ab, die andere geht an Wiederverkäufer. Das sind vor allem Fachhändler, aber auch das Zürcher Luxushotel Baur au Lac führt auf seiner Karte Lenz-Bioweine als Hausweine, und auf der Kundenliste steht ausserdem Delinat, der St.Galler Versandhändler, der sich einen Namen gemacht hat mit Bioweinen aus Europa.

Das eigene Kraftwerk

Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Weingut Lenz. Mit der eigenen Biorebschule zieht man den Vorteil daraus, Jungpflanzen in jenem Gebiet aufzuziehen, in dem sie später Trauben produzieren. Wichtig sind Lenz auch Ausgleichsflächen, Insektenhotels und Hot Spots, um die Artenvielfalt zu fördern. Und das Unternehmen ist seit einem Neubau 2015 energieautonom, laut Lenz als «erstes Weingut der Schweiz und weltweit». Das Energiesystem umfasst unter anderem eine Erdsonden-Wärmepumpe, eine Fotovoltaikanlage und eine Batterie als Stromspeicher.

«Die Natur ist unsere wichtigste Verbündete», sagt Lenz. Die Vegetationsperiode des laufenden Jahres war anspruchsvoll. Frost im Frühling, ein kühler Mai, sengende Hitze Ende Juli. Ferner setzten Mehltau, Sonnenbrand und die Kirschessigfliege den Reben zu.

«Wir müssen extrem flexibel sein»,

sagt Lenz angesichts solcher Herausforderungen. Aber: «Wir sind mit sehr viel Freude und Begeisterung an der Arbeit, und das gilt auch für unsere Mitarbeitenden», vier Festangestellte, zwei Lehrlinge und zahlreiche Aushilfen.

Landwirtschaft «mit unternehmerischem Biss»

Sollte das Ehepaar Lenz den Unternehmerpreis gewinnen, «hätte das eine Ausstrahlung gegen aussen». Und Roland Lenz sähe es als weitere Bestätigung, dass «es möglich ist, mit unternehmerischem Biss einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb aufzubauen und diesen wirtschaftlich zu führen».

Raiffeisen-Unternehmerpreis

Für die zweite Ausgabe des Raiffeisen-Unternehmerpreises Ostschweiz sind sechs kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nominiert. Wir stellen die Firmen in loser Folge vor. Vergeben wird der Preis am 14. November im Werk 1 in Gossau. Neben dem Hauptpreis wird auch der Publikumspreis «für das beliebteste Unternehmen» verliehen. (T. G.)

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