Die Migros überholt: Mit dem Rücktritt von Hansueli Loosli geht bei Coop eine Ära zu Ende

Bei Coop werden die Posten des Verwaltungsratspräsidenten und des Konzernchef neu besetzt. In den letzten Jahren agierte der Konzern oft dynamischer als die Migros – mit einer grossen Ausnahme.

Roman Schenkel, Stefan Ehrbar und Gabriela Jordan
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Hansueli Loosli (l.) tritt als Coop-Verwaltungsratspräsident ab, Konzernchef Joos Sutter (r.) soll ihn beerben.

Hansueli Loosli (l.) tritt als Coop-Verwaltungsratspräsident ab, Konzernchef Joos Sutter (r.) soll ihn beerben.

Coop

Auf wohl keinen Schweizer trifft das Etikett «Coopkind» so zu wie auf Hansueli Loosli. Der 65-Jährige stieg im Alter von 36 Jahren bei Coop ein, führte den Konzern zwischen 1997 und 2011 als Konzernchef und präsidiert den Detailhandelsriesen seither im Verwaltungsrat. Nächstes Jahr ist nun Schluss. Loosli tritt altershalber zurück und will sein Amt an den bisherigen Konzernchef Joos Sutter übergeben, wie Coop am Freitag mitteilte. Damit endet eine Ära.

Im Jahr 2001 startete Loosli mit dem Fusionsprogramm «Coop Forte» die Aufholjagd zur ewigen Konkurrentin Migros. Die regionalen Coop-Genossenschaften gaben grosse Teile ihrer Autonomie auf, der Konzern wird seither zentralistischer und einheitlicher geführt. Während die Genossenschaften bei der Migros weiterhin vieles selbst entscheiden und grossen Abstimmungsbedarf auslösen, ermöglichte es die Reorganisation Coop, neue Formate wie Coop Pronto oder Coop City zu eröffnen, Konkurrenten wie die ehemalige Waro aufzukaufen und 2010 den Grosshändler Transgourmet vollständig zu übernehmen.

Seit 2016 schreibt Coop mehr Umsatz als die Migros

Vor vier Jahren erreichte Coop einen Meilenstein und schreibt seither auf Gruppenebene mehr Umsatz als die Migros – auch wenn diese in der Schweiz weiterhin mehr Menschen beschäftigt und in ihren Supermärkten etwas mehr Waren verkauft. Selbst der Markteintritt der deutschen Discounter Aldi und Lidl konnte Coop wenig anhaben. Im Onlinegeschäft hatte die Migros allerdings zuletzt die Nase vorn. Nicht nur betreibt sie mit Leshop einen umsatzstärkeren Lebensmittelshop als Coop, mit dem Kauf von Digitec zog sie auch im Bereich der Elektronik vorbei. Die Digitalisierung und die Entwicklung der Onlinekanäle dürften zu den grössten Herausforderungen von Looslis Nachfolger zählen.

Dieser hat einen bekannten Namen. Wie schon nach seinem Rücktritt aus der Konzernleitung soll ihn nun auch als Verwaltungsratspräsident Joos Sutter beerben. Sutter führt Coop seit 2011 als Konzernchef. Im Coop-Universum ist der 56-jährige Bündner aber schon viel länger. Nach seinem Wirtschaftsstudium in St. Gallen und einer Station bei der Ems-Chemie übernahm er 1996 die Leitung Finanzen der Import-Parfümerien. Danach leitete er den Elektronikhändler Interdiscount und später das Handelsgeschäft mit den Warenhäusern und Fachmärkten.

Auf Sutter folgt ein «kleiner Loosli»

Sutter, der in Medienberichten als «blitzgescheit», «humorvoll» oder «Alpencharmeur» bezeichnet wird, wuchs in Thusis GR auf. Wann immer möglich geht der in Bern wohnhafte Heimwehbündner wandern oder Fliegenfischen, fährt Motorrad oder Ski. Er ist verheiratet und Vater dreier Söhne. Im Interview mit dieser Zeitung im Frühling gab er noch nichts von seinen Plänen preis, liess aber durchblicken, dass ihm die Arbeit bei Coop immer noch «gewaltig Spass» mache.

Für Sutter an die Konzernspitze nachrücken soll Philipp Wyss. Er zählte bereits 2011 zu den Papabili, als es um die Nachfolge von Hansueli Loosli als Konzernchef ging. Schliesslich machte aber Joos Sutter das Rennen. Wyss wurde zu Sutters Stellvertreter ernannt und übernahm die einflussreiche Direktion Marketing und Beschaffung.

Zuvor ist der Luzerner die interne Karriereleiter Stufe um Stufe nach oben geklettert. Seit über 20 Jahren ist er für den Detailhändler tätig. Bis April 2012 war er Leiter der Verkaufsregion Zentralschweiz-Zürich. Der gelernte Metzger und Kaufmann hat seine Karriere bei der Frischfleisch AG in Sursee begonnen. Der Vater von drei Kindern gilt Coop-intern als die kleinere Ausgabe von Loosli, als Chrampfer – verlässlich, umgänglich. Als seine Erfolgsfaktoren nannte er einst gegenüber der «Luzerner Zeitung»: «Gesunder Menschenverstand, Ehrgeiz und Nehmerqualitäten.»