Die Migros macht ihr Tafelsilber zu Geld: Glattzentrum soll verkauft werden

Der Schritt zeigt die Schwierigkeiten der Shoppingcenter-Branche im Zeitalter von Online-Handel.

Leo Eiholzer
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Das Glattzentrum und seine 43000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen zum Verkauf.

Das Glattzentrum und seine 43000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen zum Verkauf. 

Bild: z.V.g.

Die Migros macht ihr Tafelsilber zu Geld. Nachdem der orange Riese im Sommer bekannt gab, die Warenhauskette Globus und eine ganze Reihe Tochterfirmen zu verkaufen, folgt nun der nächste Paukenschlag: Die Migros will das Glattzentrum verkaufen. Das gab der Genossenschafts-Konzern gestern bekannt. Das Einkaufszentrum bei Wallisellen in der Zürcher Agglomeration ist mit Abstand das umsatzstärkste Shoppingcenter der Schweiz.

Bereits vor zwei Wochen berichtete CH Media unter Berufung auf Insider, dass ein Verkauf des «Glatt» bevorstehen könnte. «Die Mieter stehen auch beim Glatt nicht mehr Schlange», sagte ein bekannter Migros-Manager. Vom Glattzentrum hiess es nur: no comment .

Nun ist es Tatsache. Die Migros will aber weiterhin Mieterin im Glattzentrum bleiben, wie sie schreibt. Auf die Geschäfte und auf die Mitarbeiter habe der Verkauf keine Auswirkungen.

Die Migros steht unter Druck. Verkauf von Globus, Verkauf von Interio, Verkauf von M-Way, Verkauf von Depot; und jetzt das Glattzentrum. Der Gewinn der Genossenschaft sinkt seit Jahren. Im Dezember ging sogar die Befürchtung um, die Migros könnte 2019 rote Zahlen schreiben. Es wäre das erste Mal in der jüngeren Gesichte der Migros. Beim Verkauf von Depot resultierte laut Konzernchef Fabrice Zumbrunnen ein Abschreiber von 400 Millionen Franken. Die Genossenschaft gab zwar vor zwei Wochen ein kleines Umsatzwachstum von 0,7 Prozent bekannt, Zahlen zum Gewinn gibt es aber erst im März.

Zumbrunnen will sich auf das Kerngeschäft sowie Online-Handel konzentrieren. Die Immobilien-Bewirtschaftung gehöre nicht zu den «strategischen Schwerpunkten», schreibt die Migros in der Mitteilung. Doch der Verkauf des Glatt wird vor allem kurzfristig viel Geld bringen. Für die Warenhauskette Globus will die Migros laut «Handelszeitung» rund eine Milliarde Franken.

Kunden kaufen lieber online oder im Ausland

Dass nun mit dem Glattzentrum der Branchenleader zum Verkauf steht, zeigt, in welcher schwierigen Lage die Schweizer Einkaufscenter sind. Die Kunden kaufen lieber im Ausland oder im Internet ein. Das Konzept Einkaufszentrum scheint die besten Zeiten hinter sich zu haben. Der Umsatz des Glatt schrumpfte zwischen 2010 und 2018 von 669 Millionen Franken auf 598 Millionen.

Just am gleichen Tag schloss gestern Manor zum letzten Mal die Tore am traditionsreichen Standort an der Zürcher Bahnhofstrasse, den die Warenhauskette wegen eines Streits mit dem Vermieter verlässt. Manor ist im Umbruch: Anfang Januar wurde bekannt, dass die Firma über ein dutzend langjährige Kader-Mitarbeiter entlässt und m Digital-Bereich Jobs schafft.

Wer Globus kauft, ist noch offen. Als Favorit gilt laut «Handelszeitung» der österreichische Investor René Benko, der die Karstadt-Kette besitzt.

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