Die Managerin der Waffenschmiede

Marilyn Hewson versteht sich auf Krisenmanagement. Als die künftige Chefin von Lockheed Martin für die Entwicklung des neuen Präsidenten-Helikopters zuständig war, teilte ihr das Pentagon 2009 plötzlich mit, das kostspielige Projekt sei gestrichen.

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Marilyn Hewson, künfitge Chefin des amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. (Bild: Keystone)

Marilyn Hewson, künfitge Chefin des amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. (Bild: Keystone)

Marilyn Hewson versteht sich auf Krisenmanagement. Als die künftige Chefin von Lockheed Martin für die Entwicklung des neuen Präsidenten-Helikopters zuständig war, teilte ihr das Pentagon 2009 plötzlich mit, das kostspielige Projekt sei gestrichen. Ähnliches könnte sich wiederholen, wenn Hewson am 1. Januar an die Spitze des grössten amerikanischen Rüstungsunternehmens rückt. Falls sich der amerikanische Kongress bis dahin nicht auf ein Kompromisspaket geeinigt hat, stürzen die USA die sogenannte Fiskalklippe herunter.

Umbau des Konzerns

Für das Pentagon hiesse das, pauschale Kürzungen von zehn Prozent in Kauf nehmen zu müssen. An Lockheed Martin wird das nicht spurlos vorübergehen, da das Geschäft der Rüstungsschmiede aus Bethesda im Bundesstaat Maryland zu 82 Prozent von der Regierung abhängt. Die Rede ist vom möglichen Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen in dem Konzern, der im kommenden Jahr sein 100jähriges Bestehen feiern wird.

Ungeachtet der Herausforderungen, die auf Hewson warten, zögerte die Lockheed-Veteranin keinen Moment, die neuen Aufgaben zu übernehmen. Überraschend hatte der Vorstand die Managerin zu einer Krisensitzung bestellt, auf der er über die Nachfolge Chris Kubasiks beriet, der ursprünglich die Konzerspitze übernehmen sollte. Kubasik stolperte aber über die Affäre zu einer Mitarbeiterin.

Die in Junction City im Bundesstaat Kansas zur Welt gekommene Hewson könnte sich als Idealbesetzung beweisen. In den vergangenen 29 Jahren hielt sie 19 verschiedene Führungspositionen, zog achtmal um und arbeitete in drei der vier Unternehmensbereiche. Sie kennt den Konzern ganz genau und geniesst das Vertrauen ihrer Mitarbeiter. «Die Leute scheinen sie mehr zu mögen als mich», scherzt der scheidende CEO Robert Stevens. Die künftige Chefin des Rüstungskonzerns gilt als zugänglich und verständnisvoll.

Unter ihrer Führung dürfte der Konzern den Umbau von einem Rüstungskonzern, der weitgehend von der amerikanischen Regierung abhängig ist, beschleunigen. Zum einen will sie dafür das Auslandsgeschäft ankurbeln, um Auftragsrückgänge in den USA auszugleichen. Zum anderen soll das Geschäft diversifiziert werden. Weg von reinen Militärprojekten hin zur Umwelttechnologie und Energiegewinnung.

Karriere der Frauen

Hewson gehört zu der wachsenden Gruppe von Frauen, die in den USA in mächtige Wirtschaftspositionen aufgestiegen sind. Ehemann James, mit dem sie seit 37 Jahren verheiratet ist, unterstützte ihre Karriere, indem er sich um die beiden Kinder kümmerte, die nun zur Universität gehen. Die Ingenieurin mit Abschlüssen von der University of Alabama hat ein Topmanagement zur Seite, in dem drei der sechs Führungspositionen mit Frauen besetzt sind.

Auch in der Rüstungsbranche steht sie nicht alleine da. Bei General Dynamics übernimmt im Januar mit Phebe Novakovic ebenfalls eine Frau die Geschäfte. Und BAE Systems wird schon seit einiger Zeit von Linda Houston geführt. Zähe Frauen in einem unsentimentalen Geschäft unter zunehmend schwierigen Umständen.

Thomas Spang

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