Die Märkte vor der Geldflut

Am Montag startet das Ankaufsprogramm der Europäischen Zentralbank für Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Bezüglich Konjunktur der Eurozone sieht sie einen Lichtblick.

Ulrich Glauber
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, zeigt sich in Zypern zuversichtlich punkto Konjunktur und Inflation im Euroraum. (Bild: epa/Katia Christodoulou)

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, zeigt sich in Zypern zuversichtlich punkto Konjunktur und Inflation im Euroraum. (Bild: epa/Katia Christodoulou)

NIKOSIA. Ab kommendem Montag werden die Geldquellen in der Eurozone nur so sprudeln. An diesem Tag startet das im Januar beschlossene Ankaufsprogramm. Das gab Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), nach dessen Ratssitzung auf Zypern bekannt. Für 60 Mrd. € (64,3 Mrd. Fr.) im Monat wird die EZB bis September 2016 Staatsanleihen und weitere Wertpapiere kaufen. Das Gesamtprogramm umfasst 1140 Mrd. €. Draghis Ziel ist es, mit dem billigen Geld die Konjunktur anzukurbeln und vor allem eine gefährliche Abwärtsspirale in der Preisentwicklung im Euroraum zu verhindern. Mit dem Erwerb von Hypothekenpapieren und Pfandbriefen hatte die EZB aus diesen Gründen schon vergangenen Herbst begonnen.

Griechische und zypriotische Anleihen darf die EZB nach Draghis Worten nicht kaufen, weil die Überprüfung des laufenden Anpassungsprogramms in den beiden Ländern noch nicht abgeschlossen ist. Allerdings hat die EZB das Limit um 500 Mio. € angehoben, mit dem die griechische Notenbank die Geschäftsbanken des Landes stützen darf.

«An Breite und Stärke»

Draghi wehrte sich vor den Medien in Nikosia gegen den Vorwurf, Athen finanziell zu wenig zu unterstützen. Die EZB habe ihre Kredite an Griechenland in den vergangenen Monaten auf 100 Mrd. € verdoppelt. Das entspreche einem Anteil von 68% der jährlichen griechischen Wirtschaftsleistung. «Die EZB ist nicht nur die Zentralbank von Griechenland allein», sagte Draghi.

Bezüglich Wirtschaftsaussichten verbreitete Draghi Optimismus. «Die Erholung gewinnt an Breite und Stärke», beschrieb er die Konjunkturentwicklung. Die EZB sagt vorher, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) des Euroraums dieses Jahr um 1,5% steigen wird. Vor drei Monaten waren die Ökonomen der EZB noch von 1% ausgegangen. Für 2016 prophezeien sie jetzt ein Wachstum von 1,9% statt wie bisher 1,5%. Im Jahr 2017 soll das BIP nach dieser Einschätzung dann um 2,1% zulegen.

Inflationsprognose: Null Prozent

Fachleute aus der privaten Finanzwirtschaft halten diese Prognose für sehr optimistisch. Die EZB vertraut jedoch darauf, dass wegen der gesunkenen Ölpreise das Portemonnaie bei den Konsumenten locker sitzt und auch die Exporte wegen des schwachen Euro zum Wachstum beitragen.

Bei der Inflation musste sich die EZB den Realitäten der zuletzt negativen Rate beugen und korrigierte ihre Prognose für 2015 von 0,7% im vergangenen Dezember auf jetzt 0% nach unten. Draghi zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die Geldpolitik spätestens im kommenden Jahr greifen und die EZB ihrem Zielwert einer Inflationsrate von rund 2% wieder näherbringe. Für das kommende Jahr sei mit einer Teuerung von 1,5% zu rechnen.

Euro schwächelt weiter

Den Leitzins beliess der EZB-Rat, der einmal im halben Jahr nicht am EZB-Sitz in Frankfurt, sondern in einem der Mitgliedländer tagt, auf dem Rekordtief von 0,05%. Auch der Strafzins von 0,2% für Banken, die Kapital bei der EZB parkieren, bleibt erhalten. Der Euro quittierte die Nachricht vom Beginn der Geldschwemme und dauerhaft niedriger Zinsen gegenüber dem Dollar mit dem sechsten Verlusttag in Folge. Ein schwacher Euro hilft Europas Exportwirtschaft.

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