«Die ländlichen Kantone leiden besonders stark»

Postnetz Die Ostschweiz war in den vergangenen 15 Jahren stark vom Abbau der Poststellen betroffen: Zwischen 2001 und 2015 wurden im Thurgau und beiden Appenzell mehr als 60 Prozent der Poststellen geschlossen.

Adrian Vögele
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Postnetz Die Ostschweiz war in den vergangenen 15 Jahren stark vom Abbau der Poststellen betroffen: Zwischen 2001 und 2015 wurden im Thurgau und beiden Appenzell mehr als 60 Prozent der Poststellen geschlossen. Einen stärkeren Rückgang haben schweizweit nur noch Graubünden und Schaffhausen zu beklagen: Hier fielen über 70 Prozent der Poststellen weg. Der Kanton St. Gallen liegt mit 51 Prozent im hinteren Mittelfeld.

Der St. Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler und sein Thurgauer Parteikollege Christian Lohr versuchen diese Entwicklung mit parlamentarischen Vorstössen zu bremsen. Beide fordern, dass der Bund die Postverordnung anpasst und damit die Post zu einem höheren Minimalstandard in der Versorgung verpflichtet. Entsprechend unzufrieden sind sie mit der Zukunftsstrategie, die die Post gestern präsentiert hat. «Es findet ein rigoroser Abbau statt», sagt Büchler. Eine Postagentur sei kein Ersatz für eine traditionelle Poststelle, sondern lediglich eine Notlösung. Nicht nur wegen des reduzierten Angebots: «In einem Laden mit Postagentur haben nicht die Postkunden Priorität, sondern jene Kunden, die Produkte kaufen.» Christian Lohr ergänzt: «In einer Poststelle geniesst der Kunde eine Diskretion, die eine Postagentur nicht bieten kann.»

Postschliessung bis vor den Bundesrat getragen

Die Post kündigt an, künftig in einen «aktiven Dialog» mit der Bevölkerung zu treten, wenn eine «Umwandlung» einer Poststelle zur Diskussion stehe. Jakob Büchler ist skeptisch: «Ich habe bisher genau das Gegenteil erlebt.» Der CVP-Nationalrat setzt sich persönlich für den Erhalt der Poststelle in seinem Wohnort Schänis ein. «Vieles deutet darauf hin, dass diese Poststelle schwarze Zahlen schreibt. Die Post aber erteilt dazu keine Auskunft.» Büchler lud in dieser Sache die Post-Konzernleitung zu einem Gespräch ins Bundeshaus. «Wir trafen uns in der Wandelhalle. Doch es kam kein Dialog zu Stande. Die Post hält in fast diktatorischer Weise an ihrer Strategie fest.»

Schliesslich verlangte Büchler gar von Bundesrätin Doris Leuthard Auskunft zur geplanten Schliessung der Poststelle Schänis. Das Gesetz gewähre der Post unternehmerische Freiheit bezüglich der Schliessung und Umwandlung von Poststellen, antwortete Leuthard im September in einer Fragestunde. Der Bundesrat äussere sich zudem nicht zu «konkreten Umwandlungsvorhaben». Büchler glaubt inzwischen kaum mehr, dass sich die Schliessung der Poststelle noch abwenden lässt. Zwar können sich Gemeinden bei der Postkommission Postcom wehren. Doch diese vermeide eine harte Konfrontation mit der Post, sagt Büchler. «Das ist eine Alibiübung.»

«Aus raumplanerischer Sicht ein Denkfehler»

Während Büchler bei vielen Nationalratskollegen eine grosse Unzufriedenheit mit der Post ortet und seinem Vorstoss «reelle Chancen» attestiert, ist Christian Lohr weniger optimistisch: «Das wird schwierig. Die ländlichen Kantone leiden besonders stark unter dem Abbau bei der Post. Für die städtischen Gebiete hingegen ist das Problem weniger akut.» Es sei daher fraglich, ob etwa die Nationalräte des Kantons Zürich einer Verschärfung der Postverordnung zustimmen würden.

Lohr ist überzeugt: «Der wahre Grund für die Ausdünnung des Postnetzes ist, dass die Post Finance nicht rentiert. Darum werden andernorts Kosten eingespart.» Doch es sei ein Denkfehler, die Dienstleistungen der Post zu zentralisieren – «auch aus raumplanerischer Sicht. Damit generiert man nur noch mehr Verkehr.» Die Absicht der Post, ab sofort mit den Kantonen über die Gestaltung des Postnetzes zu reden, beurteilt Lohr trotz allem kritisch: «Bisher haben die Gemeinden diese Gespräche geführt. Es ist nicht Sache der Kantone, hier einzugreifen.»