Die Migros-Kunden geben weniger aus

Zum dritten Mal in Folge sinkt der Gewinn der Genossenschaft Migros Ostschweiz. Eine Schlankheitskur soll die Profitabilität erhöhen.

Kaspar Enz
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Peter Diethelm, Chef von Migros Ostschweiz, präsentiert an der Bilanzmedienkonferenz nicht nur gute Zahlen.

Peter Diethelm, Chef von Migros Ostschweiz, präsentiert an der Bilanzmedienkonferenz nicht nur gute Zahlen.

Bild: Nik Roth (St. Gallen, 5. März 2020)

2019 war kein einfaches Jahr für die Migros. Schon letztes Jahr verordnete sie sich eine Schlankheitskur, der sich auch die Ostschweizer Genossenschaft anschloss. In der Gossauer Zentrale werden Stellen abgebaut, Tochterfirmen wie Chickeria oder MFit werden verkauft. «Wir sind unter Druck», stellte Geschäftsleiter Peter Diethelm vor den Medien fest. Mit 29,4 Millionen Franken, noch 1,2 Prozent des Umsatzes, hat der Gewinn 2019 einen Tiefpunkt erreicht. «Es ist das dritte Jahr in Folge mit einem unbefriedigenden Ergebnis», sagte Finanzchef Martin Lutz.

Preise gesenkt

Dabei seien nicht weniger Kunden in die Läden gekommen, so Diethelm. Nur geben sie weniger aus: Um 1,5 Prozent, auf 1,8 Milliarden Franken, sanken die Umsätze in den Supermärkten. Dazu trugen Einkaufstourismus und Onlinekonkurrenz bei, aber auch die Migros selber. «Auf die 1500 meistverkauften Artikel senkten wir die Preise», sagte Diethelm. Das koste zwar kurzfristig Umsatz. «Aber wir sind überzeugt, dass dieser Schritt unsere Position im Markt langfristig verbessert.»

Durchzogenes Jahr für Migros Ostschweiz

in Mio. Franken 2018 2019 Veränderung %
Nettoumsatz 2 408,6 2 389,5 –0,8
Gewinn 41,1 29,4 –28,3
Investitionen 121,2 149,6 23,4
Vollzeitstellen 6 264 6 308 0,07
Verkaufsfläche (m2) 265 005 269 061 1,5

Die Lage im Detailhandel beeinflusste nicht nur die Umsätze der Supermärkte. Im Grosshandel, der vor allem Migros-Partner beliefert, ging der Umsatz um 2,6 Prozent auf 51 Millionen zurück. Im Bereich Dienstleistungen nahm die Migros 5,6 Prozent weniger ein, auch weil die Mieterträge zurück gingen.

Wenig Leerstände in Einkaufszentren

Das betrifft auch die Mieten in den Einkaufszentren. Diese seien noch gut vermietet, denn die Migros nutzt ihre Zentren zu einem grossen Teil selber. Aber von Drittmietern gingen die Erträge zurück. «Gerade im Textilbereich ist die Lage schwierig», sagte Peter Diethelm.

Die Supermärkte machen rund drei Viertel des Gesamtumsatzes der Migros Ostschweiz aus, deshalb fallen hier auch kleine Rückgänge ins Gewicht. Andere Sparten wachsen derweil. Auch bei den Fachmärkten der Migros sanken die Preise um 1,9 Prozent, doch die Umsätze stiegen um 2,2 Prozent auf 266,5 Millionen Franken. Vor allem SportXX und OBI hätten sich gut entwickelt.

Immer wichtiger wird für die Migros Ostschweiz auch der Betrieb von Kantinen für Firmen und Schulen. Mit Huber+Suhner, «The Valley» in Kemptthal und dem neuen Konzept für die Universität St.Gallen kamen drei neue Standorte dazu. Diese hätten einen wesentlichen Teil zum Wachstum der Gastronomie-Sparte beigetragen, mit der die Migros Ostschweiz 2019 160,7 Millionen Franken umsetzte. Auch die Chickeria-Restaurants trugen zum Wachstum von 3,1 Prozent in der Sparte bei. Noch etwas stärker wuchs die Sparte Freizeit und Fitness. Wichtig für das Wachstum von 3,6 Prozent waren nicht zuletzt drei neue MFit-Trainigszentren.

Lichtblicke verkauft

Mit den Trainingszentren und der Chickeria-Kette verkaufte die Migros Ostschweiz zwei Lichtblicke im trüben Geschäftsjahr. Der Verkaufsentscheid sei aber richtig gewesen, sagt Peter Diethelm. «Fitnesszentren schiessen zur Zeit aus dem Boden.» Der Markt sei immer enger. Bei der Migros Zürich, die mit Activ Fitness bereits eine grosse Zahl von Zentren betreibe, seien die MFit-Standorte gut aufgehoben. Ähnliches gelte für Chickeria. «Geplant war, daraus eine nationale Kette zu machen.» Diese Wachstumsstrategie voranzutreiben, hätte aber im Unternehmen zu viele Ressourcen gebunden, so Diethelm.

Neue und erneuerte Läden

Im vergangnen Jahr eröffnete die Migros Ostschweiz neue Supermärkte in Matzingen und Kollbrunn. Die Migros-Supermärkte in Amriswil, Heiden und St. Gallen-Lachen wurden neu gebaut. Insgesamt investierte die Migros 2019 150 Millionen Franken. 2020 wurde bereits die erneuerte Migros Aadorf eröffnet. Umfassend erneuert werden auch der Schaffhauser Herblinger Markt, sowie die Märkte in Wattwil und Widnau. In Herisau, Samedan und Wittenbach werden in den Jahren 2021 und 2022 neue Verkaufsstellen eröffnet.

Die Migros will auch weiterhin in Nachhaltigkeit investieren. Die neue Migros in Heiden ist mit den Photovoltaik-Paneln in der Fassade bereits die dritte Filiale, die mehr Energie produziert, als sie verbraucht. Dieses Jahr will die Migros Ostschweiz auch einen Brennstoffzellen-Lastwagen in Betrieb nehmen. (ken)

Mit dem Verkauf der beiden Einheiten und den weiteren Sparmassnahmen dürfte die Mitarbeiterzahl der Migros Ostschweiz von heute über 10000 auf rund 9300 sinken. In Vollzeitstellen gerechnet seien es aber deutlich weniger, sagte Diethelm, da MFit wie Chickeria viele Teilzeitmitarbeitende beschäftigen.

Läden bleiben wichtig

Die Fokussierung auf das Kerngeschäft soll die Migros Ostschweiz wieder profitabler machen. Aber der Wandel im Detailhandel setzt sich fort, getrieben vom Internet. Dafür sieht sich aber Peter Diethelm gut gerüstet. Mit LeShop.ch sei Migros im Foodbereich bereits ein führender Anbieter. Und auch bei Ex Libris habe man bewiesen, wie man ein Unternehmen vom stationären Handel zum Online-Unternehmen mache. Der Einfluss des Onlinehandels dürfe aber nicht überbewertet werden. «Auch in zehn Jahren werden die meisten Sortimente noch grösstenteils stationär gekauft.»

Migros legt Fitnesstöchter zusammen

Innerhalb der Migros-Gruppe wird das Geschäft mit den Fitnessstudios neu aufgeteilt. Die 15 Ostschweizer MFIT-Fitnessstudios wechseln per Anfang 2020 zu der zur Migros Zürich gehörenden Fitnessanbieterin Activ Fitness.