Die Kosmetikkette Sephora eröffnet in der Schweiz eigene Läden – doch der Make-Up-Markt schrumpft seit Jahren

Der Kosmetikspezialist aus dem Luxuskonzern LVMH setzte bisher auf Shops in den Manor-Filialen. Nun expandiert Sephora ohne den bisherigen Partner. Die Warenhauskette hat trotzdem ein Wörtchen mitzureden.

Stefan Ehrbar
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Sephora eröffnet in der Deutschschweiz bald den ersten Laden in Eigenregie (Symbolbild).

Sephora eröffnet in der Deutschschweiz bald den ersten Laden in Eigenregie (Symbolbild).

Sephora

Für ein gutes Aussehen greifen Schweizerinnen und Schweizer tief in die Tasche. Fast 50 Prozent mehr Umsatz pro Kopf als in Deutschland wird hierzulande mit Kosmetikartikeln erwirtschaftet. Einen grösseren Anteil dieses Marktes will sich nun die Kosmetikkette Sephora sichern, die zum französischen Luxuskonzern LVMH gehört. Dazu geht sie neue Wege.

Bisher war Sephora mit 25 Shops innerhalb der Warenhäuser von Manor präsent. Dieses Modell wird als «Shop-in-Shop» bezeichnet und wird auch von anderen Marken wie etwa der Beauty-Konkurrentin Mac oder demnächst von Fnac umgesetzt. Der Kooperationsvertrag mit Manor ermöglichte es Sephora, die weltweit über 2'600 Läden betreibt, seit dem Schweizer Markteintritt im Jahr 2016 schnell Fuss zu fassen.

Sephora will weiter expandieren

Doch nun emanzipiert sich Sephora von seinem Warenhaus-Partner. Am 10. September eröffnet die Kette im Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity den ersten Laden in der Deutschschweiz, den sie selbst betreibt. Vor einigen Monaten hat Sephora den gleichen Schritt bereits im Centre Balexert in Genf getan.

Bei diesen beiden Läden soll es nicht bleiben. «Wir schauen nach weiteren Möglichkeiten, zu wachsen und dort zu expandieren, wo wir noch nicht präsent sind», sagt ein Sephora-Sprecher. Das sei keine Absage an die «sehr wertvolle» Partnerschaft mit Manor. «Wir werden auch diese in den kommenden Jahren weiter ausbauen.» Die eigenen Läden seien eine Ergänzung: «Beide Modelle helfen einander und stärken die Marke und ihre Position in der Schweiz», so der Sprecher. Mit dem neuen Shop in Zürich soll etwa die Markenbekanntheit im Gebiet im Süden der Stadt gestärkt werden.

Konditionen bleiben geheim

Die Offensive folgt, nachdem Manor im August den Abbau von fast 500 Stellen bekanntgegeben hat. Fürs Erste rechnet das Warenhaus aber nicht mit weiteren Schliessungen von Warenhäusern und damit Sephora-Boutiquen. Anfang Jahr hat Manor allerdings die Filiale in Bachenbülach ZH geschlossen. Unfreiwillig aufgeben musste Manor wegen der Kündigung des Mietverhältnis ihr Flaggschiff an der Zürcher Bahnhofstrasse. Als Ersatz betreibt Manor seither einen Sephora-Store im nahe gelegenen Hauptbahnhof.

Zum Vertrag mit Sephora macht Manor keine genauen Angaben. Es stehe der Kette frei, eigene Läden zu eröffnen, sagt ein Sprecher. Das müsse aber in Absprache mit Manor geschehen. Zu den Konditionen hält sich Manor bedeckt. Allzu harte Vorgaben scheint Sephora nicht auferlegt bekommen zu haben: Die Entfernung vom Sephora-Laden im Sihlcity zum nächsten Manor-Ableger beträgt nicht einmal drei Kilometer.

Der Kosmetikmarkt schrumpft

Die Präsenz mit eigenen Läden ist im Schweizer Kosmetikmarkt entscheidend. Wachstum ist fast nur noch durch Marktanteilsgewinne möglich. Der Umsatz der Branche schrumpft seit Jahren. Er betrug laut dem Schweizer Kosmetikverband letztes Jahr 1,9 Milliarden Franken – 2,3 Prozent weniger als noch drei Jahre zuvor. Mit der «dekorativen Kosmetik», also Make-Up-Produkten, wurden letztes Jahr 310 Millionen Franken umgesetzt. Das sind über 12 Prozent weniger als 2016.

Eigene Läden sind aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Kosmetikprodukte sind die einzigen, die auch von einer jüngeren Kundschaft überwiegend in Läden statt online gekauft werden. Eine Umfrage der Bank Piper Jaffray aus dem Frühling zeigte, dass 90 Prozent der US-Teenager Kosmetikprodukte lieber im Laden als im Internet kaufen. Ein Gegentrend ist nicht in Sicht. Um diese Zielgruppe zu erreichen, führt an der physischen Präsenz kein Weg vorbei. Sephora gehört in den USA dabei neben dem in der Schweiz nicht präsenten Anbieter Ulta zu den Lieblingsmarken der jungen Frauen.

Hierzulande sind die Detailhändler Migros und Coop mit ihren Fachformaten, die deutsche Kosmetikkette Douglas mit 10 Filialen und die italienische Kette Kiko mit 21 Filialen im Make-Up-Geschäft stark vertreten. Zum Sortiment gehören solche aber auch bei der Parfumerie-Kette Marionnaud, der Drogeriekette Müller oder bei Globus.

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