Die IT-Branche braucht auch Frauen

St.Gallen soll einen IT-Campus bekommen. Der Ansatz verspricht, besonders Mädchen für Computer und Technik zu begeistern.

Kaspar Enz
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Auch Mädchen sollen sich für Technische Berufe interessieren.

Auch Mädchen sollen sich für Technische Berufe interessieren.

Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 13. August 2018)

Im «Creative Lab» des Smartfelds zeichnet eine Primarschulklasse. Nicht mit den Fingern, sondern mit einem Holzklotz mit Rädern. Zwei daran befestigte Filzstifte malen Linien auf ein Papier malen. Mit bunten Pfeilen, die sie im «Cubetto», einem hölzernen Minicomputer einsetzen, steuern die Schüler das Gefährt: Mit einigen Handgriffen haben die Primarschüler einen einfachen Roboter gebaut – und Spass dabei.

Mit solchen Experimenten lernen im Smartfeld Schüler bis zur neunten Klasse Grundwissen über Computer und Roboter, können es kreativ einsetzen. Das soll das Interesse an Technik wecken, und später an technischen Berufen. Dafür verlassen die Schüler das Klassenzimmer. Die Kurse finden im Innovationszentrum Startfeld in St.Gallen statt. Im Creative Lab, oder im Aufenthaltsraum zwischen Billardtisch, Kaffeemaschine und den Gründern, die hier ein und aus gehen. «Hier im Start-up Ökosystem entsteht eine andere Atmosphäre», sagt Geschäftsführerin Cornelia Gut. Denn rundherum wird mit neuen Technologien gearbeitet. «Es ist wie Biologie lernen im Wald.»

Den Campus nach St.Gallen holen

Rund 1000 Schülerinnen und Schüler nahmen letztes Jahr an einem Workshop teil. Tendenz steigend. Kein Wunder, will Gut das Programm ausbauen. Zusammen mit dem Branchenverband IT Rockt will das Smartfeld hier einen ICT-Campus aufbauen. Alle zwei Wochen würden hier Technik-Talente im Sek-Alter an eigenen Projekten tüfteln. Die meisten Kurse hier hat das Smartfeld zusammen mit St.Galler Hochschulen entwickelt. Der ICT-Campus hingegen ist eine Initiative der ICT-Scouts, die ihn auch durchführen. Der Verein startete 2016 in der Region Basel und gründeten den ersten ICT-Campus in Muttenz. Nach den Campuses in Bern und Zürich sollen nun weitere folgen.

Partnerschaft mit Hochschulen

Smartfeld ist eine interdisziplinäre Initiative des Innovationsnetzwerks Startfeld, der Empa, der GBS St. Gallen, der Fachhochschule St.Gallen, der NTB Buchs, der Pädagogischen Hochschule St.Gallen und der Universität St.Gallen mit dem Ziel, Kreativität und Zukunftskompetenzen zu fördern sowie Kinder und Jugendliche für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters fit zu machen. (red)

Auch in St.Gallen. «Ziel ist, im vierten Quartal in St.Gallen zu starten», sagt Dominik Strobel, Leiter Marketing und Kommunikation der ICT-Scouts. Mit dem Smartfeld und IT Rockt haben man lokale Partner und einen Ort, der Kontakt zu den Schulen laufe an. Bald nach den Sommerferien sollen die Scouts erste Ostschweizer Schulen nach Talenten ausspähen, hofft Strobel. So könnte der St.Galler Campus mit mindestens zehn Talenten loslegen.

Das systematische Scouting an den Schulen sei ein Kern dieses Ansatzes, sagt Strobel. Die Scouts, jeweils ein Pädagoge und ein Informatiker, gehen zu Zweit in die Schulklassen. Dort leiten sie einen Workshop, bei dem die Siebtklässler ein Spiel programmieren sollen. Ob das einer auf Anhieb schafft, sei Nebensache, sagt Strobel. «Die Scouts interessiert, wer Motivation und Forschergeist zeigt, wer kreative Lösungswege sucht.» Dinge, die im Zeugnis oft zu kurz kommen. «Das ist ein Grund, weshalb wir auf allen Schulstufen scouten», sagt Strobel. «Denn wir finden überall Talente, auch an den Realschulen.»

Mehr Frauen an die Computer

Talent sei auch zwischen den Geschlechtern gleichmässig verteilt, ist Strobel überzeugt. «Die Hälfte unserer Talente sind Mädchen.» Das zeichne den ICT-Campus aus. «Programme, die gerade Mädchen für Technik begeistern wollen gibt es viele», sagt er. «Trotzdem stieg der Anteil der Frauen in Informatikberufen in den letzten zehn Jahren erst von sieben auf acht Prozent.» Das habe verschiedene Gründe. «Oft denken Mädchen, das sei sowieso nichts für sie, und melden sich gar nicht an.» Oder das Programm dauert einen Tag, und die Mädchen machen doch eine andere Lehre. Wer beim ICT-Campus aber aufgenommen wird, kommt alle zwei Wochen zurück, und arbeitet an eigenen Projekten. «So erfahren sie über längere Zeit, dass es Spass macht.»

Dabei geht es den ICT-Scouts nicht primär um Gleichberechtigung. «Der Branche fehlen in den nächsten Jahren Tausende von Fachkräften», sagt Strobel. «Da kann man nicht die Hälfte des Talentpools ungenutzt lassen.» Den Unternehmen, die geeigneten Nachwuchs suchen, biete der Campus aber noch mehr: «In der Zeit bei uns können die Talente mit ihren eigenen Projekten zeigen was sie können. Das kürzt das Bewerbungsverfahren ab und spart Zeit und Geld.»

Finanzierung noch nicht ganz geklärt

Auch deshalb gehört in St.Gallen auch IT Rockt, der verband der St.Galler Informatik-Branche zu den lokalen Partnern. Für Cornelia Gut ist deshalb klar: «Der Wille ist da.» Noch müssten aber Finanzierung und weitere Details geregelt werden, deshalb gebe es noch kein festes Datum.