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Die Heuschrecken sind ausgeflogen: Firma Entomos wurde verkauft – Produktion aus Grossdietwil abgezogen

Die Entomos hatte Grosses vor im Luzerner Hinterland: Insekten produzieren, die den Speiseplan von Herr und Frau Schweizer umkrempeln. Dieser Plan ist geplatzt. Die Firma wurde verkauft und die Produktion aus Grossdietwil abgezogen.
Raphael Zemp
Die Entomos AG wollte sich auf die Zucht von Insekten wie Hausgrillen spezialisieren. (Bild: Pius Amrein (Grossdietwil, 3. August 2016)

Die Entomos AG wollte sich auf die Zucht von Insekten wie Hausgrillen spezialisieren. (Bild: Pius Amrein (Grossdietwil, 3. August 2016)

Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen: Die Entomos in Grossdietwil wollte nichts weniger als die Mahlzeit der Zukunft züchten. Entsprechend ambitiös waren ihre Pläne. Nicht weniger als 80 Tonnen Insekten wollten die Verantwortlichen in der Produktionsstätte im Luzerner Hinterland herstellen. Nun, gut anderthalb Jahre später, ist die Ernüchterung ebenso gross wie die anfängliche (mediale) Begeisterung war für Mehlwurmburger, Heuschreckenkroketten und Co.

Die Entomos blieb aber stets hinter den eigenen Erwartungen zurück. Zu gering der Absatz an essbaren Insekten, zu hoch der Produktionspreis – gerade im internationalen Vergleich. Was man bereits im letzten Herbst versuchte, hat nun geklappt: Die Andermatt-Gruppe hat Entomos auf Ende 2018 verkauft. Die Insekten-Zuchtstätte in Grossdietwil ist bereits Geschichte.

«Verkauf war ideale Lösung»

Das bestätigt Martin Andermatt, Gründer und Firmenchef der Andermatt-Gruppe auf Anfrage. Mitarbeiter wie auch Räumlichkeiten seien von stark expandierenden Firmen der Andermatt-Gruppe übernommen worden. Mit dem Verkauf haben man deshalb eine «ideale Lösung» gefunden. Bedauern äussert Andermatt hingegen über Entscheide des ehemaligen Geschäftsführers Urs Fanger. Er hat nicht nur die Entomos, sondern die Andermatt-Gruppe verlassen – und wird künftig die Agrovision-Handelsplattform RegioFair leiten (siehe Link unten).

Doch wer steckt hinter dem Kauf der Entomos? Wer glaubt nach wie vor ans Geschäft mit den essbaren Krabbeltieren? Entomos gekauft hat der 48-jährige Jean Yves Cuendet. «Eigentlich habe ich mich als Kunde für die Produkte von Entomos interessiert. Als ich erfuhr, dass es das Unternehmen zu kaufen gibt, schlug ich zu.» Der Romand Cuendet ist bereits Gründer und Besitzer der Firma Fabilis, die sich mit Nahrungsmitteln der Zukunft beschäftigt. Zu diesen gehörten laut Cuendet zweifelsohne auch Insekten – weshalb die Entomos gut ins Portfolio passe. An ein Weiterführen des Betriebs in den bestehenden Dimensionen war nicht zu denken, sagt Cuendet. Die Produktionskapazität in Grossdietwil sei zu gross, der Markt noch zu klein.

Neu produziert die Entomos in Freienbach (SZ), zusammen mit der Firma Insekterei – und doch deutlich weniger als bis anhin in Grossdietwil. Genaue Zahlen will Cuendet aber keine kommunizieren.

Der Unternehmer aus dem Vallée de Joux ist zudem überzeugt, dass es nicht reiche, bloss Insekten zu züchten. «Es braucht fixfertige Lebensmittel, die den Konsumenten einen offenkundigen Zusatznutzen bringen.» Genau solche entwickle man nun unter Hochdruck. Dabei ist sich Cuendet bewusst, dass dies kein Selbstläufer werden wird. Bis ein Produkt vorliege, für das es tatsächlich auch ein Kundenbedürfnis gibt, werde es dauern. In der Zwischenzeit verkauft er angestammte Produkte sowie allfällige Eigenkreationen übers Internet. «Das hält die Kosten tief – und wir können gleichzeitig unsere Produkte testen.»

Schweizer Produktion im Sinn der Umwelt

Vom grundsätzlichen Potenzial der «Superfood-Insekten» ist Cuendet allerdings nach wie vor überzeugt. Denn mittels Insektenzucht lassen sich umweltschonend hochwertige Proteine produzieren. Mehlwürmer und Co. enthielten zudem wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Ebenso überzeugt ist er vom Produktionsstandort Schweiz. Zum einen, weil hier die Herstellung strenger und gut überwachten Bestimmungen unterstellt sei – was nicht nur eine hohe Qualität garantiere, sondern auch die Kunden schätzten. Aber auch weil der Import von Essinsekten ihre ansonsten gute Umweltbilanz entscheidend schmälere. Dazu meint Cuendet: «Insekten aus Belgien oder Holland mögen zwar gut fürs Portemonnaie sein, aber nicht für die Umwelt. Da muss man konsequent sein.»

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