Die Hälfte der Ausgesteuerten hat nach einem Jahr wieder einen Job – allerdings einen schlechter bezahlten

Etwas mehr als die Hälfte der von der Arbeitslosenversicherung ausgesteuerten Menschen ist nach einem Jahr wieder eine Arbeit. Laut Bundesamt für Statistik verdienen sie aber weniger – und ihre Gesundheit ist schlechter.

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Eine arbeitslose Person sucht an einem Computermonitor nach Stellen. [Symbolbild, Gestellte Aufnahme] (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Eine arbeitslose Person sucht an einem Computermonitor nach Stellen. [Symbolbild, Gestellte Aufnahme] (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

(sda/nav)

Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung die Situation der ausgesteuerten Menschen analysiert. Dafür wurde eine  Fünfjahresperiode angeschaut, von 2014 bis 2018. Jährlich wurden im Durchschnitt 37'700 Menschen von der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert.

55 Prozent von ihnen seien im ersten Jahr nach der Aussteuerung wieder erwerbstätig gewesen. Nach fünf Jahren habe sich dieser Anteil auf 63 Prozent erhöht. 15 Prozent hätten eine Stelle gesucht und 22 Prozent der Ausgesteuerten hätten sich aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen.

Ältere Arbeitnehmer öfter betroffen

Überrepräsentiert waren laut BFS bei den Ausgesteuerten die Menschen im Alter zwischen 45 und 64 Jahren. Ihr Anteil an den Ausgesteuerten betrug 48 Prozent, während sie 41 Prozent der Arbeitslosen und 42 Prozent der Erwerbsbevölkerung ausmachten. Auch Menschen ohne Berufsausbildung und ausländischer Herkunft seien wesentlich stärker von einer Aussteuerung betroffen gewesen als der Durchschnitt.

Ausgesteuerte Menschen, die im Arbeitsmarkt wieder Tritt gefasst haben, sind laut BFS öfter als die übrigen Arbeitnehmenden in atypischen Arbeitsverhältnissen tätig. Neun Prozent der Ausgesteuerten würden Arbeit auf Abruf verrichten, vier Prozent von einem Stellenvermittlungsbüro vermittelt und bezahlt. Bei den Arbeitnehmenden betrugen diese Anteile fünf respektive ein Prozent.

Mehr Teilzeitstellen für Ausgesteuerte

Während von den Arbeitnehmenden insgesamt 91 Prozent einen unbefristeten Arbeitsvertrag gehabt hätten, seien es bei den zuvor Ausgesteuerten nur 86 Prozent gewesen. 27 Prozent der ausgesteuerten Männer hätten Teilzeit gearbeitet, während dieser Anteil bei den männlichen Erwerbstätigen insgesamt lediglich 15 Prozent ausmachte. Auch bei den Frauen zeigte sich laut BFS dieser Unterschied deutlich.

Gut die Hälfte der Erwerbstätigen, die nach einer Aussteuerung Teilzeit arbeiteten, gelten gemäss BFS als Unterbeschäftigte: Sie möchten ein höheres Arbeitspensum und seien innerhalb von drei Monaten dafür verfügbar. Bei den Teilzeiterwerbstätigen ohne Aussteuerung liege dieser Anteil lediglich bei einem Fünftel.

... aber weniger Lohn

Schliesslich erhalten Menschen, die ausgesteuert waren, auch niedrigere Löhne, wie aus der BFS-Untersuchung weiter hervorgeht. Während der Median-Stundenlohn brutto für Arbeitnehmende 36,10 Franken betragen habe, liege er bei den Ausgesteuerten, die wieder erwerbstätig seien, bei 28 Franken.

Bei Führungskräften sei das Lohngefälle zwischen den Arbeitnehmenden insgesamt mit 54,90 Franken gegenüber 41,20 Franken bei Arbeitnehmenden nach einer Aussteuerung besonders stark ausgeprägt. Geringer seien demgegenüber die Lohnunterschiede bei Hilfsarbeitskräften.

... und ihre Gesundheit ist schlechter 

Die ausgesteuerten Menschen wiesen gemäss BFS unabhängig vom Alter auch einen schlechteren Gesundheitszustand auf als die Erwerbsbevölkerung. Rund einer von zehn ausgesteuerten Menschen zwischen 45 und 64 Jahren stufe die eigene Gesundheit als schlecht bis sehr schlecht ein, vergleichen mit zwei Prozent der Erwerbsbevölkerung.