Die Gelegenheit zählt

Welche Rolle spielt die Gier bei Wirtschaftsdelikten?

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Alexander Schuchter Institut für Accounting, Controlling und Auditing HSG

Alexander Schuchter Institut für Accounting, Controlling und Auditing HSG

Welche Rolle spielt die Gier bei Wirtschaftsdelikten?

Die betroffenen Unternehmen erklären sich die Taten oft mit Gier. Ich bin bei meiner Dissertation zum Schluss gelangt, dass Gier eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die einzige zwingende Voraussetzung für ein Wirtschaftsdelikt ist die Gelegenheit. Kommt Druck dazu, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Delikt begeht.

Kann der Druck auch vom Unternehmen selbst kommen?

Ja. Mobbing, eine schlechte Unternehmenskultur, zu hohe Ansprüche oder Zielvorgaben können zu grossem psychischem Druck führen. Und dieser kann kriminelle Handlungen auslösen.

Sind sich die Unternehmen dessen bewusst?

Irrtümlich denken Firmen häufig, dass sie das Problem los sind, wenn sie dem «schwarzen Schaf» kündigen. Viele Probleme im Unternehmen löst man damit nicht.

Sie haben Täter befragt. Was ist Ihnen aufgefallen?

Überdurchschnittlich viele haben eine akademische Karriere gemacht. Sie sind narzisstisch veranlagt, brauchen Bewunderung. Prestige ist ihnen wichtig. Ausserdem sind sie ausgeprägt gewissenhaft.

Die Gewissenhaftigkeit passt aber gar nicht ins Bild…

Bei der Befragung gaben sie an, dass sie sich ihrer Taten nicht immer bewusst waren. Das zu sagen, kann natürlich eine Art der Rechtfertigung sein. Aber gerade im Finanzsektor sind die Mechanismen oft so komplex, dass man schnell einmal einen Graubereich betritt. (du)

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