Die Frauenfelder Glatz AG ist in der digitalen Welt angekommen – Sonnenschirme werden im Windkanal getestet

Die Glatz AG aus Frauenfeld baut Schirme, die orkanartigen Stürmen trotzen. Das Unternehmen ist im Finale des Prix SVC Ostschweiz.

Stefan Borkert
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Bei der Firma Glatz in Frauenfeld werden seit 125 Jahren Sonnenschirme entwickelt und produziert.

Bei der Firma Glatz in Frauenfeld werden seit 125 Jahren Sonnenschirme entwickelt und produziert.

Bild: Andrea Stalder

Man nennt ihn den «Herrn der Schirme» und er kann so manchem in der Sonne stehen. Wer bei der Glatz AG in Frauenfeld arbeitet, der muss sich an solche Wortspiele gewöhnen. Tatsächlich hat das Unternehmen schon so manchen Mitbewerber in den Schatten gestellt. Noch immer wird in Frauenfeld produziert. 125000 Sonnenschirme sind es pro Jahr, wovon 80 Prozent in den Export gehen. Markus Glatz hat jahrelang die Geschicke der 125 Jahre alten Firma geführt. Seit Anfang Jahr hat er die operative Führung abgegeben.

Etwas mehr als 50 Millionen Franken Umsatz haben die rund 80 Mitarbeiter letztes Jahr erwirtschaftet. Zehn weltweite Patente zeigen, dass Innovation und Entwicklung im Unternehmen grossgeschrieben werden. Inzwischen steckt in so manchem Modell sogar digitale und smarte Technik, verrät Produktmanager Michael Burgauer.

Die Weitergabe des Feuers

Regelmässig erreichen die Sonnenschirme von Glatz bei Tests Spitzenplätze. Und das ist kein Zufall. «Funktionalität und Qualität müssen Hand in Hand gehen», so Burgauer. Das haben nicht nur zahlreiche Hotellerie- und Gastronomiebetriebe, Privatpersonen und Eventfirmen im In- und Ausland bereits schätzen gelernt. Auch Prominente wie die englische Queen, Tina Turner oder Arnold Schwarzenegger schwören auf die Schattenspender aus Frauenfeld. Die Liste liesse sich beliebig fortführen. Die Robustheit der Schirme hat ihren Grund. Seit einigen Jahren werden Sonnenschirme von Glatz sogar im Windkanal getestet. Manche Schirme halten sogar Windstärke 11, also orkanartigen Stürmen, stand.Für das Geheimnis des Erfolgs zitiert Firmenchef Markus Glatz Gustav Mahler:

Markus Glatz, Verwaltungsratspräsident

Markus Glatz, Verwaltungsratspräsident

Andrea Stalder
«Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.»

Dieses Feuer entzündete 1895 der gelernte Schirmmacher Albert Glatz in Frauenfeld. So richtig zu lodern begann es, als seine Frau Luise nach der Hochzeit engagiert Schirme näht. Innovation, Mut, Pioniergeist und starke Frauen prägen fortan die Geschichte des Thurgauer Familienunternehmens. Nicht nur seine Urgrossmutter war aktiv im Unternehmen, sondern auch die jeweiligen Ehefrauen der Firmenchefs. Sie kümmerten sich um die Finanzen. Was vor allem zur Zeit seines Vaters und Grossvaters keine Selbstverständlichkeit war. Die Männer seien eher Tüftler und Handwerker gewesen, meint der Firmenchef der vierten Generation.

Die Finalteilnahme beim Prix SVC Ostschweiz sei für ihn «im Jahr unseres 125-jährigen Jubiläums eine besonders willkommene und schöne Anerkennung für die Leistung unserer Mitarbeiter heute und die Errungenschaften der Generationen vor uns».

Glatz ist keiner, der ins Jammern verfällt. Er schaut lieber vorwärts. Glatz habe schon so manche Krise erfolgreich gemeistert, sagt er. Man bewältige die Krise in der Praxis unter anderem durch einen Sprung vorwärts in Sachen Digitalisierung wie Homeoffice, Videokonferenzen mit Mitarbeitern, Lieferanten und Vertriebspartnern. «Damit und unterstützt durch zwei neu lancierte Produkte gelang es uns inzwischen, nach einem tiefen Einbruch zwischen Mitte März und Mai, das Minus bei den professionellen Kunden wie Hotellerie und Gastronomie durch die Mehrverkäufe beim privaten Endverbraucher ziemlich genau zu kompensieren.»

Smarte Schattenspender

Sonnenschirme sind nicht nur Schattenspender, sondern auch Hightechprodukte. «Wir haben sogar einen Schirm, der Smart heisst, unser Alu Smart», sagt Glatz und fährt fort: «Spass beiseite. Auch bei unseren Produkten macht die Digitalisierung nicht halt.» Aber es brauche eine gewisse Reife der neuen Technologien, bis es sich lohne, sie in die langlebigen Produkte einzubauen. Zum Beispiel erlaube ein jüngst angeschaffter Digitaldrucker, die Entwicklungszeit für neue Produkte substanziell zu verkürzen.

Aktuelle Trends gingen immer mehr in Richtung Outdoor-Dining, und das gelte sowohl in der Gastronomie wie auch für Privatpersonen zu Hause. Damit brauche es natürlich auch immer grössere Schirme. «Die Modeströmungen seitens der Architektur haben heute einen wesentlich grösseren Einfluss.» So seien gerade immer grössere aber trotzdem noch komfortabel bedienbare Sonnenschirme etwa mit Beleuchtung und Motor «in».

Prix SVC Ostschweiz

Der Unternehmerpreis Prix SVC Ostschweiz wird dieses Jahr bereits zum neunten Mal vergeben. Sechs Firmen aus der Region sind nominiert: Davaz Holding aus Fläsch, Evatec aus Trübbach, Glatz aus Frauenfeld, Heule Werkzeug aus Balgach, Integra Biosciences aus Zizers und Zünd Systemtechnik aus Altstätten. Wir stellen die Firmen in loser Folge vor. Die Preisverleihung findet mit Coronaschutzkonzept am Mittwoch, 19. August, um 18 Uhr in den Olma Hallen St. Gallen statt.

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