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«Die Faszination der Menschen»

Dieses Wochenende feiert der Hilti-Konzern sein 75-Jahr-Jubiläum. Im Interview spricht Verwaltungsrat Michael Hilti über turbulente Zeiten, das Erfolgsrezept der Firma und darüber, was ihm einfällt, wenn er einen roten Koffer sieht.
Stephan Agnolazza
«Wir werden auch von aussen nicht immer als Liechtensteiner Firma erkannt»: Hilti-Verwaltungsrat Michael Hilti. (Bild: Daniel Ospelt)

«Wir werden auch von aussen nicht immer als Liechtensteiner Firma erkannt»: Hilti-Verwaltungsrat Michael Hilti. (Bild: Daniel Ospelt)

Herr Hilti, dieses Wochenende finden die 75-Jahr-Feierlichkeiten der Hilti statt. Wenn Sie sich zurückerinnern: Wie kamen Sie das erste Mal mit dem Unternehmen in Berührung?

Michael Hilti: Wir spielten bereits als Kinder mit gewissen Hilti-Produkten. Mein Vater nahm uns auch immer wieder auf Rundgänge durch die Produktion mit. An so mancher Weihnachtsfeier in der Fabrik waren wir ausserdem auch jedes Jahr mit dabei.

Welches Erlebnis hat Sie am stärksten geprägt?

Hilti: Die Faszination der Menschen, die ich kennenlernen durfte. Ihre Identifikation mit dem Unternehmen, dieser Stolz, der bereits damals spürbar war. Ausserdem das unermüdliche Engagement der Menschen. Hilti schafft es bis heute immer wieder, egal wo man hinsieht, in Herausforderungen Chancen zu erkennen und sie zu nutzen.

Sie haben im Rahmen des Jubiläums gesagt, das Unternehmen sei fitter und jünger denn je. Was hat sich am meisten verändert, wenn wir an Ihre persönlichen Anfänge vor gut 40 Jahren zurückdenken?

Hilti: Es ist kein Vergleich zu heute. Damals machte das Unternehmen auch schon 480 Millionen Franken Umsatz (2015 waren es 4,4 Milliarden, Red.), aber wir hatten Überproduktion und hohe Lagerbestände. Das war 1974 während der ersten Ölkrise. Hinzu kamen Unstimmigkeiten im Vorstand: Nach dem Herzinfarkt meines Vaters zwei Jahre zuvor war 1973 eine Konzernleitung eingerichtet worden, die nicht harmonierte. Positionskämpfe prägten den Alltag. Das war eine Erfahrung, die ich hinterher aber nicht missen möchte. Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie man es nicht macht. Und nicht nur ich, sondern auch der Konzern hat daraus gelernt.

Was heisst das konkret?

Hilti: Wir haben eine klare Nachfolgeregelung, wir haben eine integrative und auf Teamarbeit ausgelegte Unternehmenskultur, die mitarbeiter- und leistungsorientiert ist. Wir sind ein Team mit gemeinsamen Zielen und Werten. Der Fokus liegt ganz klar auf dem gemeinsamen Erreichen der Unternehmensziele, es ziehen alle an einem Strang.

Gehört das auch zum Erfolgsrezept Hiltis?

Hilti: Ein Teil des Erfolgsrezeptes ist die zuvor erwähnte Faszination. Dieser Spirit, diese kreative Unruhe. Diese Grundlage wurde bereits von meinem Vater gelegt. Man wollte immer besser werden. 1982 waren wir in einer Wirtschaftskrise, die offenlegte, dass es in vielen Bereichen Mitarbeitende gab, die nicht wandelfähig oder -willig waren. Wir haben uns in der Folge als Unternehmen neu definiert und eine gemeinsame Kultur etabliert, die uns entscheidend weiterbrachte.

Ist das auch ein Grund für den guten Ruf Hiltis als Arbeitgeber?

Hilti: Bereits mein Vater hat damals, gerade im Sozialen, viele Dinge getan, die nicht vom Gesetz her vorgeschrieben waren. Wir waren und sind immer am Menschen orientiert. Es geht um den Respekt vor dem Menschen, ungeachtet seiner Tätigkeit. Zudem versuchen wir immer, den Mitarbeitenden in die Prozesse einzubinden. Wenn wir Massnahmen durchführen mussten, so haben wir immer versucht, sie so sozialverträglich wie möglich zu machen und die Mitarbeitenden zu schützen. Das schweisst dann natürlich zusammen.

Sie haben heute 23 000 Mitarbeitende auf der ganzen Welt, nur ein Bruchteil davon ist in Schaan. Ist Hilti überhaupt noch eine Liechtensteiner Firma?

Hilti: Hier haben wir unsere Wurzeln, aber natürlich ist Hilti ein Unternehmen, das mit einer Präsenz in über 120 Ländern sehr global aufgestellt ist. Wir werden auch von aussen nicht immer als Liechtensteiner Firma erkannt. Das ist auch nicht weiter tragisch. Wichtig ist uns, dass die Marke Hilti als innovativ und zuverlässig wahrgenommen wird.

Hilti will fit für die Zukunft sein. Was aber wird die Hilti in Zukunft erwarten? Die Digitalisierung hält ja auch in der Baubranche Einzug.

Hilti: Es zeichnen sich ganz klar Veränderungen ab, wenn auch nicht von heute auf morgen. Wir arbeiten aber natürlich schon heute daran, was morgen gefragt ist. Mit unseren Softwarelösungen zum Beispiel können wir ganz neue Märkte erschliessen. Dank unserer Nähe zum Kunden, die wir über unseren Direktvertrieb geniessen, kennen wir die Entwicklungen und Anforderungen in der Zukunft auch ziemlich genau. Wir investieren schon heute viel in ein kompetentes und innovatives Team, in Forschung und Entwicklung, neue Technologien und Software, um den Anforderungen der Zukunft zu begegnen.

Wenn Sie in den Ferien sind und auf einer Baustelle einen roten Koffer entdecken, was geht Ihnen da durch den Kopf?

Hilti: Ich frage mich, weshalb da nicht mehr rote Koffer auf der Baustelle stehen… Natürlich ist das ein tolles Gefühl. Ich habe es über die letzten 40 Jahre immer wieder erlebt, auch an Orten, wo man es nicht vermutet. Das zeigt, dass wir akzeptiert und anerkannt werden, und das wiederum erfüllt mich mit Stolz.

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