Die EZB hilft der Schweizer Konjunktur

Börsenspiegel

Alessandro Bee, Ökonom, UBS Chief Investment Office Wealth Management
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Letzten Donnerstag ist der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zu seiner Juli-Sitzung zusammengekommen. EZB-Präsident Mario Draghi konnte an der anschliessenden Pressekonferenz zwar keine Veränderung der Geldpolitik verkünden, betonte aber erneut, dass sich die Wirtschaft der Eurozone auf dem Weg der Besserung befindet.

Das Wachstum in der Eurozone im ersten Quartal 2017 betrug 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die Eurozone profitiert davon, dass die Arbeitslosigkeit merklich abnimmt und sich damit das Konsumklima deutlich aufhellt. So sank die Arbeitslosigkeit von 10,2 Prozent im Mai 2016 auf 9,3 Prozent im Mai 2017. Zudem verringerte sich nach der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten das politische Risiko stark.

Was sich in den nächsten Quartalen ändert

Fürchteten die Investoren im Frühling noch, dass eine Wahl von Marine Le Pen langfristig den Zerfall der Eurozone mit sich bringen könnte, gab die Wahl von Macron der Hoffnung auf nachhaltige Wirtschaftsreformen Auftrieb. Vor dem Hintergrund einer robusten Konjunktur dürfte sich die EZB in den kommenden Quartalen von ihrer extrem expansiven Geldpolitik lösen. Wir erwarten, dass Mario Draghi im September oder Oktober auf das Ende der Anleihenkäufe im Jahr 2018 hinweisen und die EZB im nächsten Jahr dann ihr Programm auch beenden wird. Ein erster Zinsschritt ist allerdings nicht vor dem Jahr 2019 zu er­warten.

Die Schweizer Wirtschaft dürfte in der zweiten Jahreshälfte doppelt von der Wachstumsbeschleunigung in der Währungsunion profitieren. Die Eurozone ist die wichtigste Handelspartnerin der Schweiz, und ein stärkeres Wirtschaftswachstum steigert über höhere Schweizer Exporte auch das Wachstum hierzulande.

Zudem dürfte die Aussicht auf eine Normalisierung der Geldpolitik in der Eurozone in den kommenden Monaten zu einem schwächeren Franken führen. Dieser macht Schweizer Exporte attraktiver für Abnehmer in der Eurozone und unterstützt damit ebenfalls das Schweizer Wirtschaftswachstum.

Damit stehen die Chancen gut, dass die Schweizer Wirtschaft noch in diesem Jahr den Wachstumsschock nach der Aufhebung der Franken-Untergrenze endgültig hinter sich lässt. Ein erstes hoffnungsvolles Zeichen kommt aus der Industrie. Diese hat – mit Ausnahme der Uhrenindustrie – im ersten Quartal des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahresquartal kaum mehr Personal abgebaut.

Alessandro Bee, Ökonom, UBS Chief Investment Office Wealth Management