Die expansive Geldpolitik verleiht Flügel

In den letzten Jahren reichte die Weltkarte, um erfolgreich zu investieren. Auf der Karte musste lediglich markiert werden, in welchen Ländern eine expansive Geldpolitik betrieben wird, denn die Aktienmärkte in diesen Ländern stiegen wie von selbst – so auch in Japan.

Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie St. Galler Kantonalbank
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In den letzten Jahren reichte die Weltkarte, um erfolgreich zu investieren. Auf der Karte musste lediglich markiert werden, in welchen Ländern eine expansive Geldpolitik betrieben wird, denn die Aktienmärkte in diesen Ländern stiegen wie von selbst – so auch in Japan. Als 2013 die Regierung im Zuge ihres Konjunkturprogramms (Abenomics) die sperrangelweit offenen Geldschleusen noch weiter öffnete, hatte dies zwei positive Effekte für Japan.

Schub für Export

Der erste zeigte sich bei der Währung. Der Yen wertete gegenüber allen wichtigen Währungen stark ab, was der exportabhängigen Wirtschaft einen willkommenen Schub verlieh. Und weil am japanischen Aktienmarkt viele exportorientierte Firmen kotiert sind, hat die Abwertung der Währung, zweitens, dessen Entwicklung zügig vorangetrieben. Die Geschichte wiederholt sich derzeit auch in Europa. Seit Anfang Jahr hat der deutsche Leitindex Dax stark zugelegt. Seit Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), ein umsetzbares und riesiges Stimulierungsprogramm, das EZB-Anleihenkaufprogramm, angekündigt hat, sind dem Dax Flügel gewachsen.

Drei Treiber für den Dax

Erstens ist im Zug der expansiven Geldpolitik der Euro stark gesunken, vor allem gegenüber dem US-Dollar. Ein grosser Teil der europäischen Exporte geht in den Dollar-Raum, weshalb die expansive Geldpolitik über die Währungsabwertung die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft verbessert hat. Zweitens haben sich die Konjunkturaussichten aufgehellt. Nicht zuletzt, weil die EZB mit ihrer Geldpolitik die Stimmung der Wirtschaftsakteure aufgebessert hat. Und drittens hat die gestiegene Liquidität den Aktienmarkt beflügelt. Denn die EZB bringt über das Anleihenkaufprogramm mehr Geld ins System, und dieses will investiert werden. Auch dieser Effekt treibt die Aktienmärkte immer wieder zu neuen Höchstständen. In den USA steht eine erste Zinserhöhung an. Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed im September eine erste Erhöhung vornehmen wird. Wird das die Aktienmärkte abwärts schicken? Sicherlich werden die Kursausschläge zunehmen.

Anleger in USA verunsichert

Denn das Ende der stark expansiven Geldpolitik in den USA verunsichert die Anleger. Deshalb wird es an den Aktienmärkten kurzfristig sicher turbulent zugehen, und einige vorübergehende Kursrutsche sind nicht ausgeschlossen. Auf der anderen Seite wird die Fed die Zinsen aus gutem Grund erhöhen. Der Konjunkturmotor läuft auf Hochtouren, und eine gute Konjunkturentwicklung verspricht steigende Unternehmensgewinne, was wiederum steigende Aktienmärkte bedeuten könnte. Unter dem Strich wird die Entwicklung am US-Markt positiv bleiben. Aber weil die Geldpolitik restriktiver wird, könnte der US-Aktienmarkt ins Hintertreffen geraten.

Ist es nun an der Zeit, Aktien zu verkaufen? Wir denken nicht. Zwar ist das Potenzial für weitere Kursgewinne auf dem aktuellen Niveau beschränkt. Aber ein Blick auf die anderen Finanzmärkte offenbart die schwierige Ausgangslage: Obligationen sind sehr teuer. Besonders für Schweizer Anleger ist Sicherheit über die Obligationenallokation zu einem teuren Luxus geworden.

Alternative vor Verkauf suchen

Das grosse Bild spricht wegen andauernd tiefer Zinsen weiterhin für die Anlageklasse Aktien. Obligationen können selektiv verkauft werden, um die Kursanstiege zu sichern. Allerdings sollte vor dem Verkauf eine Alternative bestimmt sein, denn auch Liquidität hat in diesem Umfeld ihren Preis.

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