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Die Chips aus dem Berg

Beat De Coi produziert High-Tech-Chips. Weil bei deren Herstellung schon kleinste Erschütterungen die Produktion beeinflussen, hat er eine Kaverne in den Gonzen gehauen. Dort stellt er weltweit einzigartige Halbleiter her.
Mélanie Knüsel-Rietmann
Fabrik im Berg: Geschäftsführer Beat De Coi zeigt einen Wafer (Halbleiterplatte). Im Hintergrund der Gipfel des Gonzen. (Bild: pd)

Fabrik im Berg: Geschäftsführer Beat De Coi zeigt einen Wafer (Halbleiterplatte). Im Hintergrund der Gipfel des Gonzen. (Bild: pd)

SARGANS. Wer kommt schon auf die verrückte Idee, im Inneren des Hausbergs der Sarganser eine Fabrik zur Herstellung von Halbleitern zu bauen? Eigentlich niemand ausser Beat De Coi. «Bist Du jetzt total übergeschnappt?», bekam er zu hören. Solche Bemerkungen perlten an ihm ab wie Wasser am Gefieder von Enten. Dass es keine Einsprachen für das Projekt im Gonzen gab, liegt wohl auch am bescheidenen Auftreten des Unternehmers und seiner Redlichkeit, wie in der Dorfbeiz «Krone» bestätigt wird. Darauf angesprochen, was die Einwohner von diesem Projekt halten, sagt ein älterer Mann, «De Coi hat einfach sauber informiert. Wir hatten nie das Gefühl, er wolle jemanden über's Ohr hauen.»

In der Nische gross werden

Nun ist die erste komplette Wafer-Produktionsstrasse im vorderen Teil des Berges eingerichtet. Zuerst musste eine etwa 100 Meter lange und 18 Meter hohe Kaverne in die mit Buschwerk und Bäumen bewachsene Bergwand getrieben werden. «Die Bedingungen für die Herstellung von Chips sind hier geradezu ideal», sagt Beat De Coi. Will man von ihm wissen, ob er bei diesem unkonventionellen Projekt keine Bedenken hat, dass er just auf Halbleiter setzt, muss er sich nicht lange besinnen. Immerhin gehört diese Branche zu den Zyklikern. Wie auf alle Fragen antwortet De Coi sachlich und cool. «Es gilt eben zu unterscheiden zwischen Massen- und Nischenprodukten. Mit einer Kombination von hochempfindlichen Lichtempfängern und einer leistungsfähigen Signalverarbeitungs-Elektronik auf einem einzigartigen Siliziumchip können wir Dinge machen, die mit herkömmlichen Halbleitertechnologien nicht möglich sind.» Was für den Laien bedeutet, dass ihm diese Nische nicht so rasch jemand streitig macht. «3D-Kameras für Gestenerkennung, für Sicherheitssensoren bei automatischen Türen und an gefährlichen Maschinen, hochgenaue Messgeräte, Analyseinstrumente für die Medizin, Überwachungskameras für Anwendungen auch in der Nacht bis hin zu Kamerachips für Erdbeobachtungssatelliten und andere Raumfahrtanwendungen. Apple, Google oder auch iRobot, das sind die mit den automatischen Staubsaugern, gehören bereits zu den Kunden der Sarganser Chip-Schmiede. «Aber auch Microsoft und rund einhundert andere namhafte Firmen aus dem In- und Ausland beschäftigen sich mit unserer Technologie» sagt De Coi ohne einen Anflug von Stolz. «Einer der für uns wichtigsten Märkte ist China, wo in den nächsten Jahren rund 35 Millionen Schulzimmer mit berührungsempfindlichen Wandtafeln ausgerüstet werden sollen. Unserer Technologie ist dazu in idealer Weise geeignet.»

Dass er just diesen Standort gewählt hat, beweist seine ständige Beschäftigung mit Fragen von optimalen Produktionsbedingungen. «Es ist erwiesen, dass bereits kleinste Erschütterungen die Produktion von Halbleitern vereiteln können.» Im Gonzen wurden nur geringste Vibrationen gemessen. De Coi ist kein Tagträumer. Das hat er schon mit seiner Cedes Holding unter Beweis gestellt. Die Cedes stellt Lichtvorhänge und Lichtschranken als Weltmarktführer im Aufzugsgeschäft her. Er rechnet vor, welche weiteren Vorteile der Standort seines neuen Unternehmens sonst noch hat.

Felsbrocken verkauft

Einmal abgesehen davon, dass der Aufwand für teure Fundamente und Dachhüllen im Inneren des Gonzen wegfielen, hat er berechnet, dass sich mit dem herausgehauenen Gestein Kasse machen lässt. Bei geschätzten 90 000 Kubikmetern Fels konnten rund eine Million Franken Erlös erzielt werden. Und das bei einem konventionell berechneten Preis von rund acht Franken pro Kubikmeter. Aber beim Gespräch schimmert immer wieder durch, dass De Coi nicht durch Geld, sondern durch Ideen angetrieben wird.

Sein Ingenieurstudium verdiente er sich als Werkstudent. Seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erwarb er berufsbegleitend in einem Masterstudium. Wenn man ihn darauf anspricht, ob das nicht eine grosse Belastung gewesen sei, erstaunt seine Antwort nicht. «Das ist alles eine Frage der Einstellung.»

In die Wiege gelegt

Wenn er erzählt, dass sein Vater in zweiter Generation aus Italien in die Schweiz eingewandert ist und eine damalige Nische als Fahrlehrer von Landsleuten besetzt hat, wird klar, dass die Suche nach den Lücken und das Unternehmertum ihm schon in die Wiege gelegt wurden.

Und mit den Produkten der Cedes wird praktisch jeder irgendwann oder bis zu mehrmals am Tag konfrontiert. Und zwar immer dann, wenn eine automatische Tür oder ein Aufzug benutzt wird.

Ein Wafer wird bearbeitet. (Bild: pd)

Ein Wafer wird bearbeitet. (Bild: pd)

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