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Interview

Die Börse als Spielball der Politik

Der Ostschweizer Urs Rüegsegger ist quasi oberster Börsianer der Welt. Wirtschaftliche, politische und digitale Hürden gilt es zu meistern, wie der frühere Chef der St.Galler Kantonalbank sagt.
Ladina Chiara Schatz
«Oft reine Wechselstuben digitaler Währungen»: Urs Rüegsegger über Kryptowährungsdienstleister. (Bild: Urs Bucher)

«Oft reine Wechselstuben digitaler Währungen»: Urs Rüegsegger über Kryptowährungsdienstleister. (Bild: Urs Bucher)

Urs Rüegsegger, Jahrgang 1962, wohnhaft in Mörschwil, ist ehemaliger Präsident der Geschäftsleitung der St.Galler Kantonalbank und der SIX Group, welche die Schweizer Börse betreibt. Seit 3. Oktober 2018 ist Rüegsegger Vorsitzender der World Federation of Exchanges (WFE), der internationalen Interessenvertretung der Börsen.

Welche Aufgaben umfasst Ihre Rolle als WFE-Vorsitzender?

Urs Rüegsegger: Meine Funktion umfasst die Ausrichtung und Weiterentwicklung des Verbands sowie die Ausführung der Geschäfte des Verwaltungsrats und der Generalversammlung. Ich bin zudem Sparringpartner der Geschäftsführerin und erledige gemeinsam mit ihr die Öffentlichkeitsarbeit.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Amtszeit von zwei Jahren?

Wir möchten die für den Börsenhandel relevanten Themen proaktiv vorantreiben und damit Diskussionen anstossen. Inhaltliche Schwerpunkte setzen wir hier bei den Themen Digitalisierung und Eigentumsrechte an Marktdaten.

Die WFE gilt als «Wächterin der öffentlichen Märkte». Doch diese sind immer fragmentierter, weil die Regulierung nicht kohärent ist. Was läuft falsch?

Für globale Finanzmärkte ist ein ungehinderter grenzüberschreitender Kapitalverkehr essenziell. Einschränkungen, beispielsweise durch länderspezifische Marktbarrieren, wirken sich negativ auf die Finanzmärkte aus. Notwendige Anpassungen an veränderte Marktsituationen greifen langsamer, was nicht nur finanziell problematisch ist, sondern auch zu Instabilität führt. Die voranschreitende Fragmentierung der Märkte ist deshalb für die globalen Finanzmärkte eine negative Entwicklung, wie auch der letzte G7-Gipfel in Fukuoka deutlich machte.

Die Handelskonflikte verunsichern die Märkte und dämpfen das Wachstum der Weltwirtschaft. Inwieweit besorgt das die Börsen?

Wir beobachten mit Besorgnis die Auswirkungen globaler Handelskonflikte für die betroffenen Volkswirtschaften, insbesondere im Exportsektor. Die Folgen daraus wirken sich auf die Bewertung der am Markt gehandelten Titel und deren Volumen aus.

Die Digitalisierung krempelt auch die Finanzmärkte um. Welche Trends beobachten Sie?

Verschiedene. Durch das Aufkommen diverser Kryptowährungen positionieren sich heute neue Akteure im Markt. Hinter den als Börsen gekennzeichneten Dienstleistern stecken oft reine Wechselstuben digitaler Währungen.

Wir möchten verhindern, dass solche Anbieter in den gleichen Topf mit etablierten Börsen geworfen werden.

Eine weitere Entwicklung ist die Tokenisierung von Aktiven, also die digitale Zerstückelung von Vermögenswerten. Das schafft eine Alternative zur traditionellen Kotierung, mit allen Vor- und Nachteilen. Weiter befassen wir uns mit der Blockchain-Technologie. Wir sehen im Clearing und Settlement, also der Auftragsabwicklung und Verrechnung, verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Zudem setzen wir uns mit Cyberrisiken auseinander. Als Vertreterin der Marktintegrität liegt unser oberstes Interesse am Schutz vor möglichen Attacken.

Die EU benutzt die Börsenäquivalenz als Druckmittel gegen die Schweiz im Streit um das Rahmenabkommen. Wie lautet Ihr Urteil?

Wir sehen die Börsenäquivalenz primär als Mittel zur Reduktion der Marktfragmentierung und damit der Förderung der Stabilität des gesamten Finanzsystems.

Der Einsatz dieser Äquivalenz als politisches Pfand ist für uns schwer nachvollziehbar.

Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich die Börsenäquivalenz als Grundsatz durchsetzen wird.

Die Aberkennung der Börsenäquivalenz durch die EU hat aber der Schweizer Börse jüngst hohe Handelsumsätze beschert.

Als Folge der Aberkennung der Börsenäquivalenz wurde der Handel mit Schweizer Titeln auf alternativen Börsenplattformen eingestellt. Das bedeutet, dass aktuell sämtliche Transaktionen von Schweizer Anteilen über die Schweizer Börse abgewickelt werden. Aus den erfreulichen Zahlen geht jedoch nicht hervor, ob das gesamte Handelsvolumen transferiert wurde oder ob ein Teil davon als Folge der fehlenden Äquivalenz nun ausserbörslich abgewickelt wird.

Eine Zeit lang waren Börsenfusionen in aller Munde. Aktuell wird weniger darüber berichtet. Was sehen Sie für Gründe dafür?

Die letzten Jahre machten deutlich, dass sich der grenzüberschreitende Zusammenschluss grosser Marktakteure schwierig gestaltet. Der Einfluss von Regulatoren, Wettbewerbsbehörden und der Politik führt zu hohen Transaktionsrisiken. Es werden jedoch nach wie vor Zusammenschlüsse in hoher Frequenz durchgeführt. Das Volumen solcher Transaktionen ist nicht unerheblich, erreicht jedoch selten den Umfang der Megatransaktionen, wie sie teilweise in der Vergangenheit stattgefunden haben oder geplant waren.

Investitionen verschieben sich zunehmend ausserhalb des Kerngeschäfts.

Aufgrund abnehmender traditioneller Handelsvolumen bietet beispielsweise das Geschäft mit Daten eine attraktive Möglichkeit, die Wertschöpfung zu steigern.

Bargeld verliert an Bedeutung, traditionelle Banken auch. Wie sieht es mit Börsen aus?

Neue technische Möglichkeiten stellen tatsächlich bestehende Prozesse in Frage. Wir müssen in Zukunft fähig sein, unsere Qualitätsversprechen als integre und faire Handelsplätze auch unter geänderten Rahmenbedingungen glaubwürdig aufrecht zu erhalten. Gelingt uns dies nicht, sind günstigere und bessere Lösungen unvermeidbar.

Sie treten demnächst das Amt als Verwaltungsratspräsident der Zuger Kantonalbank an. Was reizt Sie an der neuen Herausforderung?

Ich schätze es, meine langjährige Erfahrung im Finanzsektor als Verwaltungsrat in einem etablierten Institut einbringen zu können. Die Zuger Kantonalbank ist gut aufgestellt, börsenkotiert und befindet sich an einem ­dynamischen und innovativen Wirtschaftsstandort.

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